Von Schülern für Schüler
Leben & Lifestyle

Von Schülern für Schüler

Bild: Foto: Carl Otto, Public domain, via Wikimedia Commons

Für alle, die von der Idee des Journalismus fasziniert sind und eine eigene Zeitung an der Schule oder Universität, in der Kirche oder im Verein gründen wollen, stellen sich ein paar wichtige Fragen. Wie motiviere ich Mitarbeiter? Wie organisiere ich die Redaktion? Welche Themen kommen beim Leser an?

Für alle, die von der Idee des Journalismus fasziniert sind und eine eigene Zeitung an der Schule oder Universität, in der Kirche oder im Verein gründen wollen, stellen sich ein paar wichtige Fragen. Wie motiviere ich Mitarbeiter? Wie organisiere ich die Redaktion? Welche Themen kommen beim Leser an?

Wie ziehe ich eine Zeitung auf?

Wie bringe ich Unterhaltung, Probleme und Lösungen auf’s Papier, ohne das nachzuplappern, was in Tageszeitungen, Jugendzeitschriften oder anderen Medien ohnehin schon steht? Es gilt, eine Marktlücke bei den Interessen der Leser zu finden.

Der Journalismus bietet viele Möglichkeiten, gerade in einer selbst herausgegebenen Zeitung:

  • Missstände aufzeigen, die die Zielgruppe interessieren, andere informieren (besonders über Dinge, die sie sonst nicht so leicht und zusammengefasst erfahren)
  • ein aktives Schul-, Uni- oder Vereinsleben ankurbeln
  • ein aktives Schul-, Uni- oder Vereinsleben ankurbeln
  • Veränderungen im lokalen oder gesamtgesellschaftlichen Leben dokumentieren

Was bringt mir die Zeitung persönlich?

Jeder muss sich im Klaren darüber sein, dass die Arbeit in einer Zeitung auch ein gutes Stück Freizeit kostet. Doch spricht man mit ehemaligen Redakteuren, würde keiner diese Zeit vermissen wollen. Warum?

Diese engagierte Arbeit

  • macht Spaß und kann neue Freundschaften schaffen.
  • lässt die Umwelt kritischer und bewusster erleben und mitgestalten.
  • schafft neue Erfahrungen mit fremden Menschen.
  • steigert den eigenen Bekanntheitsgrad und schafft Voraussetzungen für ein selbstbewusstes Auftreten im Umgang mit Anderen.
  • bringt Erfahrungen für Dinge des täglichen Lebens (Kontakt mit Anzeigenkunden, Druckereien, Bankangelegenheiten und Kontoführung, Presseabteilungen).
  • erweitert den Horizont durch Kontakt zu Politikern, Prominenten und anderen Personen des öffentlichen Lebens.
  • gibt den Blick frei hinter viele Kulissen für den, der mit offenen Augen auf Recherche ist.
  • lässt neue Fähigkeiten und Talente erkennen, z.B. lebendiges Schreiben, Zeichnen oder Organisieren.
  • erweitert den eigenen Horizont, besonders im kritischen Umgang mit Medien, Informationen und Meinungen aller Art.

Dieses Engagement bringt viele im Leben einen großen Schritt voran. Ohne es zu merken, haben die Aktiven schnell anderen etwas voraus.

Wie wird der Schneeball zur Lawine?

Was ist, wenn nur ein kleines Häuflein von Interessenten und Mitarbeitern den Sprung ins kalte Wasser wagen will oder die „alten Hasen“ das sinkende Schiff nach dem Schulabschluss alle auf einmal verlassen? Dann lautet die Parole: Mitarbeiter suchen und werben.

Aber wie wird der Schneeball zur Lawine?

  • Klassensprecher einladen und befragen, ob sie selbst mitarbeiten wollen und wer aus den jeweiligen Klassen als Redakteur in Frage käme
  • Lehrer befragen, ob sie interessierte oder talentierte Schüler kennen. Vielleicht möchten sie selbst als freie Mitarbeiter oder beratende Lehrer teilnehmen.
  • Anschlag am Schwarzen Brett.
  • Ein Rundgang durch die Klassen hilft oft weiter (mit Genehmigung des Schulleiters). Dort könnt Ihr direkt Eure Arbeit und Eure Ziele darstellen.
  • Ein heißer Werbespot durch die Schullautsprecher wirkt oft Wunder.
  • Ein „Schnupperwochenende“ oder „Schülerzeitungs-Workshop an einem interessanten Ort. Dort wird mit den Redakteuren und möglichst vielen Neulingen eine komplette Schülerzeitung erstellt. Erst beim Machen selbst entdecken viele ihren Spaß an der Zeitungsarbeit.
  • Jugendpresse-Verbände bieten Praxisworkshops, Themenseminare und Pressefahrten an.

Oft gibt es Schüler, die mit bedauerndem Blick absagen: „Ich würde ja gerne, aber ich kann nicht schreiben“. Aber wie gesagt: Wer einen schlechten Schulaufsatz schreibt, schreibt noch lange keine schlechten Artikel. Eine Redaktion kann nicht nur aus begnadeten Schreibern und Leitartiklern bestehen. Die stille Arbeit ist genauso wichtig. Denn es gibt viele Aufgaben in einer Redaktion.

Wer macht was?

Die einen schaffen es mit kreativem Chaos, die anderen organisieren ihre Arbeit nach dem Vorbild ihrer großen Kollegen. Da sich ersteres oft genug von allein einstellt, sollte der geordnete Redaktionsaufbau zumindest ein Gerüst sein, auf das jeder schnell zurückgreifen kann. Voraussetzung ist allerdings eine Kernmannschaft, die genügend Mitarbeiter hat, um alle Arbeitsfelder abzudecken. Diese Aufteilung ist eine von vielen Möglichkeiten. An sie muss sich niemand halten.

Wichtig ist, dass die Verantwortlichkeiten abgedeckt und genau abgesprochen werden. Besonders, wenn es Ärger geben sollte, ist das von Bedeutung. Das heißt nicht, dass die ganze Verantwortung letztendlich auf den Chefredakteur abgeschoben werden soll. Im Gegenteil: Jeder sollte sich als gleichberechtigtes Mitglied der Redaktion fühlen. Dazu gehören allerdings nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.

Bei der Benennung eines Chefredakteurs geht es auch nicht darum, einen Diktator auf den Thron zu heben, sondern - und das kann ein großer Vorteil sein - einen erfahreneren Schüler zu bestimmen, der zwischen den einzelnen Themenbereichen (Ressorts) koordinieren kann, den Überblick behält und auf die Einhaltung des Terminplanes achtet. Die Medien kennen zusätzlich noch die Position eines Chefs vom Dienst (CvD). Er dient als Bindeglied zwischen dem Verlagsbereich und der Redaktion. Er weiß zum Beispiel auch, wie viel Platz die Anzeigen in Anspruch nehmen werden und kann daraufhin den Redakteuren den Freiraum für ihre Artikel zuweisen. Außerdem sorgt er dafür, dass alle Beiträge rechtzeitig auf den Tisch der Layouter kommen.

Um alle Redaktionsmitglieder in die verantwortliche Leitung der Zeitung einzubinden, kann eine Mannschaft diese Funktionen auch im Wechsel besetzen. Im Zweifelsfall gilt: Erfahrung ist der beste Koch.

Wichtig bei der Aufgabenverteilung: Immer ein Augenmerk auf die jüngeren Schüler richten! Die Redaktion kann einen Ansprechpartner benennen, der sich nur um die Unterstufe und die freien Mitarbeiter kümmert. Das ist eine Investition in die Zukunft des Blattes!

Außen hui und innen....? - Das inhaltliche Konzept

Zuerst muss ein Name für die Zeitung her. Dabei zerbrechen sich die meisten Redakteure den Kopf, weil die Vorstellungen oft weit auseinander gehen. Allerweltsnamen wie „Lupe“, „Penne“ oder „Kaktus“ könnt Ihr vermeiden. Titel wie „No Name“ oder „Untitled“ zeugen von Phantasielosigkeit. Sonst sind der Kreativität aber keine Grenzen gesetzt. Viele Zeitungen nehmen Bezug zum Namen der Schule. Beispiele: „HertzSchlag“ am Hertz-Gymnasium, „Aufbäumer“ am Gertrud-Bäumer-Gymnasium, „Mary“ am Marie-Curie-Gymnasium oder „Gutenberg-Presse“ an der Gutenberg-Schule.

Themensuche

Interessant, mitreißend, witzig und informativ sollten die Themen sein. Wer viel Wind machen will, braucht zunächst oft einen Gedankensturm. Besser bekannt unter dem Namen „Brainstorming“ ist die Methode, die den meisten Freiraum für Vorschläge lässt. Zuerst wirft jeder seinen Gedanken in die Runde, der sofort festgehalten wird. Bewertet und kritisiert sowie sortiert wird erst am Ende.

Dabei könnt Ihr unterscheiden zwischen

  • einmaligen Themen
  • ständigen Rubriken

Ständige Rubriken könnten zum Beispiel sein:

  • Schulpolitik
  • Arbeit und Veranstaltungen der Schülervertretung
  • Lehrerinterviews
  • Berufswahl (in einer Serie werden Ausbildungsberufe und Studiengänge vorgestellt, Unterstützung liefert sich das örtliche Arbeitsamt)
  • Sport
  • Freizeit
  • Wettbewerbe, Witze, Comics
  • Stilblüten/Lehrersprüche
  • Fotostories (aus eigener Regie)
  • Gedichte & Geschichten (aus der Feder von Mitschülern)
  • Termine
  • Kleinanzeigen (kostenlos von Mitschülern)

Zu diesen regelmäßig wiederkehrenden Rubriken, für die sich immer jemand fest verantwortlich fühlen sollte, kommen aktuelle Berichte und Reportagen zu Themen, die zumindest für einen Großteil der Schüler interessant sind.

Wer ein heißes Eisen anpackt, muss immer daran denken, möglichst mehrere Meinungen zu veröffentlichen. Das ist fairer den Lesern gegenüber und sorgt unter ihnen für mehr Diskussionsstoff. Gepfefferte Kommentare können, solange sie sachlich bleiben und nicht persönlich werden, sehr wohl zu der Auseinandersetzung mit einem Thema beitragen.

Wer Themen aus der großen Politik aufgreifen möchte, kann nach einem örtlichen oder persönlichen Aufhänger in seiner unmittelbaren Umgebung suchen. Dann haben die Leser eher einen direkten Bezug dazu und lesen nicht das, was ohnehin schon in jeder Tageszeitung steht. Aber Vorsicht: Parteipolitische Propaganda gehört nicht in eine Schülerzeitung.

Beispiel:
Ein Bürgerkrieg ist im Gange: Ein Mitschüler gehört einer betreffenden Volksgruppe an. Seine Verwandten konnten gerade noch aus dem Kampfgebiet flüchten.

Finger weg von ...

Viele Redaktionen kopieren Elemente bekannter kommerzielle Medien, um sich selbst damit „als professionelle Zeitung“ darzustellen. Meist geht das schief. Der Leser ist amüsiert, wenn nicht verärgert.

Verzichtet daher auf

  • Fortsetzungsgeschichten. Die Abstände zwischen den einzelnen Ausgaben sind meist zu groß.
  • Hitparaden, die oft am Erscheinungstag schon überholt sind.
  • Werbe- und PR-Texten mit denen Firmen und Verbände die Schülerzeitung als Werbeträger für ihre Produkte ausnutzen wollen, indem sie redaktionelle Beiträge kostenlos zum Abdruck anbieten. Dafür gibt es den Anzeigenteil.
  • Zeitungen sind nicht zur politischen Indoktrination da! Gegen Kommentare ist nichts einzuwenden, dann muss der Autor aber namentlich (der echte Name, nicht ein Pseudonym) gekennzeichnet werden. Wieder ist es ein Gebot der Fairnis, andere Meinungen ebenfalls zu Wort kommen zu lassen - entweder in der gleichen oder in einer anderen Ausgabe.
  • Privatfehden. Auseinandersetzungen zwischen zwei Personen oder Gruppen nicht über die Zeitung ausfechten. Es sei denn, das Problem ist von grundsätzlichem Interesse. Dann ist das Thema allgemein, das heißt ohne Namensnennung der Betroffenen, anzugehen.
  • kopierte Comics. Die oft willkommenen Donald Duck- und Asterix-Strips stehen unter Urheberrecht. Das kann die Redaktion teuer zu stehen kommen.
  • Rechtschreib- und Satzfehler. Sie ärgern den Leser, bringen Spott und lenken vom Inhalt ab (der dann manchmal nicht mehr für voll genommen wird).

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