USA: Das Phänomen Trump
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USA: Das Phänomen Trump

Bild: Foto: Markus Trienke, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Egal ob eine Mauer an der Grenze zu Mexiko oder das Einreiseverbot für Muslime – Donald Trump schreckt vor kaum einer drastischen Aussage zurück. In seinen Wahlkampfauftritten beleidigt er, provoziert und diskriminiert. Er inszeniert seine Auftritte als Spektakel, als Spiel mit der Angst und als bewussten Tabubruch. Sein Argument dafür: Das Land habe aufgrund seiner immensen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Probleme keine Zeit für Political Correctness, so Trump.

Egal ob eine Mauer an der Grenze zu Mexiko oder das Einreiseverbot für Muslime – Donald Trump schreckt vor kaum einer drastischen Aussage zurück. In seinen Wahlkampfauftritten beleidigt er, provoziert und diskriminiert. Er inszeniert seine Auftritte als Spektakel, als Spiel mit der Angst und als bewussten Tabubruch. Sein Argument dafür: Das Land habe aufgrund seiner immensen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Probleme keine Zeit für Political Correctness, so Trump.

Damit stößt der Präsidentschaftskandidat viele vor den Kopf, Intellektuelle und Angehörige der Eliten ebenso wie ethnische Minderheiten, Muslime und Einwanderer. Politiker, Wissenschaftler und selbst einige hochrangige Vertreter der Republikaner – und damit von Trumps eigener Partei – haben bereits öffentlich vor einer Wahl Trumps zu US-Präsidenten gewarnt.

Den Nerv getroffen

Doch gerade in der weißen Mittel- und Unterschicht der USA hat Trump eine große Anhängerschaft. Sie sehen sich durch aktuelle Entwicklungen, durch die Wirtschaft und die Politik benachteiligt und suchen die Schuld dafür bei bequemen Sündenböcken: dem Establishment, den Eliten oder den Einwanderern. Dieses Verhalten ist ähnlich dem, das in Europa für den Erfolg rechter und extremer Parteien und Bewegungen sorgt.

"Teile der Bevölkerung haben mit Trump die Legitimation gefunden, das zu sagen, was sie schon lange denken", erklärt Amerikanistik-Professor Daniel Stein von der Universität Siegen. Und die Dunkelziffer derer, die solche Dinge zwar denken, aber sich bisher nicht öffentlich zu Trump bekennen, sei unbekannt.

Wie reich ist er wirklich?

Dabei ist klar: 75 bis 80 Prozent von Trumps Aussagen entsprechen gar nicht der Wahrheit. So verkauft sich Donald Trump gerne als erfolgreicher Geschäftsmann und Milliardär. Er möchte das Land wie einen Konzern führen, sagt er selbst. Dabei ist fraglich, wie erfolgreich der Geschäftsmann wirklich ist, meint Stein. Im Wahlkampf sei es Usus, dass alle Kandidaten ihre Steuererklärung offenlegen. Trump hat das bisher nicht gemacht.

"Das legt nahe, dass er entweder gar nicht so viel Geld besitzt, wie er alle glauben machen will, oder dass niemand erfahren soll, aus welch ominösen Quellen das Geld kommt. Beides wirft kein gutes Licht auf ihn", so der Experte. Er mutmaßt, dass Geldmangel auch hinter Trumps Verzicht auf teure Wahlkampf-Spots und stattdessen einer 24-Stunden Beschallung via Twitter steckt. "Trump scheint das Geld für Wahlkampfspots nicht zu haben", glaubt Stein.

Populismus ist schwer zu bekämpfen

Aber all das stört seine Anhänger nicht. "Donald Trumps Anhänger sind erschreckend loyal", meint Stein. Viele von ihnen sind weitgehend resistent gegenüber rationalen Argumenten. Solange Trump ihre Ressentiments nährt und ihnen aus der Seele spricht, halten sie zu ihm. Das aber macht die Sache so gefährlich: "Populistische Lösungsvorschläge sind verlockend, weil sie so simpel klingen. Alles, was man dem entgegensetzen kann, sind komplexe und oft auch unpopuläre Antworten. Klar, dass das nicht immer funktioniert", erklärt Stein.

Erschreckend auch: Trumps Anhänger stehen hinter ihm, selbst wenn er laut darüber nachdenkt, nukleare Waffen einzusetzen. "Militärisch haben US-amerikanische Präsidenten fast alle Macht der Welt. Trump könnte im Alleingang innerhalb kürzester Zeit Langstreckenwaffen abfeuern lassen, ohne dass irgendjemand etwas dagegen tun könnte", sagt der Amerika-Experte.

"Niveau eines Fünftklässlers"

Aber sind die provozierenden, scheinbar unreflektierten und oft schlicht falschen Äußerungen Trumps Kalkül und bewusste Provokation – oder handelt es sich um echte Ausrutscher? Nach Ansicht von Stein ist häufig letzteres der Fall, denn Trump fehle es an politischer Intelligenz. "Ich glaube, dass nicht alles Strategie ist, sondern dass Trump ganz einfach an seine intellektuellen Grenzen stößt", meint der Amerika-Experte.

Tatsächlich ergab schon im Vorwahlkampf eine Analyse der Reden von Donald Trump: Er liegt auch sprachlich eher auf unterem Niveau. Wie Forscher feststellten, liegt die Grammatik des republikanischen Kandidaten nur auf dem Niveau eines Fünftklässlers, seine Vokabeln entsprechen dem von Siebtklässlern.

Und auch inhaltlich hapert es: "Er hält es nicht lange durch, seriöse Reden zu halten, bis er wieder etwas politisch gänzlich Unkluges von sich gibt. Das kann strategisch nicht gewollt sein", sagt Stein. "Klar, wir müssen Trump ernst nehmen, aber ich glaube er wird sich vor der Wahl selbst sabotieren."

Wahl zwischen Pest und Cholera

Das bleibt zu hoffen. Denn viele US-Wähler sehen auch in der demokratischen Kandidatin Hilary Clinton keine wirklich gute Alternative. Für viele sei die Wahl zwischen Trump und Clinton eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera, sagt Stein. Clinton gilt häufig als überambitioniert und machtorientiert, als Vertretern des politischen Establishments – was sie gerade für viele Angehörige der weißen Mittel- und Unterschicht eher zum Feind als zur Wunschkandidatin macht.

Und Clinton kann nicht automatisch mit den Stimmen der weiblichen Wähler rechnen, nur weil sie die erste Frau im Weißen Haus wäre. So einfach sei das nicht, sagt Stein. Besonders jüngere Feministinnen stellen sich eher gegen Clinton und sehen in Bernie Sanders Politik die bessere Alternative.

Und unter den Trump-Anhängern sind Frauen ebenfalls gut vertreten, selbst aus konservativ religiösen Kreisen – seltsamerweise. Denn Trump ist dreimal geschieden, offen frauenfeindlich und hat ein junges Model als Ehefrau, was eigentlich nicht ins Weltbild dieser Klientel passt. "Er bedient alle Klischees. Man sollte meinen, dass vor allem religiöse Gruppen das nicht akzeptieren, aber es scheint ihnen mehrheitlich egal zu sein", sagt Stein.

"Der Aufgabe nicht gewachsen"

Noch liegen die beiden Kandidaten nur wenig auseinander. Wie die US-Wahl ausgehen wird, werden wir daher vermutlich erst nach dem 8. November erfahren. Der Amerika-Experte Stein jedenfalls hofft auf einen Sieg von Hilary Clinton. Denn er ist sich sicher: "Falls Trump tatsächlich Präsident werden würde, dann wäre er dieser Aufgabe nicht gewachsen." Dafür fehle ihm die politische Praxis und die Erfahrung in der Innen- und Außenpolitik.

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