Von Nägeln und Eisenplatten
In der Geburtsstunde des Fußballs mussten sich die Mitglieder des ersten englischen Verbandes zunächst einmal darüber einig werden, dass Fußball deshalb so heißt, weil der Ball mit dem Fuß und nicht mit der Hand gespielt werden soll (1863). Zur selben Zeit schwor man dem Beinstellen, Treten und Festhalten des Gegners ab und belegte das Tragen von hervorstehenden Nägeln oder Eisenplatten auf den Schuhsohlen mit einem Verbot. Außerdem sollte das Spielfeld vier Eckfahnen und vier Torpfosten aufweisen. Und sogar die ungeliebteste aller Fußballregeln gehört zu den "Pionieren" des Regelwerks: das Abseits.
Die Pfeife auf dem Platz
Noch für kurze Zeit hatte der Schiedsrichter allerdings Mühe, sich im Getümmel des Spiels bemerkbar zu machen. Doch das änderte sich schlagartig mit Einführung der Pfeife (1878). Ein Pfiff genügte, und schon flog der Übeltäter vom Platz (1880). Für Fouls in der Nähe des Tores pfeift er seit 1890 einen Strafstoß. Doch von wo aus sollte man ihn denn schießen? Bitte von einer Linie, 11 Meter vor dem Tor (1891). Der Einwurf übrigens musste ab 1895 vom Spielfeldrand aus getätigt werden, von wo hatte man den Ball wohl vorher eingeworfen? Im Laufe der folgenden Jahre kristallisierten sich auch die heute noch gültigen Abmessungen des Spielfeldes heraus (1902). Bis zur Jahrhundertwende waren dann die wichtigsten Fußballregeln gefunden, sie wurden bis heute lediglich um Details erweitert.
Übrigens war auch Deutschland zu jener Zeit in puncto Fußball sehr umtriebig, was die Einführung einiger rührender Regeln zur Folge hatte: So sollte bei der Anlage eines Fußballplatzes darauf geachtet werden, dass kein Spieler gegen den Ostwind anlaufen müsse, dass sich außerdem niemand auf dem Platz einfach hinlegte oder müßig herum stand und dass niemand sich ohne Erlaubnis seiner Kleidung entledigte.
Tornetze und farbige Karten
Das Tornetz wurde übrigens erst 1938 zur Regel - erstaunlich eigentlich, dass die Torwarte so lange Zeit die Geduld aufbrachten, bei jedem Gegentreffer den Ball irgendwo im Gebüsch zu suchen. Nach dem 2. Weltkrieg ging man mit der Zeit und erlaubte moderne Materialien auf dem Platz: In die Schuhe durften Stollen aus Aluminium und Plastik geschraubt werden (1955) und der Ball durfte aus einem anderen Material als Leder bestehen (1965). Mit der Weltmeisterschaft in Mexiko (1970) kam schließlich Farbe ins Spiel: Schiedsrichter zückten zum ersten Mal gelbe und rote Karten, die jeder Rüpel ohne weitere Rückfragen verstehen konnte. Und weil das noch immer nicht ausreichte, legte man mit der Gelb-Roten Karte 1992 noch einen drauf. Im 21. Jahrhundert enthält das Regelwerk des DFB insgesamt 17 national und international gültige Paragraphen und für jede nur erdenkliche Lebenslage auf dem Fußballplatz rund 450 konkrete "Anweisungen für Schiedsrichter". Zum Vergleich: Das Grundgesetz verfügt nur über 146 Artikel.



