Seit wann gibt’s Weihnachtsmärkte?
Weihnachtsmärkte haben eine fast 600-jährige Tradition. Bereits 1434 wurde der Dresdener Striezelmarkt erstmals erwähnt. Damit gilt er als ältester Weihnachtsmarkt Deutschlands. Im Augsburger Rathausprotokoll des Jahres 1498 wird ein “Lebzeltermarkt” erwähnt – Lebkuchen spielten schon damals eine große Rolle in der Weihnachtszeit. In Wien wurden bereits um 1600 auf einem vorweihnachtlichen Budenmarkt Süßigkeiten verkauft. Nürnbergs erster offizieller Hinweis auf einen “Kindles-Marck” stammt aus dem Jahr 1628. Eine vorweihnachtliche Verkaufsmesse lässt sich sogar bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen. Im Jahr 1737 zählte man in der Stadt bereits 140 Marktbeschicker. Zum Vergleich: Dieses Jahr sind es mit 203 gar nicht so viel mehr. Für München ist der Christkindlmarkt seit 1642 urkundlich erwähnt. Einen sogenannten “Nikolausmarkt” gab es sogar schon 1310.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kamen die ersten Krippen aus Italien auf deutsche Märkte. Auch Spielzeug gab es damals schon zu kaufen. So wurden in der Barockzeit modische Zinnfiguren für Kinder angeboten. Weihnachtsmarktbesucher hatten es in früheren Zeiten aber nicht so gut wie heute: Im Augsburg des Jahres 1814 schloss der Weihnachtsmarkt bereits nach vier Tagen, heute dauern die Märkte rund vier Wochen.
Welche Weihnachtsmärkte sind die schönsten?
- Jeder Weihnachtsmarkt ist eine Attraktion. Die Stadt Münster hat gleich fünf vorweihnachtliche Standorte. Der mit 120 Ständen größte Markt ist auf dem Platz des Westfälischen Friedens unter einem glitzernden “Sternenhimmel” aufgebaut. Außerdem gibt es einen Adventsmarkt, einen Lichtermarkt für Christbaumschmuck und ein Weihnachtsdorf.Weihnachtsmärkte in Münster
- Nicht nur die berühmten Aachener Printen – ein leckeres Gewürzgebäck – bietet der Aachener Weihnachtsmarkt. Die Budenstadt rund um Dom und Rathaus zählt zu den größten Deutschlands.Aachener Weihnachtsmarkt
- Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Münchner Christkindlmarktes zählt der große Bereich der Kripperl und des Krippenzubehörs. Nur ein paar Schritte vom Marienplatz entfernt und verbunden über einen Sternenweg liegt am Rindermarkt der wohl größte Kripperlmarkt Deutschlands.
Münchner Christkindlmarkt
- Der traditionelle Dresdner Striezelmarkt – benannt nach dem traditionellen Stollengebäck – zeigt alte Handwerkskunst aus Sachsen. Dem Besucher bietet der Striezelmarkt eine große Vielfalt an erzgebirgischer Volkskunst, wie Pyramiden, Räuchermänner, Nussknacker, viele andere Handwerkliche Produkte und mehr. Der Echte Dresdner Christstollen wird ebenfalls nicht fehlen.Dresdner Striezelmarkt
- Der größte Weihnachtsmarkt Norddeutschlands findet in Rostock statt. Rund 266 Schausteller und Markhändler aus 16 Bundesländern, aus den Niederlanden, aus Polen, Finnland, Schweden und Lettland sind auf dem Markt.Weihnachtsmarkt Rostock
Wer ist das Nürnberger Christkindl?
Der wohl berühmteste Weihnachtsmarkt ist der Nürnberger Christkindlesmarkt mit seiner fast fünfhundertjährigen Tradition. Wer wird dieses Mal das Christkind? Diese Frage stellen sich alle zwei Jahre die jungen Mädchen, die sich für die Wahl zum Nürnberger Christkindl bewerben. Aus zwölf Bewerberinnen werden per Online- und Zeitungswahl zunächst sechs Mädchen ausgewählt. Sie müssen sich einer Jury der Stadt stellen. Ende November eröffnet das Christkindl den Markt feierlich mit einem traditionellen Prolog von der Nürnberger Frauenkirche. In den folgenden Wochen wird es über 100 Termine in Kindergärten und caritativen Einrichtungen wahrnehmen. Das “Städtchen aus Tuch und Holz” ist Kult. Ein Krippenweg verbindet den großen Hauptmarkt mit dem zauberhaften Kinderweihnachtsland. Zum Angebot gehört ebenfalls ein “Markt der Partnerstädte”. Hier können Besucher nicht alltägliche Geschenke finden.
Ein Blick ins Ausland: Wo gibt’s sonst noch Weihnachtsmärkte?
Die Tradition der Weihnachtsmärkte stammt zwar aus Deutschland, entwickelt sich aber immer mehr zum “Exportschlager”. Auch die Briten sind auf den Geschmack gekommen. In Bristol findet seit vier Jahren der “German Christmas Market” – ein “Import” aus Frankfurt – statt. Deutsche Händler bieten hier ihre Waren erfolgreich an.
Auch in Italien – u.a. in Rom und Neapel – haben Weihnachtsmärkte Tradition. Garantiert frostfrei ist der Weihnachtsmarkt der Stadt Zagreb in Kroatien. Die Stände der Aussteller sind wie immer in einer Messehalle untergebracht. Von Kleidung über Porzellan bis zu Spielzeug finden die Besucher hier Weihnachtsgeschenke aller Art.
Auch in den USA gibt es Weihnachtsmärkte nicht erst seit gestern. In San Francisco findet schon seit 24 Jahren die “Great Dickens Christmas Fair” statt. Nachgebildete Londoner Gassen aus der Zeit von Charles Dickens sorgen für viktorianisches Flair. Neben Santa Claus sind zahlreiche Figuren aus den Romanen des Schriftstellers anzutreffen.
Holzfiguren aus dem Erzgebirge und Dresdner Stollen kommen auch im amerikanischen Columbus sehr gut an. Die Stadt in Ohio lädt zum Weihnachtsmarkt nach dem Vorbild der Partnerstadt Dresden.
Welche Weihnachtsleckereien gibt es?
Ob Dresdner Christstollen, Aachener Printen oder Spekulatius, die ursprünglich ebenfalls aus dem Rheinland stammen – Weihnachtsmarktbesucher können sich allerorten auf die würzigen Gebäckspezialitäten freuen. In früheren Zeiten waren viele Leckereien nur in der jeweiligen Region zu bekommen.
Glühwein gehört für viele zum Weihnachtsmarktbesuch unbedingt dazu. Man nehme: Wein, Anis, Nelken, Zimt, Zucker und Zitronensaft. Der würzige erhitzte Wein vertreibt nach einem Bummel bei niedrigen Temperaturen die Kälte. Viele Märkte bieten eigens bedruckte Glühweintassen an. Ihre attraktive Gestaltung macht sie mittlerweile sogar zu Sammelobjekten.



