Englisch wird im Internet durch Deutsch zurückgedrängt! Wer glaubt‘ s? Unter anderem der englische Spitzenlinguist David Crystal. Seiner Ansicht nach wurde das Englische von 100 auf 75 Prozent zurückgedrängt. Bald soll im Internet nur noch zu 50 Prozent auf Englisch gebrowst, gesurft, gemailt und gechattet werden. Deutsch dagegen sei im Kommen. In manchen statistischen Erhebungen nimmt Deutsch Platz Zwei ein. Allerdings nicht in allen. Gesicherte Zahlen lassen sich ohnehin schwer ermitteln. Noch dazu kann man den Rückgang des englischen Anteils leicht erklären: je erschwinglicher und verbreiteter der Zugang zum Internet wird, desto mehr Sprecher kleiner Sprachen beteiligen sich an der weltweiten Kommunikation. Englisch regiert also nicht mehr alleine, hat aber noch längst keine ernstzunehmende Konkurrenz. Nach Angaben der Zeitschrift “Ecos“ ist das Deutsche mit 3,3 Prozent vertreten, Japanisch etwa mit 5 Prozent.
Auch in anderen Bereichen hat unsere Sprache äußerst bescheidene Aussichten, dem Englischen den Rang abzulaufen. Deutsch, ehemals Sprache der Wissenschaft, nähert sich in Fachpublikationen dem Nullpunkt. So publizieren 9 von 10 deutschsprachigen Chemikern auf Englisch. Für wissenschaftliche Zeitschriften ist Englisch die Voraussetzung zum Überleben. Auch in der internationalen Politik spielt Deutsch keine große Rolle. In Europarat und NATO sind Englisch und Französisch alleinige Amtssprachen. Kein Anlass also für Illusionen.
Spanisch, Weltsprache der Zukunft?
Glaubt man dem Autor Alex Grijelmo, wird Spanisch sich zur Weltsprache des 21. Jahrhunderts entwickeln. Welche Tatsachen sprechen für diese Auffassung? Keine schlechte Voraussetzung ist, dass es derzeit von etwa 400 Millionen Menschen gesprochen wird. Damit liegt es hinter Chinesisch, Englisch und Hindu weltweit an vierter Stelle. Betrachtet man die Zahl der Muttersprachler, liegt es sogar nach Chinesisch auf dem zweiten Platz.
Von Brasilien bis Japan wächst das Interesse am Spanischen. Latino-Musik und spanischer Film, man denke nur an Wim Wenders Musikfilm “Buena Vista Social Club“ und die Filme des Kultregisseurs Pedro Almodovar (“Fessle mich“, “Mein blühendes Geheimnis“) erleben einen Boom. Worte wie fiesta und paella sind auf der ganzen Welt ein Begriff. Genügt das? In Deutschland sind die Sprecherzahlen noch wenig berauschend. Nur vier Prozent der Deutschen sprechen Spanisch, 3,1 Prozent der Gymnasiasten erhalten Spanischunterricht. In den Vereinigten Staaten dagegen ist die Sprache auf dem Vormarsch: an 90 Prozent der Schulen kann man sie erlernen. Ein Grund: 30 Millionen hispanics, lateinamerikanische Einwanderer, haben in den USA ihre zweite Heimat gefunden. An den Schnittstellen zwischen Nord- und Südamerika hat sich bereits eine neue Mischform herausgebildet, Spanglish genannt.
Ein großer Schwachpunkt ist die Forschung, da nur 5 Promille (!) der wissenschaftlichen Arbeiten auf Spanisch erscheinen. Trotzdem sieht Jon Juaristi, Direktor des Cervantes-Instituts, zur Verbreitung der spanischen Kultur und Sprache eine große Zukunft für seine Sprache. Let’s go south? - A ver!



