Früher waren die Mahlzeiten das soziale Zentrum des Tages: Die Familie saß sich zum Frühstück, Mittag- und Abendessen gemeinsam am Tisch. Diese Zeit nutzte man daher nicht nur zum Essen, sondern tauschte Neuigkeiten aus, diskutierte anstehenden Entscheidungen oder plante den nächsten Ausflug. Diese Zeiten sind heute allerdings meist längst vorbei. Denn meist bleibt morgens ohnehin keine Zeit fürs lange Frühstücken und mittags sind alle bei der Arbeit, in der Schule oder anderweitig unterwegs.
Gleichzeitig verbringen wir immer mehr Zeit in der digitalen Welt: Wir tauschen uns im sozialen Netzwerk aus, shoppen online und informieren uns über das Internet. Wie sich dies auf unsere Essgewohnheiten auswirkt und was uns heute bei Lebensmitteln und beim Einkaufen wichtig ist, haben Forscher im Rahmen der neuen Nestlé Studie "So is(s)t Deutschland" untersucht.
Virtuelle Gemeinschaften ersetzen den Esstisch
Die Studie zeigt: Beim Essen sind uns auch heute noch die Gemeinschaft, und der soziale Austausch wichtig. Nur hat sich die Form dieser Gemeinschaft geändert. Dank einer Fülle von Online-Foren und sozialen Netzwerken wird Geselligkeit heute zunehmend auch in Form virtueller Tischgemeinschaften gelebt: Wir posten Fotos unseres Essens im Netz oder stellen Videos vom Kochen und Essen online. Viele veröffentlichen regelmäßig Kochtipps oder Rezepte oder tauschen sich über neueste Kochideen in Foren aus.
"Indem Menschen Fotos von den Gerichten auf ihren Tellern posten oder Rezepte veröffentlichen, laden sie sozusagen virtuell andere Menschen zu sich nach Hause ein und lassen sie an ihren Mahlzeiten teilhaben", erklärt Katja Popanda, Leiterin der Marktforschung von Nestlé Deutschland. "Auf diese Weise kann jeder auch ohne direktes Gegenüber als 'Social Eater' agieren und sich als Teil einer großen Gemeinschaft fühlen".
Einkauf im Netz
Doch nicht nur Kochen, Essen und Genießen werden mittlerweile digital geteilt. Auch beim Lebensmittel-Einkauf spielt das Internet eine immer größere Rolle. Denn Online-Shops bringen heute nicht mehr nur Bücher, Kleidung oder Elektrogeräte. Längst kann man auch Lebensmittel bequem online bestellen und sich direkt ins Haus liefern lassen.
Immerhin ein Drittel der Deutschen bestellt inzwischen mehr oder weniger regelmäßig Lebensmittel oder Tiernahrung über das Internet. "Wir rechnen damit, dass der Online-Einkauf von Lebensmitteln schon bald ganz selbstverständlich zu den alltäglichen Einkaufskanälen gehören wird", kommentiert Béatrice Guillaume-Grabisch von Nestlé Deutschland.
Abendessen wird zur Hauptmahlzeit
Und noch etwas hat sich geändert: Das Abendessen ist zur wichtigsten Mahlzeit des Tages geworden – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen essen immer mehr Menschen abends warm, statt wie früher bei uns üblich das klassische Abendbrot mit Brot und Aufschnitt. Weil Frühstück und Mittagessen meist unter Zeitdruck stehen und knapper ausfallen, verlagert sich die Hauptmahlzeit gerade bei Berufstätigen in den Abend.
Gleichzeitig wächst die Bedeutung des Abendessens als geselliges Ereignis. "Geselligkeit" ist heute nach "Bequemlichkeit" und "Sattwerden" auch das dritthäufigste Motiv für einen Café- oder Restaurantbesuch. So essen wir heute zwar insgesamt nicht häufiger außer Haus als vor fünf Jahren. Wenn wir es tun, dann aber immer häufiger nicht wegen des leckeren Essens, sondern weil wir Begegnung und Austausch suchen.
Ethische Aspekte werden wichtiger
Aber auch das "Wie" wird wichtiger: Die Menschen in Deutschland beurteilen Qualität von Lebensmitteln längst nicht mehr nur nach Kriterien wie Frische und Geschmack. Zunehmend sind auch ethische, soziale und nachhaltige Aspekte bei der Erzeugung von Lebensmitteln wichtig. In der Studie folgten die ethischen Kriterien "artgerechte Tierhaltung" und "Verzicht auf Gentechnik" in der Rangliste direkt auf den Geschmack. Lebensmittelsicherheit und den Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe.
Auch soziale Kriterien wie fairer Handel gewinnen immer mehr an Bedeutung. Nachdem 2011 nur 16 Prozent der Deutschen bereit waren, für eine faire Bezahlung der Lieferanten auch selbst tiefer in die Taschen zu greifen, sind es heute schon 35 Prozent. "Es ist ein gutes Signal, dass Qualität in Deutschland differenzierter beurteilt wird und Verbraucher auch einen höheren Preis für qualitative Produkte akzeptieren", unterstreicht Guillaume-Grabisch. Ob ein Lebensmittel aus ökologischem Anbau stammt, scheint dagegen interessanterweise weniger wichtig zu sein: Das Kriterium "Bio oder nicht" landete nur auf Platz 17.



