Einen Politischen Aschermittwoch zu bestreiten, wenn in Berlin eine Große Koalition regiert, ist denkbar schwierig. Wie auf den politischen Gegner einhauen, wenn er doch gleichzeitig der derzeitige Partner ist? Die CSU hat gar beim ehemaligen großen Vorsitzenden Franz Josef Strauß Nachhilfe genommen und dessen alte Reden gründlich studiert, bevor sie Edmund Stoiber in der Passauer Dreiländerhalle ans Rednerpult schickte. Schließlich ging es für den bayerischen Ministerpräsidenten in diesem Jahr um viel. Denn so richtig verziehen hatte es ihm die Basis noch nicht, dass er in Berlin das Weite gesucht hatte und zurück nach Bayern gekehrt ist.
Für die SPD, die traditionell in Vilshofen ihre Anhänger am Aschermittwoch auf die kommenden Monate einschwört, war der CSU-Chef freilich ein gefundenes Thema. So konnte sie trotz gemeinsamen Regierens der Union eins auswischen. Stoiber hingegen übte sich rund 35 Kilometer weiter im Prügeln auf die alte Bundesregierung, auf Manager und auf Ausländer. So recht wollte allerdings lange Zeit keine Stimmung aufkommen. Denn ein richtiger Gegner für einen offenen Schlagaustausch fehlte in diesem Jahr einfach. Insbesondere bemühte sich der heimgekehrte Stoiber den Zusammenhalt unter seine Anhänger wieder herzustellen.
Die besten Zitate
Zitate aus Passau (Edmund Stoiber, CSU)
„Mit Angela Merkel und der Union gilt: Deutschland wird wieder vernünftig regiert: kurzum: Master-statt-Desaster-Politik“
„Schröders Gerdshow hat Sendeschluss. Fischer hat sich abgemeldet. Trittin hat nichts mehr zu sagen. Der rot-grüne Klamauk hat endlich ein Ende!“
„Die Landwirtschaft gehört zu Bayern, und die Bauern gehören zur CSU“
„Wir sind das Bayern!“
„Die Bundeswehr soll Vögel einsammeln aber nicht für die Sicherheit in Deutschland sorgen – das passt nicht zusammen.“
„Die große Koalition ist nicht CSU pur. Sie ist keine Liebesheirat, sondern eine Vernunftehe.“
„Die große Koalition ist eine Lebensabschnittspartnerschaft.“
„Unsere Großeltern haben das Wirtschaftswunder auch nicht mit der 35-Stunden-Woche geschaffen.“
„Verwechseln Sie bitte Deutschland nicht mit Botswana“ (zu UN-Sonderberichterstatter Munoz, der das deutsche Schulsystem in Frage gestellt hat)
„Wer randaliert, fliegt raus und wer kein Deutsch kann, kommt gar nicht erst rein“ (in Bayerns Schulen)
„Hier gilt das Grundgesetz, nicht die Scharia!“
„Wer den Ruf des Muezzins in Berlin verlangt, sollte auch in Riad und Teheran das Glocken-Läuten zulassen.“
„Wir alle kennen das Gefühl, heim zu kommen. An der Grenze taucht das Schild „Freistaat Bayern“ auf. Beim Landeanflug des Flugzeugs auf München sehen wir die Berge am Horizont. Und wir wissen: Hier sind wir zu Hause. Hier sind wir daheim.“
Zitate aus Vilshofen (Matthias Platzeck, SPD)
„Die SPD ist das Herz der Bundesregierung.“
„Wer den Mund so voll nimmt, sollte mit künftigen Aussagen vorsichtig sein.“ (zu Stoiber)
„Wir brauchen Leute, die anpacken. Populismus bringt uns nicht weiter.“
"Wenn alle klug wären in Bayern, hätte die SPD hier höhere Wahlergebnisse"
Zitate aus Passau (Guido Westerwelle, FDP)
„Diese große Koalition ist eine Koalition des kleinsten gemeinsamen Nenners. Mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner lassen sich in Deutschland aber weder Aufbruchstimmung noch ein Neuanfang bewirken.“
„Herr Seehofer ist jetzt übrigens doch gegen ein Vorziehen des Renteneintritts erst mit 67. Da haben nämlich einige in der CSU gemerkt, dass Edmund Stoiber im September 65 Jahre alt wird.“
„Die Große Koalition war bisher Schnecken-Tango. Eng umschlungen und ganz langsam.“



