Genervt, gehetzt, verspannt? Höchste Zeit, der Großstadthektik zu entfliehen, Energie zu tanken, die Seele baumeln zu lassen. Um es mit dem Philosophen Schopenhauer zu sagen: “Neun Zehntel unseres Glückes beruhen allein auf der Gesundheit.” Dem Glück und der Gesundheit auf die Sprünge hilft eine Verwöhn-Kur für Körper und Geist: Sportlich-aktive Fitnessprogramme, Beauty-Behandlungen, Heilkuren, Meditationsübungen oder ganz einfach relaxen – Wellness heißt das Zauberwort.
Wohlfühlen und Spaß haben
Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern Wellbeing – also Wohlbefinden – und Fitness zusammen. In Deutschland hat sich vor allem die Europäische Wellness-Union bemüht, den Begriff zu klären: Sie versteht Wellness als Zustand der körperlichen Fitness, geistigen Beweglichkeit, seelischen Belastbarkeit, positiven Arbeitseinstellung, des harmonischen Privatlebens und Einklangs mit der Umwelt. Kurz gesagt: Wellness heißt, sich gut fühlen und Spaß am Leben haben.
Das Phänomen ist nicht neu, der Ursprung der Bewegung liegt in den USA der 70er Jahre – als Reaktion auf einen ungesunden Lebensstil, der die Krankenversicherungen viel Geld kostete. Ziel war, die Gesundheit durch seelisches, geistiges und soziales Wohlbefinden zu verbessern. Kein Wunder, dass auch hier zu Lande das Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft stark gewachsen ist. In diesem Sinne ist Wellness kein kurzatmiger Trend, sondern eine Lebenseinstellung.
Voll im Trend
Wellness boomt – immer mehr Menschen klinken sich für ein paar Tage aus dem Alltagsstress aus. Ob Spa, Saunalandschaft, Fitnesscenter oder Beautyfarm – das einst innovative Zusatzangebot vieler Luxushotels und klassischer Wellness-Ressorts gehört mittlerweile zum guten Ton vieler Herbergen. In Deutschland werben bereits viele Hundert Hotels mit dem Prädikat “Wellness” – nicht nur renommierte Ferienhotels in klassischen Kurorten, sondern auch eine Vielzahl kleiner Landhotels. Doch nicht überall, wo Wellness drauf steht, ist auch Wellness drin. Der Begriff ist nicht geschützt,, jeder Hotelier kann seinem Etablissement den Zusatz “Wellness” verpassen. Ein Fitnessraum genügt da allerdings nicht mehr: Saunen, Dampf- oder Duftbäder zählen heutzutage ebenso zum Standard wie ganzheitliche Gesundheitsangebote, Sport- und Fitnesskurse – einschließlich des entsprechend geschulten Personals.
Kleines Wellness-ABC
Die Säulen des Wellness-Gedanken sind Bewegung, Entspannung, gesunde Ernährung und Stressabbau. Die Variationsbreite ist riesig: Vom Schönheitswochenende mit Thalasso über Heilfasten am Bodensee oder Schrothen in Oberstaufen ist alles zu haben – und auch die altbekannten Therapien von Kneipp bis Fango werden wieder spannend. Besonders trendy ist die ganze Fülle asiatischer Anwendungen – von Ayurveda bis Meditation. Was lange den Stempel der Scharlatanerie trug, setzt sich heute durch: Die traditionelle chinesische Medizin beispielsweise genießt mittlerweile hohes Ansehen.
Damit die vielen exotischen Namen und Begriffe nicht gleich Stress verursachen, hier ein kleines Wellness-ABC:
- Ayurveda ist die indische Lehre vom langen Leben – Ölmassagen, spezielle Kost und Dampfbäder eingeschlossen.
- Aqua-Fitness ist keine bedächtige Wassergymnastik, sondern gelenkschonendes Unterwasser-Aerobic.
- Aroma-Wickel mit Blüten und ätherischen Ölen stärken das Immunsystem.
- Fango-Packungen – heißer Mineralschlamm – tun gut bei Entzündungen und Gelenkerkrankungen.
- Qi Gong ist eine chinesische Atem- und Meditationsübung.
- Das Rasulbad ist ein orientalisches Ganzkörperpeeling mit Schlamm, Meersalzen und Kräutern.
- Shiatsu bezeichnet eine japanische Massagetechnik und bedeutet wörtlich “der magische Fingerdruck”.
- Bei einer Thalasso-Therapie genießt man Algenpackungen und Unterwasser-Massagen.
- Yoga bezeichnet einen Mix aus Atem- und Entspannungsübungen.
Von China bis Chile: Wellness exotisch
Im Zuge der Wellness-Bewegung legt insbesondere der Inlandstourismus stark zu, so der Verband Wellness-Hotels-Deutschland (W-H-D). Aber Standort Deutschland hin, vielfältige Angebote her: Am authentischsten bleibt, sich in den Ursprungsländern der einzelnen Therapien und Behandlungen verwöhnen zu lassen: Tai Chi oder Qi Gong in China, Meditieren im Himalaja oder Ayurveda-Massagen auf Sri Lanka. In Finnland kann man in einer urtypischen Rauchsauna schwitzen, in Syrien oder der Türkei entführen historische Hamams in eine Zauberwelt aus Dampfbad und Massage.
Verwöhn-Kuren an außergewöhnlichen Orten: In Chile dampfen zwischen riesigen Farnen und umgeben von endlosen Wäldern die heißen Thermal-Quellen von Puyuhuapi, und in Japan mit seiner ausgeprägten Badekultur gehört ein Bad in den sprudelnden vulkanischen Quellen einfach dazu. In Island bilden Lavalandschaften und Eisberge die Kulisse für ein Bad in der “Blauen Lagune” – eine geothermische Mineralquelle erwärmt das Meerwasser ganzjährig auf 36 Grad.
Die besten Wellness-Hotels
Der Deutsche Wellness Verband stellt strenge Kriterien an das deutsche Gütesiegel: Das baumförmige Markenzeichen garantiert naturnahe Lage, 3- bis 5-Sterne-Niveau, Fachpersonal, Wellness-Vital-Küche, Wellness-Center – und einen umweltbewussten Hotelbetrieb. Die derzeit 44 Partnerhotels des Verbands “Wellness-Hotels-Deutschland” liegen in den schönsten Feriengegenden.
Auch die Schweizer “Wellness-Plus Hotels” haben Qualitätskriterien aufgestellt: Das Gütesiegel “Spa Award” kennzeichnet mit bis zu vier Lilien die entsprechenden Hotels.
Und Bayern verbuchte gar seit dem “WellVital"-Start im Jahr 2002 bis 2005 einen 200prozentigen Zuwachs seiner Hotelkapazitäten.



