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Woher kommt der Montagsblues?
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Leben & Lifestyle

Woher kommt der Montagsblues?

Es ist jeden Montagmorgen das Gleiche: Der Wecker klingelt gefühlt viel zu früh und statt nach dem Wochenende erholt aus den Federn zu springen, quälen wir uns müde aus dem Bett und zur Schule oder Arbeit. Es ist wohl auch kein Zufall, dass sich an Montagen besonders viele Berufstägige krank melden oder berufliche…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Leben & Lifestyle
Artikelbild

Gettyimages, torwai

Es ist jeden Montagmorgen das Gleiche: Der Wecker klingelt gefühlt viel zu früh und statt nach dem Wochenende erholt aus den Federn zu springen, quälen wir uns müde aus dem Bett und zur Schule oder Arbeit. Es ist wohl auch kein Zufall, dass sich an Montagen besonders viele Berufstägige krank melden oder berufliche E-Mail mehr Fehler enthalten als an den meisten anderen Tagen.

Rein objektiv betrachtet sollten wir uns am Ende eines Wochenendes eigentlich besser fühlen als vorher, weil die arbeitsfreie Zeit Gelegenheit bietet, den persönlichen Akku wiederaufzuladen. Dem widerspricht aber das weiterbreitete Gefühl des "Montagsblues", das nahelegt, dass sich viele von uns nach dem Wochenende eher schlechter fühlen als vorher. Was also ist dran am "Blue Monday" und warum empfinden wir gerade den Montag oft als schwierigsten Tag der Arbeitswoche?

Eine Woche im Dienste der Wissenschaft

Diese Frage haben kürzlich der Arbeitspsychologe Oliver Weigelt von der Universität Leipzig und sein Team näher untersucht. Dafür baten sie 87 Testpersonen im Rahmen einer sogenannten Tagebuchstudie, morgens, mittags und nachmittags zu protokollieren, wie sie sich gerade körperlich und mental fühlten. Diese Angaben zum momentanen Erleben von Vitalität und Erschöpfung machten die Teilnehmenden an zwei Wochenenden und in der dazwischenliegende Arbeitswoche.

Außerdem wurden die Testpersonen morgens nach ihren Erholungserfahrungen am Vortag und nach ihrer Schlafqualität in der zurückliegenden Nacht befragt. An den Arbeitstagen wollten die Forscher zudem wissen, welche Erwartungen die Probanden an den bevorstehenden Arbeitstag haben. Am Ende des Tages erfasste das Team zudem, wie sehr sich die Personen an diesem Tag bei der Arbeit angestrengt hatten.

Kein klares Montagstief nachweisbar

„Ziel unserer Studie war es, beide Perspektiven miteinander zu verbinden und besser zu verstehen, wann und wie sich das Wohlbefinden gemessen an Vitalität und Erschöpfung im Verlauf der Sieben-Tage-Woche verändert und wovon diese Veränderungen genau abhängen“, so Weigelt.

Das überraschende Ergebnis: Zumindest in Bezug auf die Vitalität und das Wohlbefinden ist der Montag nicht schlechter als die anderen Arbeitstage auch. Bei den Testpersonen war die mentale und körperliche Leistungsfähigkeit zu Beginn der Woche genauso gut wie am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag. Das passt zu früheren Studien, nach denen wir montags durchaus erholt und sogar relativ produktiv sind – auch wenn es uns oft nicht so vorkommt. Deshalb kann es beispielsweise sogar günstig sein, eine Bewerbung oder ein Bewerbungsgespräch auf einen Montag zu legen.

Wenn das Erholungspolster nicht reicht

Allerdings gibt es einen Effekt, der das montägliche Stimmungstief erklären könnte: Wie die Stude ergab, schlafen viele Menschen in der Nacht von Sontag zu Montag deutlich schlechter als in anderen Nächten. Die Forschenden führen dies vor allem auf die Umstellung des Tag-Nacht-Rhythmus am Wochenende zurück: Freitags und samstags bleiben wir meist länger auf, gehen aus und schlafen am folgenden Morgen länger. Am Sonntagabend dagegen zwingen wir uns, pünktlich ins Bett zu gehen, weil wir montags früh aufstehen müssen.

Dazu passt die Beobachtung des Forschungsteam, dass sich das Wohlbefinden ihrer Testpersonen im Verlauf des Wochenendes zwar kontinuierlich verbesserte. Beim Übergang vom Wochenende zurück zur Arbeitswoche war aber mindestens einen Teil dieses aufgebauten Erholungspolsters schon direkt wieder verbraucht – unter anderem durch diese Umstellung des Tagesrhythmus.

Sonntag ist oft noch mieser

Und auch die Psyche spielt eine Rolle: Während die meisten von uns am Freitag Vorfreude aufs Wochenende haben und dadurch die Stimmung steigt, kehrt sich dies im Laufe des Sonntags bei vielen um: Der Gedanke an den bevorstehenden Wochenbeginn und die damit verbundenen beruflichen oder schulischen Herausforderungen vermiesen vielen Menschen schon am Sonntag die Laune. Laut einer schwedischen Studie ist der Sonntag deshalb bei den meisten der Stimmungstiefpunkt der Woche, der Freitag dagegen der positivste Tag. US-Forscher kamen allerdings zu abweichenden Ergebnissen: Ihre Auswertung von 2,4 Millionen Posts in sozialen Medien ergab den Mittwoch als Tag mit besonders negativer Stimmung.

Aber was hilft denjenigen unter uns, für die der Montag einfach zum Abgewöhnen ist? Weigelt und sein Team empfehlen zum einen, am Wochenende für ausreichend Schlaf zu sorgen und sich nicht mit Freizeitstress und kurzen Nächten zu überfordern. Helfen kann aber auch, sich nicht gleich die unangenehmsten Aufgaben auf dem Wochenstart zu legen und eher langsam anzufangen.  Auch eine wenig Vorarbeit am Freitag kann dazu beitragen, dass uns nicht schon am Sonntag vor dem vor und liegenden Berg an Arbeit graut.

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