In der Schusslinie

Mit der Veröffentlichung seines neuen Romans Tod eines Kritikers wird Martin Walser auf sicher unfreiwillige Weise zum Komplizen seines Protagonisten Hans Lach. Dieser muss eine ganz ähnliche Schmach für seinen Roman Mädchen ohne Zehennägel einstecken. In einem einsamen Moment bringt Hans Lach seine öffentliche Niederlage auf folgenden Nenner: “Er kann sich nicht wegwenden von sich, solange er so schwach ist. Der Verlierer ist unersättlich mit sich selbst beschäftigt. Der Sieger wendet sich neuen Aufgaben zu.“
Willkommen in der Welt des Martin Walser! Es sind die unablässigen und unzähligen Geschichten der kleinen Leute in ihren großen Niederlagen, die die Romankunst des Martin Walser zur Weltliteratur gemacht haben - traurige Geschichten eines einsamen Kampfes freilich, doch selten eines ganz ausweglosen. Und Kampf ist es immer. Warum? Mani Mani, eine Nebenfigur in Tod eines Kritikers gibt die Antwort:
“Unsere Gesellschaft ist so verfaßt, daß Feindschaft und Gegnerschaft besser gedeihen als Freundschaft und Liebe. Unsere Kultur will es so, daß einem ein Feind mehr schaden, als einem ein Freund nützen kann. Vor allem anderen sind wir eine Gesellschaft von Verfolgten und Verfolgern. Und jeder ist beides, Verfolgter und Verfolger. Jeder hat eine deutlichere Erfahrung vom Verfolgtsein als davon, selber Verfolger zu sein.“




