Vive la France!
Leben & Lifestyle

Vive la France!

Bild: Foto: Bernd Schwabe in Hannover, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Überzeugend taktierende französische Mannschaft

Überzeugend taktierende französische Mannschaft

Das Finale vor 80.000 begeistert mitgehenden Fans im Pariser "Stade de France" und bis zu zwei Milliarden Fernsehzuschauern wurde eindeutig von der französischen Mannschaft diktiert. Vor allem in der ersten Halbzeit drängte die mit international erfahrenen "Legionären" gespickte Truppe den Südamerikanern ihr Spiel auf und ließ die Abwehr um Junior Baiano ein ums andere Mal hilflos aussehen. Folgerichtig fielen dann auch die ersten beiden Tore durch "Goldköpfchen" Zinedine Zidane – jeweils nach Ecken von Petit und Djorkaeff. Der ansonsten eher als kopfballschwach eingestufte Edeltechniker mit algerischen Vorfahren nickte souverän ein und katapultierte sich damit zum absoluten Superstar der Veranstaltung empor. Zwar erhöhte die "Selecao" nach der Pause und vor allem nach der 68. Minute (gelb-rote Karte für Desailly) den Druck auf das Tor von Fabien Barthez, doch die Franzosen blieben mit blitzartigen Kontern immer gefährlich. Das 3:0 von Emannuel Petit in der letzten Minute war schließlich der krönende Abschluss einer disziplinierten Vorstellung der Franzosen. Zu den unglücklichsten Figuren der Partie zählte der bis dahin nur ansatzweise überzeugende Weltfußballer Ronaldo: Sichtlich außer Form, erspielte er sich lediglich eine einzige Torchance im ganzen Spiel.

Überraschungen in der ersten Runde

Noch nie zuvor bei einem WM-Turnier nahmen so viele Länder (32) teil, noch nie gab es so viele Spiele (64). Mit Ausnahme einer Gruppe bestanden alle aus je zwei europäischen, einer amerikanischen und einer afrikanischen oder asiatischen Mannschaft. Wie so häufig bei Fußball-Weltmeisterschaften gab es auch dieses Mal bereits in der ersten Runde einige Überraschungen, und einige vermeintliche (Mit-)Favoriten mussten vorzeitig die Heimreise antreten. Spanien zum Beispiel schaffte erstmals seit 1978 nicht den Einzug in die zweite Runde. Nach einem 2:3 gegen Nigeria und einem 0:0 gegen Paraguay halft der Mannschaft von Javier Clemente auch ein 6:1-Kantersieg über Bulgarien nicht mehr. Leidensgenossen waren die Bulgaren, die trotz Stars wie Stoitchkov und Balakov zusehen mussten, wie die Mannschaften aus Nigeria und Paraguay die "Todesgruppe" für sich entschieden. Fast erwartungsgemäß war dagegen der frühzeitige Abschied Schottlands – immerhin verbreiteten ihre Fans reichlich gute Laune. Die versprühten auch die Anhänger von Jamaika – mit dem Unterschied, dass sie auch guten Grund dafür hatten: Zwar reichte es bei ihrer WM-Premiere nicht für die nächste Runde, aber immerhin fuhren die "Reggae Boys" aus der Karibik ihren ersten Sieg (gegen Japan; 2:1) ein. Auffällig souverän meisterten Frankreich und Argentinien (ohne Gegentor!) mit jeweils drei Siegen ihre Pflichtaufgaben, England löste erst im letzten Spiel gegen Kolumbien (2:0) das Ticket fürs Achtelfinale. Einen faden Beigeschmack hinterließ das Ausscheiden von Marokko: Die bereits qualifizierten (und lustlos wirkenden) Brasilianer verloren im letzten Spiel gegen Norwegen und verbauten so den Nordafrikanern den zweiten Gruppenplatz.

Der Achtelfinal-Knüller zwischen Argentinien und England (6:5 n.E.) sollte die Bühne für einen aufstrebenden Jungstar werden: Das Tor des 18-jährigen Michael Owen nach einem Solo über den halben Platz war einer der schönsten Treffer des Turniers. Für eine Premiere der anderen Art sorgte Laurent Blanc: Mit seinem Tor zum 2:1 in der 113. Minute im Achtelfinale gegen Paraguay markierte der Franzose das erste (und bislang letzte) "Golden Goal" in der WM-Geschichte und sicherte sich so unvergänglichen Ruhm. Reichlich Mitleid ernteten dagegen die Italiener im Viertelfinale, als sie zum Dritten Mal nach 1990 und 1994 bei der Elfmeterlotterie die Niete zogen: Beim 3:4 n.E. (0:0) gegen Frankreich versagten diesmal Albertini und Di Biagio die Nerven.

Bis ins Halbfinale kam die Überraschungsmannschaft des Turniers. Bei der ersten WM-Teilnahme Kroatiens nach der Teilung des ehemaligen Jugoslawien erwies sich einzig der spätere Weltmeister Frankreich (1:2) als eine Nummer zu groß. Anschließend durften die Mannen von Trainer Miroslav Blazevic nach dem Spiel gegen Holland (2:1) einen verdienten 3. Platz feiern – dazu holte sich der 30-jährige Davor Suker mit insgesamt sechs Treffern die Torjägerkrone.

Hintergrund

Zum zweiten Mal in Folge war das Viertelfinale Endstation für die deutsche Nationalelf. Dabei startete der amtierende Europameister nach den Begegnungen gegen Jugoslawien (2:2), Iran (2:0) und USA (2:0) durchaus erfolgreich ins Turnier. Auch im Achtelfinale gegen Mexiko konnte ein Rückstand dank einer vorbildlichen kämpferischen Einstellung in einen 2:1-Sieg umgewandelt werden. Das Turnier-Ende für die Schützlinge von Berti Vogts zeichnete sich mit dem Platzverweis für Christian Wörns im Viertelfinale gegen Kroatien ab. Dabei hatte Deutschland bis zu diesem Zeitpunkt seine beste Turnierleistung geboten. Was folgte, war eine 0:3 Demontage und die höchste WM-Niederlage seit 1958 (3:6 gegen Frankreich). Als Grund wurde u.a. das hohe Durchschnittsalter (29,8) der Mannschaft angeführt – viele Leistungsträger (u.a. Thon, Köpke, Kohler, Helmer, Klinsmann, Kirsten) waren schon jenseits der 30. Als gegen die USA ein Team mit einem Altersdurchschnitt von über 30 Jahren auflief, titelte eine Sportzeitung "Jurassic-Park im Prinzenpark". Lothar Matthäus wurde im reifen Fußballalter von 37 Jahren durch seine Einwechslung gegen Jugoslawien mit seinem mittlerweile 22. Einsatz Rekord-WM-Spieler und sorgte somit wenigstens für ein Highlight aus deutscher Sicht. Für einen negativen Höhepunkt abseits des sportlichen Geschehens waren brutale deutsche Hooligans verantwortlich: Am 21. Juni schlugen sie in Lens den Gendarmen Daniel Nivel mit einer Eisenstange bewusstlos, der 44-jährige Familienvater erlitt dabei irreparable Hirnschäden.

Die Teilnehmer

  • Gruppe A: Brasilien, Schottland, Marokko, Norwegen
  • Gruppe B: Italien, Chile, Kamerun, Österreich
  • Gruppe C: Frankreich, Südafrika, Saudi-Arabien, Dänemark
  • Gruppe D: Spanien, Nigeria, Paraguay, Bulgarien
  • Gruppe E: Holland, Belgien, Südkorea, Mexiko
  • Gruppe F: Deutschland, USA, Jugoslawien, Iran
  • Gruppe G: Rumänien, Kolumbien, England, Tunesien
  • Gruppe H: Argentinien, Japan, Jamaika, Kroatien

Weltmeisterschaft 1998

  • Viertelfinale
  • 3.7. Brasilien – Dänemark 3:2 (2:1)
  • 3.7. Italien – Frankreich 3:4 n.E. (0:0)
  • 4.7. Deutschland – Kroatien 0:3 (0:1)
  • 4.7. Holland – Argentinien 2:1 (1:1)
  • Halbfinale
  • 7.7. Brasilien – Holland 5:3 n.E. (0:0, 1:1)
  • Frankreich – Kroatien 2:1 (0:0)
  • Spiel um den 3. Platz
  • 11.7. Holland – Kroatien 1:2 (1:2)
  • Endspiel
  • 12.7. Brasilien – Frankreich 0:3 (0:2)
  • Brasilien: Taffarel, Cafu, Aldair, Baiano, Roberto Carlos, Cesar Sampaio (74. Edmundo), Dunga, Leonardo (46. Denilson), Rivaldo, Bebeto, Ronaldo
  • Frankreich: Barthez, Thuram, Desailly, Leboeuf, Lizarazu, Karembeu (56. Boghossian), Deschamps, Petit, Djorkaeff (76. Vieira), Zidane, Guivarc’h (66. Dugarry)
  • Tore
  • 0:1 Zidane (27.), 0:2 Zidane (45.), 0:3 Petit (90.)

Mehr aus Leben & Lifestyle

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Leben & Lifestyle.

Alle Leben & Lifestyle-Artikel
Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren
Leben & Lifestyle

Akustik historischer Instrumente: Die physikalischen Geheimnisse alter Meistergitarren

2. November 2026

Warum klingen Instrumente aus der Vorkriegszeit anders als neu gebaute Modelle? Die Antworten liegen in der komplexen physikalischen und chemischen Alterung von Holz, Leimen und Lacken über Jahrzehnte.

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur
Leben & Lifestyle

Kleine Bäume, große Geschichte: Die Entwicklung der Bonsai-Kultur

31. Oktober 2026

Von den chinesischen Penjing-Landschaften über den Zen-Buddhismus bis zur weltweiten Verbreitung: Die Geschichte der Bonsai-Kultur ist mehr als ein Dekorationstrend. Sie verbindet jahrhundertealte Philosophie mit…

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert
Leben & Lifestyle

Hypnose verstehen: Was im Zustand der Trance wirklich passiert

27. Oktober 2026

Kaum ein Verfahren ist so von Klischees umgeben wie die Hypnose. Bühnenshows, in denen Freiwillige wie ferngesteuert Hühner imitieren, prägen bis heute das Bild. Mit der Arbeit in einer Praxis hat das wenig zu tun. Dort…

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz
Leben & Lifestyle

Hefepathogen nutzt Inositol trotz Glukose: Rezeptor verknüpft Nährstoffwahl mit Virulenz

20. Oktober 2026

Eine Studie in PLOS Biology zeigt, wie ein Inositol-sensitiver Rezeptor bei einer Hefe die Nährstoffnutzung steuert – selbst bei Glukose-Überschuss. Die Entdeckung verbindet Stoffwechsel und Virulenz.

← Zurück zu Leben & LifestyleZur Startseite