Ursprung von Sprache: Gibt es einen Sprachinstinkt?
Leben & Lifestyle

Ursprung von Sprache: Gibt es einen Sprachinstinkt?

Bild: Foto: Martinus KE, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Seit Generationen streiten Sprachwissenschaftler, Anthropologen, Philosophen, Psychologen und Biologen darüber, ob der Mensch mit einer Grammatik im Kopf geboren wird oder nicht. Schon Charles Darwin war sich nicht ganz sicher. So schreibt er in seinem Werk “Die Abstammung des Menschen“ (1871):

Seit Generationen streiten Sprachwissenschaftler, Anthropologen, Philosophen, Psychologen und Biologen darüber, ob der Mensch mit einer Grammatik im Kopf geboren wird oder nicht. Schon Charles Darwin war sich nicht ganz sicher. So schreibt er in seinem Werk “Die Abstammung des Menschen“ (1871):

Sicher ist die Sprache kein echter Instinct, da eine jede Sprache erlernt werden muß. Sie weicht indessen von allen gewöhnlichen Künsten sehr weit ab, denn der Mensch hat eine instinctive Neigung zu sprechen, wie wir in dem Lallen junger Kinder sehen, während kein Kind eine instinctive Neigung zu brauen, backen oder schreiben hat.

Heutige Befürworter der Nativismus- oder Vererbungstheorie wie Noam Chomsky und seine Anhänger gehen davon aus, dass jeder Mensch über eine Art Universalgrammatik verfügt. Je nachdem, in welche Sprachgemeinschaft man hineingeboren wird, werden einzelne Aspekte dieser Allround-Grammatik aktiviert. Ein Beweis sei die Beobachtung, dass Kinder zu Beginn ihrer Sprech-Karriere quer durch alle Sprachen hindurch verblüffend ähnliche Fehler machen. Außerdem sei laut Chomsky-Schüler Steven Pinker nicht einzusehen, wie sich Kinder ohne einen angeborenen “Sprachinstinkt“ zurecht finden können im Sprachdschungel, der vor unregelmäßigen Verben, bizarren Pluralformen und obskuren Konstruktionen nur so wimmelt. Die gegnerische Seite vertritt unter Berufung auf den Behavioristen Burrhus Frederic Skinner die Ansicht, alles sei erlernbar, vorausgesetzt man verfüge über Intelligenz, ausreichend viele Beispiele und jemanden, der Fehler korrigiert.

Katja Schmid

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite