“Verlieben müssen sich die Paare schon selbst!“
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“Verlieben müssen sich die Paare schon selbst!“

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Experten-Gespräch mit Hamburger Online-Argentur Parship

Online-Dating wird zum Megatrend bei der Partnersuche - das haben auch die Internetanbieter der Singlebörsen längst bemerkt: Ihr Zuwachs ist rasant. Parship, ein Startup der holtzbrinck networXs AG, hat sich in den letzten Monaten mit einem bewusst anderen Dating-Modell etabliert. Die Hamburger Online-Partneragentur bringt Singles kostenpflichtig durch einen Persönlichkeitstest zusammen, der den individuellen Charaktereigenschaften Rechnung trägt. wissen.de hat sich mit Geschäftsführerin Dr. Henrike Fröchling über ihr Businessmodell, ihre Klientel und die ’Goldenen Regeln’ virtuellen Kennenlernens unterhalten.

wissen.de: Worin unterscheidet sich Parship von anderen Internet-Singlebörsen?

Dr. Henrike Fröchling, Parship: Im Gegensatz zu anderen Singlebörsen bietet Parship ein Persönlichkeitsmatching auf wissenschaftlicher Basis an. Grundlage dafür ist ein Persönlichkeitstest, der 93 Fragen umfasst. Der Test ist das Ergebnis von 30 Jahren aktiver Beziehungsforschung . Die Auswertung der Testergebnisse ergibt ein individuelles Persönlichkeitsprofil, das in einer Datenbank gespeichert und mit anderen Profilen verglichen wird. Der ideale Partner wird also auf Grundlage der Persönlichkeit gefunden - und nicht einfach darüber, ob jemand evtl. denselben Musikgeschmack teilt. Auf diesem Weg findet der Suchende wesentlich eher den Partner, der wirklich zu ihm passt - und stolpert nicht erst nach längerer Zeit über Eigenarten und Charakteristika, die nicht harmonieren.

Ein weiterer Unterschied liegt eindeutig in der Positionierung: Parship versteht sich als anspruchsvolle Variante der Partnersuche - das wird allein an der langen Liste unserer Kooperationspartner deutlich, die von T-Online, über die Zeit, den Spiegel bis zur Wirtschaftswoche reicht. Unsere Klientel ist ebenso anspruchsvoll - der Großteil verfügt über einen akademischen Hintergrund. Ebenso charakteristisch für unsere Kunden ist die Ernsthaftigkeit der Partnersuche -sie bräuchten keinen Persönlichkeitstest, wenn sie nur auf einen One-Night-Stand oder einen Seitensprung aus wären. Das ist auch ein guter Filter für unsere User, die entsprechend nur auf Gleichgesinnte mit ernsten Absichten stoßen.

Singles lernen sich bei Parship über ihr Persönlichkeitsprofil kennen

wissen.de: Ein gutes Stichwort: Dieser Filter kostet - im Vergleich zu den kostenlosen Singlebörsen - 129 Euro für sechs Monate der Mitgliedschaft: Wird dieses Modell angenommen? Was erhalten ihre Kunden dafür garantiert?

Dr. Fröchling: Wir haben uns von Anfang an dafür entschieden, mit einem hohen Qualitätsanspruch in den Markt zu gehen. Das kostet natürlich seinen Preis: Es würde übrigens auch kaum glaubhaft wirken, ein wissenschaftlich fundiertes Matchingmodell kostenlos anzubieten. So erhält der User nach der Anmeldung ein über 70 Seiten umfassendes Persönlichkeitsprofil, zu dessen Auswertung auch persönliche Fragen von Seiten unseres Support-Teams beantwortet werden. Für besonders spezielle Fragen stehen darüber hinaus auch unsere Psychologinnen zur Verfügung.

Unser kostenpflichtiges Modell wird auch von User-Seite sehr gut angenommen; wir haben bisher keine Klagen in puncto Preis gehört und verzeichnen einen rasanten Mitgliederzuwachs. Parship arbeitet als noch sehr junges Internet-Unternehmen, das vor rund einem Jahr gestartet ist, bereits an der Schwelle zur Profitabilität.

wissen.de: Konkret - sind alle über 150.000 registrierten Mitglieder zahlende Kunden? Wie ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen prozentual ausgedrückt?

Dr. Fröchling: Viele User werden aufgrund von Kontaktgesuchen bereits aktiver Mitglieder dazu animiert, selbst Mitglied zu werden. Exakte Kundenzahlen möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht nennen, nur soviel: Wir wachsen sehr schnell - jeden Monat kommen etwa 20.000 - 30.000 Profile hinzu, wir befinden uns in der Nähe des Breakevens.

Gebildete Klientel bei Parship: 60 Prozent der Kunden sind Akademiker

wissen.de: Ich kann mir vorstellen, dass sich bei einem User, der 129 Euro bezahlt, ein gewisser 'Erfolgsdruck' aufbaut. Pointiert: Wie sieht es tatsächlich mit der Erfolgsquote aus? Gibt es Statistiken darüber, wie erfolgreich die Kontaktaufnahme verlief?

Dr. Fröchling: Eine tatsächliche Erfolgsquote ermitteln zu wollen, halte ich für unseriös, da man nicht wissen kann, was nach der Mitgliedschaft passiert. Erste Untersuchungen lassen uns jedoch vermuten, dass ein Kunde in den sechs Monaten zwischen drei und zehn Dates hat. Erste von uns durchgeführte Befragungen nach Beendigung der Mitgliedschaft deuten zudem darauf hin, dass die Anzahl der entstandenen Partnerschaften offenbar im hohen zweistelligen Bereich liegt.

wissen.de: Wie sieht der Querschnitt Ihrer Klientel aus: Ist die These haltbar, wer 129 Euro in diesen Service investiert, wird anteilig eher zu den Besserverdienenden zählen? Sprechen Sie also eher Akademiker an?

Dr. Fröchling: Ja, etwa 60 Prozent unserer Kunden sind Akademiker; das Einkommen ist entsprechend überdurchschnittlich. 95 Prozent unserer Nutzer sind über 30 Jahre alt - das kreist auch die größte vertretene Altersgruppe ein, die zwischen 30 und 39 liegt, was natürlich auch daran liegt, dass in diesem Abschnitt eine entscheidende Weichenstellung für zukünftige Lebensphasen erfolgt, also die Frage nach Ehe und Familie.

Man merkt überdies allerdings auch, in welcher Gesellschaft wir heute leben, d.h. welche Merkmale bei der Partnerwahl als attraktiv bzw. weniger attraktiv wahrgenommen werden. So gibt es fraglos auch einige Berufsbilder, die weniger beliebt bei unseren Kunden sind, also weniger häufig frequentiert werden. Oder etwa das Verhältnis zwischen den Alten und Neuen Bundesländern: Z.B. kam es vor, dass einige Frauen partout keine Männer aus den Neuen Bundesländern kennen lernen wollten. Eine Tendenz ist auch die Affinität älterer Männer zu jüngeren Frauen - all dies sind jedoch gesellschaftliche Phänomene, von denen Parship natürlich nicht frei sein kann, obwohl sie in relativ geringem Ausmaße auftreten.

Der visuelle Eindruck wird überbewertet

wissen.de: Worauf basiert Ihr psychologischer Test?

Dr. Fröchling: Der beruht auf praktischer Erfahrung in der Beziehungsforschung, also nicht auf Theorie, wie sie vielfach in Fachliteratur vermittelt wird. Rund dreißig Jahre Partnerschaftsforschung bilden die Basis unseres wissenschaftlichen Verfahrens, das vor allem verhaltensorientierte Faktoren in den Mittelpunkt stellt. Die von einem Psychologen-Team entwickelte Methode bezieht sich auf Merkmale, die für eine Beziehung wichtig sind. Dabei berücksichtigen wir, dass sich Partner in vielen Punkten ähnlich sein, sich in anderen aber besser ergänzen sollten. Parship möchte auf diesem Weg den Idealpartner finden.

wissen.de: Anders als viele Singlebörsen verzichten Sie bewusst auf Bilder der Mitglieder: Wird damit der Bedeutung der 'physischen Attraktivität' bei der Partnerwahl hinreichend Rechnung getragen?

Dr. Fröchling: Dem Verzicht auf Bilder liegt der Wunsch nach Anonymität unserer Mitglieder zugrunde, schließlich wollen wir eine passende Zuordnung anhand des Persönlichkeitsprofils erzielen - und daraus keinen Fotowettbewerb machen. Obwohl wir durchaus dazu raten, im möglichst frühen Kennlernstadium Fotos zu tauschen, warnen wir davor, diesen Fotos zuviel beizumessen: Was sagt eine Momentaufnahme schon aus? Die wenigsten Fotos spiegeln einen Menschen so treffend wieder, wie er in der Realität in seiner physischen Präsenz erscheint.

Wir bekommen auch viel Userfeedback, aus dem deutlich wird, dass der visuelle Eindruck letztlich nicht entscheidend ist - etwa: dass man sich im wirklichen Leben aufgrund des ersten flüchtigen Eindrucks nicht aufgefallen und über den Weg gelaufen wäre. Das unterstreicht übrigens auch, wie wandelbar doch die optische Wahrnehmung im Laufe der Zeit wird und stattdessen andere, charakterbestimmte Eigenschaften bei der Partnerwahl im Vordergrund stehen. Zumeist führt ja nicht die instinktive Wahrnehmung eines optisch sehr attraktiven Menschen zu einer idealen Partnerschaft.

Parship bereitet den Weg zum Kennenlernen

wissen.de: ’Verlieben’ ist das passende Stichwort: Das Kennenlernen über ein schriftliches Medium verspricht fraglos eine gute Möglichkeit, eine möglichst große Schnittmenge an Gemeinsamkeiten / Interessen zu finden - weitaus höher, als dies beim zufälligen Kennenlernen beim Ausgehen am Abend etwa denkbar wäre. Doch immer wieder wird gerne die Frage nach dem irrationalen Anteil beim Kennenlernen gestellt. Ist Liebe auf diesem Weg machbar, d.h. erscheint sie zumindest realistischer - oder regiert weiter der Mythos des 'Sichverliebens' jenseits aller Rationalität, also dem potenziell bestmöglichen Matching?

Dr. Fröchling: Parship möchte den Usern dabei helfen, sich schneller und passender kennen zu lernen - dafür ist unser Service da. Wir möchten dem User die Möglichkeit geben, auf seinen potenziellen Idealpartner zu treffen, also den Weg zu bereiten - all das, was danach passiert, ist etwas sehr Zwischenmenschliches, das sich der Planung entzieht: Wie Menschen aufeinander wirken, wie sie schmecken, riechen, sich anfühlen - das können zwei Menschen nur gemeinsam herausfinden. Verlieben müssen sich die Paare schon selbst!

Online-Dater sollten realistisch bleiben

wissen.de: Nicht immer verlaufen reale Treffen nach einem viel versprechenden virtuellen Vorlauf ja ebenso reibungslos. Worin sehen Sie Gefahren des virtuellen Kennenlernens? Wie können sie vermieden oder minimiert werden?

Dr. Fröchling: Auf unserer Website haben wir genau für diese Fragen einen Ratgeber-Teil eingerichtet, der sich detailliert mit dieser Problematik auseinander setzt. Kurz gefasst können wir folgende ’Goldenen Regeln’ aufstellen: Die Spanne zwischen dem virtuellen und realen Kennenlernen sollte nicht zu lange dauern, da sonst die Gefahr besteht, sein Date zu idealisieren.

Beim Mailwechsel sollte man sich auf jeden Fall so realistisch wie möglich darstellen - sowie zu Beginn keine ausufernden Mails schreiben. Es empfiehlt sich auch, sich vorab ein möglichst komplettes Bild zu machen: Also Photos auszutauschen und zu telefonieren. Das erste Date sollte dann auch nicht überbewertet werden - ein Treffen an einem öffentlichen Ort für ein bis zwei Stunden kann ein guter Start sein, nach dem in Ruhe reflektiert werden sollte.

wissen.de: Zum Unternehmen: Sie sind mit einer Vielzahl renommierter Print-Marken wie Die Zeit oder Der Spiegel online Kooperationen eingegangen, das Geschäft wächst rasant. Wie sieht Ihre Strategie für die Zukunft aus: Sind weitere Services geplant?

Dr. Fröchling: Ja, das ist geplant - etwa in der Richtung Partnerschaftsberatung. Zudem wird eine Expansion ins deutschsprachige Ausland anvisiert - also in Richtung Schweiz und Österreich. Ebenso versuchen wir weiter mit unseren Kooperationspartnern zu wachsen bzw. neue strategisch zu integrieren.

Das Gespräch führte Nils Jacobsen.

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