Noch konnte kein Sprach-Gen identifiziert werden. Allerdings gibt es einige Hinweise darauf, dass sprachliche Fähigkeiten durchaus an einzelne Gene gekoppelt sein könnten. So wurde 1990 der Fall der amerikanischen Familie “KE“ publiziert, in der ein spezifischer Sprachfehler über mehrere Generationen hinweg vererbt wurde. Aufgrund der Verteilung des Defekts unter den Nachkommen kam nur ein dominantes Gen oder eine Gruppe von Genen als Ursache in Frage. Da vor allem grammatikalische Fähigkeiten wie die korrekte Bildung von Plural und Vergangenheit beeinträchtigt schienen, sprach man bald vom “Grammatik-Gen“. Kritiker wandten ein, bei den Sprachdefiziten könne es sich auch um die Folgen schlechter Ausbildung oder um ein Zeichen geringer Intelligenz handeln.
Das Gen FOXP2
Ausgiebige Tests zeigten jedoch, dass das Sprachdefizit unabhängig vom IQ auftrat und Probleme der Artikulation nicht allein eine Begleiterscheinung verminderter motorischer Fähigkeiten waren. Als 1998 derselbe Sprachfehler bei einer nicht mit den KEs verwandten Person festgestellt wurde, machten sich die Forscher erneut auf die Suche - und wurden fündig. Die Mutation wurde lokalisiert im Gen FOXP2, das allem Anschein nach eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Gehirns spielt. Betroffenen Personen fehlt sozusagen von Geburt an ein Teil der sprachrelevanten Verbindungen. Für sie gibt es bislang nur eine Möglichkeit, ihre Lücken wenigstens teilweise zu schließen: durch mühsames Auswendiglernen grammatikalisch korrekter Formen.
Katja Schmid



