An vielen Orten in Nord- und Mitteleuropa wird in der Nacht zum ersten Mai traditionell ein riesiges Feuer entfacht. Schon unsere Vorfahren sollen diesen Brauch gekannt haben. Die Kelten trieben mit Freudenfeuern und Tänzen die Geister des Winters aus und begrüßten den Frühling. Einige Theorien gehen deshalb davon aus, dass die Tradition der Walpurgisnacht von dem keltischen Frühjahrsfest "Beltane" abstammen könnte. Immerhin nennt man das Frühlingsfest vor dem ersten Mai in Irland noch heute so.
Gedenktag für Walpurga
Der Name der Walpurgisnacht ist jedoch christlichen Ursprungs. Er geht auf die Klosteräbtissin Walpurga aus Mittelfranken zurück. Diese lebte im 8. Jahrhundert und war eine der ersten bedeutenden Missionarinnen des Landes. Der Legende nach hat die Kirchenfrau Wunder bewirkt. So soll sie ein Kind mit drei Ähren vor dem Verhungern bewahrt und Kranke geheilt haben. Walpurga gilt deshalb unter anderem als Schutzheilige gegen Krankheiten und Seuchen, aber auch als Patronin der Bauern, die vor Missernte bewahrt.
Am ersten Mai 870 wurde Walpurga heiliggesprochen – und der erste Mai etablierte sich daher lange als feierlicher Gedenktag zu Ehren der Heiligen. Zur Vorbereitung auf das Fest hielten die Geistlichen in der Nacht zuvor eine Vigilfeier ab – eine nächtliche Messe. Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wurde zur Walpurgisnacht.
Jahresversammlung der Hexen
Die Vorstellung, dass sich Hexen in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai mit dem Teufel treffen und ein großes Fest abhalten, etablierte sich dagegen erst einige Jahrhunderte später. Mit dem Aufkommen der Hexenlehre ab dem 15. Jahrhundert tauchten auch in der Literatur vermehrt Erzählungen über den sogenannten Hexensabbat oder Teufelstanz auf.
Der berühmteste Schauplatz solcher angeblichen geheimen Treffen ist im deutschen Volkglauben wohl der Brocken im Harz in Sachsen-Anhalt – auch Blocksberg genannt. In den berüchtigten Hexenprozessen des 16. und 17. Jahrhunderts gehörte es zu den "klassischen" Anklagepunkten, dem Angeklagten vorzuwerfen, sich auf dem Brocken mit dem Teufel verbündet zu haben oder an satanischen Feiern teilgenommen zu haben.
Später ließ Johann Wolfgang von Goethe diese Vorstellung wiederaufleben. In seinem "Faust" tanzen die Hexen auf dem Brocken. Der Dichter beschreibt die Walpurgisnacht als die große Jahresversammlung der Hexen. Damit prägte er den Mythos von dem nur einmal im Jahr stattfindenden Hexensabbat, vermuten Experten.
Liebessprung übers Feuer
Der Mythos hat sich bis heute gehalten: Vielleicht auch inspiriert von den mystischen Worten Goethes versammeln sich jedes Jahr zahlreiche Menschen in der Nacht zum 1. Mai auf dem Hexenplatz im Harz und feiern – und auch anderswo werden Walpurgisfeuer entfacht. Ein Gang zwischen zwei solchen Feuern soll dem Glauben nach reinigen und Seuchen fernhalten – eine Tradition, die wohl auf die Verehrung der Heiligen Walpurga zurückzuführen ist. Andere Riten thematisieren hingegen eher den Frühlings- und Fruchtbarkeitsgedanken des Festes. So findet in einigen Gegenden der sogenannte Maisprung statt. Dabei springen Verliebte gemeinsam über das abgebrannte Feuer.
Baum als Symbol für Fruchtbarkeit
Doch nicht nur rund um das Hexenfeuer haben sich zahlreiche Bräuche entwickelt. Typisch für die Walpurgisnacht ist in etlichen Regionen auch der Maibaum. In vielen Dörfern stellen die Bewohner im Zentrum des Ortes eine bunt geschmückte Birke als Symbol für die Fruchtbarkeit der Natur auf und tanzen am Abend des 30. April um diese herum. Mancherorts ist der Maibaum auch eine Fichte oder eine Tanne.
Im Rheinland gehört der Maibaum hingegen nicht in die Dorfmitte, sondern an die Häuser von Mädchen. Verliebte stellen nachts heimlich mit buntem Krepppapier geschmückte Birken an das Haus ihrer Auserwählten, um auf diese Weise ihre Zuneigung auszudrücken.
"Hexende" Kinder treiben Schabernack
Vor allem – aber nicht nur – für Kinder ist die Walpurgisnacht zudem ein beliebter Anlass, um auf scherzhafte Weise ihr Unwesen in der Nachbarschaft zu treiben. Beim traditionellen "Walpern", "Hexen" oder den "Maischerzen" können schon einmal Fußmatten verschwinden oder Straßenschilder vertauscht werden – und selbst die Maibäume sind vor Schabernack nicht sicher. Insbesondere in Bayern ist es nämlich üblich, den Maibaum aus anliegenden Gemeinden zu stehlen.



