Von Ingwerlimonade bis Gasdruck-Federbein
Der Travel Coach Europe beschränkt sich auf fünf Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Dabei kann jedoch jede Ausgangs- oder Zielsprache sein. Das heißt, die Ehrgeizigen unter uns könnten sich etwa unter der Option "Sprachtrainer" englische Verben vorknöpfen, deren italienische Übersetzung im Buchstabenmix erscheint und in die richtige Reihenfolge gebracht werden muss. Womit gleich zwei Fremdsprachen trainiert werden können.
Doch von vorn: Funktion Eins des Nintendo-Angebots ist logischerweise das Wörterbuch, das sich in die Unterbereiche Gastronomie, Automobil und Universalwörterbuch gliedert. Der Umfang ist ganz erstaunlich (selbst Ingwerlimonade und Knusperkeks finde ich), der Lerneffekt auch abgesehen vom Spracherwerb ganz enorm! So erfahre ich endlich, dass es irgendwo am oder im Auto einen Gabelschlüssel und ein Gasdruck-Federbein geben muss. Die englische Übersetzung "fork wrench", beziehungsweise "gas pressure strut shock absorber" werde ich mir natürlich niemals merken. Ziemlich überflüssig erscheint mir dagegen das Angebot, jedes Verb in der Ausgangssprache vollständig konjugieren und jedes Substantiv durchdeklinieren zu können, wenn die Übersetzung stets im Infinitiv oder im Nominativ angezeigt wird.
J'ai une panne de voiture...
Weiter geht's mit den "Redewendungen", die so unterschiedliche Bereiche wie "Panne, Unfall", "Zeit und Wetter", "Medien und Elektroartikel" oder gar "Polizei und Verbrechen" abdecken. Auch hier ist die Auswahl wieder sehr groß. Sollte ich mich jedoch in einer konkreten Notsituation befinden - also zum Beispiel in einer dunklen Pariser Gasse verfolgt werden - erscheint mir die Aussicht, mich erst einmal durch das Menü scrollen zu müssen, um "Cet homme me poursuit!" rufen zu können, als wenig verlockende Alternative. Die Funktion "Redewendungen" sollte man vielleicht eher prophylaktisch durchspielen - etwa während man sich im Stau langweilt.
Auch der "Sprachtrainer" ist ein netter Zeitvertreib, der mir ganz deutlich den Unterschied zwischen passivem und aktivem Wissen aufzeigt. Die Rubrik "Reiseinformationen" bietet dagegen Wissenswertes über die Reiseländer - wie wichtige Telefonnummern und Websites. Besonders gefallen mir in dieser Rubik die Fotos, die die Comiczeichnungen aus den anderen Rubriken ersetzen.
Nicht unter Druck setzen lassen
Beim Länderquiz gilt es schließlich, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Immerhin sollen die 20 Wissensfragen zu den jeweiligen Ländern auf Zeit beantwortet werden. Je schneller, desto mehr Bonuspunkte. Ich würde mir wünschen, dass auf das Quiz eine konkrete Auswertung folgt, und somit mehr als nur die erreichte Punktzahl angezeigt wird. Erst, wenn ich den letzten Punkt "Optionen" antippe, kann ich meinen Lernfortschritt in den einzelnen Sprachen, beziehungsweise zu den verschiedenen Ländern ablesen.
Übersprungen habe ich jetzt allerdings die Funktion "Minispiele", die keinen Lerneffekt bietet, sondern einzig der Unterhaltung dient. Falls sich im nächsten Urlaub mal kein gutmütiger Verkäufer oder Kellner finden lässt, an dem ich meine Sprachfortschritte testen kann, und auch keine Zeitung in der Landessprache greifbar ist, könnte ich eventuell mal so ein Minispiel wagen. Alles in allem ist der Travel Coach ein handlicher kleiner Helfer, der das Reisen deutlich einfacher gestalten kann - und ganz nebenbei tatsächlich Lust auf einen Sprachkurs etwa bei der örtlichen VHS macht.



