Der klassische Bösewicht?
Wer Willem Dafoes Gesicht einmal gesehen hat, vergisst es so schnell nicht wieder. Mit seinen markanten Zügen und den durchdringenden, tief liegenden Augen erscheint der amerikanische Darsteller geradezu als die Idealbesetzung des klassischen Filmbösewichts. Doch so einfach lässt sich Dafoe nicht in Klischees pressen. In seiner Karriere hat er es immer wieder geschafft, sowohl in großen Hollywood-Produktionen als auch in Independent-Filmen, glaubwürdige und eigenständige Charaktere zu schaffen. Er ist der Kandidat fürs Ungewöhnliche.
Kein Mann fürs Studium
Dafoe wird als zweitjüngstes Kind einer Krankenschwester und eines Chirurgen in Wisconsin geboren. Unter seinen sieben Geschwistern, die nach dem Vorbild der Eltern Karrieren als Anwälte, Ärzte oder Krankenschwestern einschlagen, ist er der Einzige, der schon früh künstlerisches Interesse entwickelt. Nach dem Besuch der Einstein Junior High School in Appleton studiert er zunächst für zwei Semester Drama an der Universität von Wisconsin. Das Studium ist Dafoe jedoch zu theoretisch und er entschließt sich, in die ‘große’ Stadt zu ziehen. In Milwaukee beginnt 1977 eine erfolgreiche Arbeit mit der experimentellen Theater X Company. Obwohl er mit Elizabeth LaCompte, der Regisseurin, zunächst überhaupt nicht zurecht kommt, wird sie schließlich zu seiner großen Liebe. Die Beiden gründen später in New York die legendäre Avantgarde-Theatergruppe The Wooster Group.
Vom Theater zum Film
Willem Dafoes Leinwandkarriere startet 1980 mit Michael Ciminos ‘Heaven’s Gate - Das Tor zum Himmel’ wenig viel versprechend. Der Film wird zum einem Riesenflop. Mit Kathryn Bigelows ‘The Loveless’ und dem Actionstreifen ‘Straßen in Flammen’ und ‘Leben und Sterben in L.A.’ gelingen ihm dann erste kleinere Erfolge. Der große Durchbruch bei Kritik und Publikum folgt 1986 mit seiner Darstellung des Sergeant Elias in Oliver Stones erschütterndem Vietnam-Drama ‘Platoon’, die ihm eine Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller einbringt. Martin Scorsese besetzt ihn 1988 als Jesus Christus in ‘Die letzte Versuchung Christi’.
Anspruch und Mainstream
In den folgenden Jahren profiliert sich Dafoe unter einigen der besten Regisseure Hollywoods als hervorragender Charakterdarsteller. Er überzeugt als FBI-Agent Ward in Alan Parkers ‘Mississippi Burning - Die Wurzeln des Hasses’, spielt den psychotischen Bobby Peru in David Lynchs ‘Wild At Heart’ und bringt in Anthony Minghellas ‘Der englische Patient’ als verbitterter Caravaggio das Böse ins Spiel. In ‘Shadow Of The Vampire’ verkörpert Dafoe den Vampirdarsteller Max Schreck, der bei den Dreharbeiten zu F.W. Murnaus Stummfilmklassiker ‘Nosferatu’ für einige Unruhe sorgt. Zum zweiten Mal in seiner Karriere erhält er 2001 eine Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller. Trotz vieler Filmangebote arbeitet Willem Dafoe gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Elizabeth regelmäßig für die Wooster Group. Mit den lukrativen Gagen für Mainstream-Produktionen wie ‘Speed 2 - Cruise Control’ oder ‘Spiderman’ finanziert er die experimentelle Theaterarbeit.
Thomas Ewald
Filmografie
| Once upon a Time in Mexico (2003) |
| Auto Focus (2002) |
| Spiderman (2002) |
| Shadow Of The Vampire (2000) |
| American Psycho (2000) |
| eXistenZ (1999) |
| New Rose Hotel (1998) |
| Lulu On The Bridge (1998) |
| Speed 2 - Cruise Control (1997) |
| Der englische Patient (1996) |
| Basquiat (1996) |
| Die Nacht und der Augenblick (1994) |
| Tom & Viv (1984) |
| Das Kartell (1994) |
| In weiter Ferne, so nah (1993) |
| Body Of Evidence (1993) |
| White Sands - Der große Deal (1992) |
| Light Sleeper (1991) |
| Wild At Heart (1990) |
| Geboren am 4. Juli (1989) |
| Mississippi Burning - Die Wurzeln des Hasses (1988) |
| Die letze Versuchung Christi (1988) |
| Platoon (1986) |
| Leben und Sterben in L.A. (1985) |
| Straßen in Flammen (1984) |
| Begierde (1983) |
| The Loveless (1982) |
| Heaven’s Gate - Das Tor zum Himmel (1980) |



