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Die deutsche Wirtschaft ist globalisiert – erwiesenermaßen und zu einem ganz erheblichen Teil. Unlängst machte das Statistische Bundesamt die Probe aufs Exempel. Das Ergebnis: 2020 waren allein 61 Prozent der deutschen Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten in eine globale Wertschöpfungskette eingebunden. Bedeutet, entweder bezogen sie Waren/Dienstleistungen aus anderen Staaten oder exportieren solche.
Da das derzeitige Kapitel der Globalisierung bereits lange vor der Jahrtausendwende startete, ist das kein neues Phänomen mehr. Grenzüberschreitend zu operieren ist deshalb für viele Unternehmer, Mitarbeiter und jeden, der im Themenkomplex BWL/VWL ausgebildet wird, ein normaler Vorgang. Bloß: Wie läuft das alles in der Praxis ab? Wir zeigen es jetzt für ein sehr typisches Vorgehen auf. Ein Unternehmen sitzt hier in Deutschland, möchte jedoch wichtige Vorprodukte oder sogar das gesamte Produkt im Ausland fertigen lassen.
1. Outgesourcte Produktion: Wirtschaftliche Gründe als maßgeblicher Faktor
Deutschland ist ein Hochtechnologieland. Angesichts dessen stellt sich die berechtigte Frage, warum es überhaupt nötig ist, im Ausland produzieren zu lassen. Gründe dafür gibt es mehrere – sie alle sind streng wirtschaftlicher Natur:
Einen weiteren Grund nennt Diplom-Ingenieur Peter Stremmer, Geschäftsführer der ElectronAix GmbH & Co. KG. Ein Aachener Unternehmen, das sich auf elektrische Verbindungen wie Kabel und Steckverbinder fokussiert hat und diese maßgeblich in anderen Ländern fertigen lässt – insbesondere China und Taiwan:
„Aufgrund der schon seit Jahrzehnten andauernden Globalisierung hat sich bei vielen Produkten in anderen Ländern eine enorme Expertise entwickelt, die teils deutlich über die Fähigkeiten in unseren westlichen Nationen hinausgeht. In meinem Geschäftsfeld – primär Kabel und Steckverbinder – gehören China und Taiwan seit geraumer Zeit zu den erfahrensten Nationen, weil sie so viel davon fertigen. Sie sind daher sowohl für diese spezifischen Produkte als auch das ganze Prozedere einer internationalen Produktion sehr gut geeignet und mitunter sogar die besten Herstellerländer überhaupt.“
2. Globalisiert fertigen lassen: Erstkontakt ist oft größte Hürde
In welchem Land soll welcher Teil einer Produktion stattfinden – und in welchem Unternehmen?
Diese drei Fragen muss sich jeder Unternehmer stellen, der Produkte im Ausland fertigen lassen möchte. Die Antworten darauf sind stets im Höchstmaß individuell. Dabei spielen so unterschiedliche Punkte eine Rolle wie:
Tatsächlich gehört es zu den schwierigsten Aufgaben einer Auslandsproduktion, das jeweils am besten passende Unternehmen im am besten passenden Land zu finden. Was jenseits davon vor Produktionsbeginn sowie im danach folgenden Alltagsgeschäft ansteht, ist dagegen vergleichsweise einfach zu managen.
Doch wie sieht diese Vorgehensweise in der Praxis aus? Typischerweise wird das deutsche Unternehmen eine Art Marktsondierung betreiben. Mitunter wendet es sich an örtliche Industrie- und Handelskammern oder das bundesdeutsche Auswärtige Amt. Bedeutet: Kein Unternehmer muss in seinem Büro sitzen und allein im Internet recherchieren, als wollte er bloß eine neue Produktionsmaschine ordern.
Typischerweise werden bei dieser Marktsondierung mehrere Firmen in die engere Auswahl kommen. Zu ihnen wird nun der Kontakt hergestellt – sowie mitunter Dritt-Firmen, die als Referenzen infrage kommen. Davon ausgehend werden nun Anfragen gestellt und Kalkulationen eingeholt.
3. Erste Abstimmung: Je präziser, desto besser
Es gibt derzeit auf der Welt ungefähr 7.000 Sprachen. Was jedoch eine globalisierte Fertigung anbelangt, können Unternehmer sich weltweit auf die „Lingua Franca“ unserer Zeit verlassen: das Englische. Diese Sprache wird beim gesamten Produktionsprozess stets eine wichtige Rolle spielen – wenngleich es in Einzelfällen anders aussehen kann.
Doch was geschieht, wenn ein Partnerunternehmen gefunden wurde, etwaige Genehmigungen eingeholt und Verträge unterzeichnet wurden? In diesem Fall beginnt der nächste wichtige Teil des Wegs: die Abstimmung.
Hier gibt es, grob gesagt, drei mögliche Herangehensweisen:
Natürlich gibt es hier diverse Misch- und Unterformen. Etwa, wenn deutsche und ausländische Ingenieure das Produkt gemeinsam ausgestalten.
Im Prinzip geht es jedoch stets um einen gleichbleibenden Prozess: Das ausländische Unternehmen muss in die Lage versetzt werden, ein Vor- oder Endprodukt exakt so zu fertigen, wie die auftraggebende deutsche Firma es sich vorstellt. In der Theorie ist das leicht. In der Praxis können jedoch verschiedene Erschwernisse hinzukommen, etwa:
Wenn das Produkt designt wurde, folgt deshalb zunächst eine Phase von Prototyping, Abstimmung und Nullserien. Gerade dann, wenn es sich um eine industrielle Großserienproduktion handelt, lässt sich nach einer angelaufenen Fertigung vieles nur noch unter teils erheblichen Schwierigkeiten verändern.
Je nachdem, um was für ein Produkt es sich handelt und wie „neu“ es für das herstellende ausländische Unternehmen ist, wird daher großer Aufwand betrieben, um die Fertigung fein auszutarieren. Erfahrungsgemäß kann es selbst mit modernen Maschinen und erfahrenen Mitarbeitern eine gewisse Zeit dauern, bis sich ein harmonischer Prozess „eingeschliffen“ hat.
Bis dahin besteht das Risiko, dass es zu Missverständnissen und zur Produktion von Ausschuss kommt - je nach Komplexitätsgrad des Produkts. Viele (nicht nur deutsche) Unternehmen sind deshalb mindestens so lange mit eigenen Mitarbeitern vor Ort, bis diese völlig normalen Anfangsschwierigkeiten überwunden sind.
Allerdings: Wenn alles erst einmal läuft, dann ist es oftmals nur noch sehr sporadisch nötig, vor Ort zu sein. Insbesondere durch digitale Datentransfers, Videotelefonie und ähnliche Techniken wurden sehr viele vorherige Reiseanlässe überflüssig gemacht – diesbezüglich wirkt die Pandemie bis heute in positiver Form nach.

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4. Die Qualitätskontrolle: Sicherstellung gleichbleibender Güte
Wenn eine einmal gut abgestimmte Produktion läuft, dann wird das auftraggebende Unternehmen sie niemals ohne triftigen Grund antasten. Ein solcher tritt de facto nur in zwei Formen auf:
Erneut um sämtliche Prozesse möglichst zu erleichtern und Probleme zu unterbinden, wird das deutsche Unternehmen die Produkte deshalb dauerhaft einer stringenten Qualitätskontrolle unterziehen. Schlicht, um sofort zu bemerken, wenn das Produktionsniveau nachlässt.
Hierzu gibt es zwei Optionen:
Der Trend geht deshalb eher zur erstgenannten Vorgehensweise; etwa durch einen ständig im Ausland bleibenden Mitarbeiter des auftraggebenden Betriebs. In typischen Produktionsnationen haben sich alternativ sogar Drittunternehmen etabliert. Sie bieten sozusagen „Qualitätskontrolle as a Service“ an und fungieren in dieser Eigenschaft als lokaler „Arm“ des auftraggebenden Betriebs.




