Warum ist Gangster-Rap bei Jugendlichen so beliebt?
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Warum ist Gangster-Rap bei Jugendlichen so beliebt?

Bild: Foto: Christoph Rieder, CC0, via Wikimedia Commons

Wer sich die deutschen Charts der vergangenen Jahre anschaut, kommt um sie nicht herum: Gangster-Rapper wie Capital Bra oder Bonez MC gehören seit mehreren Jahren zu den meist gehörten Künstlern des Landes. In ihren Texten geht es häufig um luxuriöse Autos, Drogenhandel und Waffen. Die Rapper inszenieren sich als Täter und werten dabei oft bestimmte Gruppen ab. Nicht selten sind die Inhalte frauenfeindlich oder richten sich gegen Homosexuelle.

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Wer sich die deutschen Charts der vergangenen Jahre anschaut, kommt um sie nicht herum: Gangster-Rapper wie Capital Bra oder Bonez MC gehören seit mehreren Jahren zu den meist gehörten Künstlern des Landes. In ihren Texten geht es häufig um luxuriöse Autos, Drogenhandel und Waffen. Die Rapper inszenieren sich als Täter und werten dabei oft bestimmte Gruppen ab. Nicht selten sind die Inhalte frauenfeindlich oder richten sich gegen Homosexuelle.

„Kriminalität wird als positiv herausgestellt“, sagt Bernd Dollinger von der Universität Siegen. „Trotz – oder auch wegen – dieser Grenzüberschreitungen ist Gangster-Rap in Deutschland außerordentlich beliebt.“ Der Sozialpädagoge will im Rahmen eines neuen Forschungsprojektes nun untersuchen, warum die Musik besonders bei Jugendlichen so beliebt ist. Im Fokus steht auch, welchen Einfluss Rap auf den Alltag und das Verhalten der jungen Menschen hat.

Nicht über, sondern mit ihnen sprechen

„Wir untersuchen, wie Jugendliche die Musik nutzen“, sagt Dollinger. „Was machen sie mit Kriminalität und Tabubrüchen? Welche Rolle spielt beispielsweise Sexismus? Welche Bedeutung hat die Musik bei der Identitätsbildung und der Frage der Zugehörigkeit zu einer Gruppe?“ Im Gegensatz zu vielen bisherigen Untersuchungen wollen die Forscher allerdings nicht über, sondern mit den Jugendlichen sprechen.

Dafür wollen die Wissenschaftler über eine längere Zeit mehrere Jugendgruppen begleiten. „Das ist eine besonders aufwändige Methode der Sozialforschung, aber sie scheint uns für das Projekt am besten geeignet zu sein“, so Dollinger. Solche sogenannten teilnehmenden Beobachtungen sollen in mehreren Großstädten stattfinden.

Fördert kriminelle Musik die Kriminalität?

Bernd Dollinger hat in einem vorherigen Projekt Strafverfahren von Jugendlichen analysiert und wurde so auf die Thematik aufmerksam. „Es gab in Hauptverhandlungen immer wieder einmal Hinweise auf Gangster-Rapper und bestimmte Songs“, sagt er. Ob die Musik allerdings einen tatsächlichen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft hat, ist höchst umstritten. „Es gibt natürlich unter manchen Jugendlichen, die kriminell werden, Präferenzen für Gangster-Rap“, so Dollinger. „Ob die Musik aber die Ursache für kriminelle Handlungen ist, ist völlig offen.“

Wie groß der Einfluss auf das Verhalten der Jugendlichen ist, ist auch von Typ zu Typ unterschiedlich. „Bei manchen Jugendlichen ist es sicher so, dass die Rapper als Vorbilder gelten und sie etwa auch deren Einstellungen gegenüber Frauen oder zur Kriminalität übernehmen. Andere sehen die Musik als Inszenierung und vertreten für sich selbst ganz andere Werte“, sagt Dollinger. „Musik mit diskriminierenden Texten zu hören ist meiner Ansicht nach zunächst einmal unabhängig davon, selbst zu diskriminieren“

Das gleiche gilt laut dem Wissenschaftler übrigens auch für die Rapper selbst: „Manche geben sich ein mieses Image und sind in Wirklichkeit Familienväter ohne Eintrag im Bundeszentralregister.“ Andere wiederum leben die Stereotypen aus und pflegen beispielsweise eine enge Verbindung zu Gangs oder Clans und haben auch schon im Gefängnis gesessen.

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