Das ganze Jahr auf Advent gepolt
Die Sonne lässt auch im hohen Norden, in der Nähe des Polarkreises, den Schnee endlich schmelzen. Die Hasen hoppeln durch die Wälder. Nur der Osterhase nicht. Denn im finnischen Dorf Vuotunki ist Ostern out. Hier wohnt schließlich der echte Weihnachtsmann – und der ist auch Ende April noch auf Advent gepolt.
Joulupukki heißt der Weihnachtsmann in Finnland. Und Joulupukki sagt, er sei der Echte, der einzig Wahre. Das ganze Jahr über, nicht nur ein paar Wochen vor Heiligabend, in denen zehntausende von billigen Kopien seiner selbst Kaufhäuser bevölkern. Er ist Santa Claus. Langer Bart, freundliches Opa-Gesicht, roter Mantel – die Beschreibung passt. Er muss der Weihnachtsmann sein, wer sonst würde im April eine rote Zipfelmütze mit weißem Bommel tragen und sich Weihnachtslieder auflegen? Plätzchen backen im Ofen, das Haus ist mit Sternen, Weihnachtsbäumen und Geschenken dekoriert. Für 60 Euro können die Kinder auf dem Hof Pojolan Pirrti nahe dem finnischen Kuusamo dem Weihnachtsmann und seiner Frau ihre Wünsche erzählen, mit ihnen basteln, backen und Schlitten fahren.
Die Attraktion: der Weihnachtsmann in Finnland
Joulupukki, der Weihnachtsmann in Finnland, ist eine lokale Attraktion für finnische Kinder und Touristen aus aller Welt. In Hochzeiten kommen drei Gruppen am Tag. Von September bis April läuft das Programm, auch über Ostern. Dann geht der Weihnachtsmann mit den Kleinen fischen, nimmt sie mit in sein Mökki – sein Ferienhaus – erklärt ihnen die heimische Flora und Fauna und sammelt Ideen für neue Geschenke.
"Nach Weihnachten ist schließlich vor Weihnachten", sagt Joulupukki. Früher – in einem anderen Leben – da hieß er Pentti Raivio und bereiste zusammen mit Frau Lisa die Welt als Papierfabrikant. Nach dem Arbeitsleben wollte er etwas machen, das anderen Freude bereitet. So ließ er sich den Bart wachsen und wurde Joulupukki, Santa Claus, der Weihnachtsmann in Finnland. Alles andere ist ihm nicht mehr so wichtig. Auch nicht Ostern.
Eier suchen? Nein danke!
Statt Eier zu suchen, geht er lieber in den Wald, sammelt Birkenzweige, bindet sie zu Bündeln zusammen. Sie sind zum Schlagen gemacht, nicht für ungehorsame Kinder, sondern für die Behandlung in der Sauna. Es ist eines der wenigen Hobbys, das sich der Weihnachtsmann gönnt. Sitzen, schwitzen und sanfte Schläge, die die Blutzirkulation anregen. Danach macht er das, was viele Rentner tun, wenn sie gerade nicht ihrem Hobby frönen – er geht seiner Frau ein bisschen auf die Nerven, gibt beim Backen mehr oder weniger wertvolle Tipps.
Wenn keine Besucher mehr in sein Haus kommen und die Kinder aus dem Dorf Ferien haben, fährt Joulupukki in den Urlaub. London ist dieses Jahr geplant. Inkognito versteht sich. Die Haare bindet er dann zu einem Zopf zusammen, den Bart stutzt er, setzt sich eine Baseball-Kappe auf und verkneift sich zwei Wochen lang das "Ho-ho-ho". Und wenn ihm dann ein bemaltes Ei vorgesetzt wird, will er es essen. Auch wenn dem Weihnachtsmann aus Finnland Zimtsterne natürlich lieber wären.



