Attacken von Cyber-Erpressern gab es bisher vor allem auf kommunale Stadtverwaltungen, Krankenhäuser oder Firmen. Dabei wird durch einen leichtsinnig angeklickten Link oder versehentlich geöffneten E-Mail-Anhang Schadsoftware geöffnet, die sich auf dem PC ausbreitet und ganze Festplatten oder einzelne Dateien verschlüsselt – und damit den Computerbesitzer aus dem eigenen Rechner aussperrt.
Statt des eigenen Desktops oder dem Dateiverzeichnis prangt dann auf dem Bildschirm des gehackten Rechners nur eine Lösegeldforderung: Erst wenn der Nutzer diese Summe zahlt, meist in Form der anonymen elektronischen Währung Bitcoin, wird der Zugang wieder freigegeben – so wird es jedenfalls versprochen. Zwar beträgt das geforderte Lösegeld häufig nur wenige tausend Euro, trotzdem ist der Schaden für die Betroffenen oft beträchtlich.
Private Computernutzer als leichte Beute
Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren dadurch schon schmerzlich gelernt, wie angreifbar sie sind und ihre IT-Sicherheit daher verstärkt. Darauf haben die Hacker nun reagiert: Weil die Sicherheitsvorkehrungen im Privatbereich oft noch deutlich geringer sind, verlagern die Täter nun zunehmend ihr Geschäftsfeld und nutzen immer häufiger die Schwachstellen von Privat-PCs aus.
"Die meisten privaten IT-Nutzer verfügen zwar über ein Virenschutzprogramm, Ransomware oder Cyber-Trojaner wie Locky und Bart sagen ihnen aber nichts", sagt Christian Schaaf von der Sicherheitsberatung Corporate Trust in München. Genau dies aber macht viele Privatleute nun zur leichten Beute für die Cyber-Erpresser.
Ausgesperrt!
Mathias M. ist Vertriebsleiter bei einem größeren deutschen Sanitätshaus. Für seine tägliche Arbeit hat ihm sein Arbeitgeber einen Laptop zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus nutzt er zuhause für alle privaten Dinge einen eigenen Computer. Er ist ganz bestimmt kein Internet-Junkie, geht aber trotzdem fast täglich online. Mal macht er Banküberweisungen, mal Einkäufe bei eBay oder Amazon, informiert sich auf Nachrichten-Portalen oder sieht sich einfach nur interessante Ziele für die nächste Urlaubsreise an.
Weil er abends, kurz bevor der Spielfilm losging, noch kurz seine privaten E-Mails checken wollte, kam es zum Verhängnis. Er klickte unbedacht auf den Anhang einer Mail und plötzlich ging gar nichts mehr. Auf dem Bildschirm öffnete sich ein Fenster und er wurde aufgefordert, 3,4 Bitcoins zu bezahlen, sonst hätte er keinen Zugriff mehr auf seine privaten Dateien. Der aktuelle Kurs für einen Bitcoin liegt derzeit bei rund 950,- Euro.
Was tun im Ernstfall?
Jetzt ist guter Rat teuer: Die Bezahlung des Lösegelds ist zwar der schnellste Weg, um wieder an die eigenen Dateien zu kommen. Aber das zu bewerkstelligen, ist für private Computernutzer oft eine echte Hürde. Denn was ist eigentlich ein Bitcoin, wie kann man es erwerben und wie die geforderte Lösegeldsumme damit bezahlen? Den meisten Betroffenen bleibt nichts Anderes übrig, als sich hier die Hilfe von Spezialisten zu holen. Und noch ein Problem gibt es dabei: Die Beschaffung von Bitcoins dauert mindestens drei bis fünf Tage.
Hinzu kommt: Die Polizei rät grundsätzlich dazu, kein Lösegeld zu bezahlen und jeden Vorfall zur Anzeige zu bringen. Denn wenn man bezahlt, zeigt dies den Cyberkriminellen, dass es funktioniert und sie so leicht an Geld kommen. Als Folge nehmen solche Fälle weiter zu. Letztlich muss wahrscheinlich jeder selbst abwägen, ob er lieber zahlt und seine Daten zurückbekommt, oder ob er in Kauf nehmen kann und will, dass persönliche Dokumente, Bilder und Daten verloren sind.
Wie kann man vorbeugen?
Experten vermuten, dass die Welle der Cyber-Erpressungen noch lange nicht vorbei ist, sondern diese Angriffe in Zukunft eher noch zunehmen werden. Umso wichtiger ist es daher, sich und seinen Rechner entsprechend zu schützen. Unbedingt ratsam ist es, alle wichtigen Daten des Rechners regelmäßig zu sichern. Denn wer aktuelle Backups besitzt, kann die gesperrten oder gelöschten Daten problemlos ersetzen – der Erpresser hat damit kein echtes Druckmittel mehr.
Um eine Infiltration des Rechners durch Schadsoftware zu verhindern, ist vor allem bei E-Mail-Anhängen – dem Haupteinfallstor für Viren und Trojaner - besondere Vorsicht geboten. Dateianhänge unbekannter Herkunft sollten wir besser gar nicht öffnen und auch bei Mails uns bekannter Personen kritisch hinterfragen. Experten raten zudem, unbedingt alle Virenscanner auf aktuellem Stand zu halten und regelmäßig upzudaten.




