Früher waren die Beschwörungsformeln und Gebete ein und dasselbe. Erst seit der Aufteilung in Gebet und Zauberspruch haftet den Zauberformeln eine Art Erfüllungszwang an. Die in vielen Kulturen verbreiteten Zaubersprüche lassen sich mehr oder weniger in zwei Kategorien einteilen. Zum einen gibt es Zauberworte, sowie Ein- und Zweiwort-Zaubersprüche. Dabei handelt es sich meist um Befehle an die Umwelt, die zum Beispiel etwas verschwinden lassen. In den Harry Potter Serien findet man eine Vielzahl solcher Zauberworte. Zum anderen gibt es Zaubersprüche, mit denen Geister und andere Kräfte beschworen werden. Sie können aus vielen Wörtern bestehen, die immerzu wiederholt werden und eine Art Sprechgesang darstellen. Oft werden sie aus fremden, alten Sprachen übernommen. Dabei kommt es auf eine exakte Aussprache und einen gleichmäßigen Rhythmus an. Meistens werden die Zauberformeln in Verbindung mit rituellen Handlungen oder Bewegungen und unter Zuhilfenahme verschiedener Kraftgegenstände gesprochen. Zu den häufigsten Zauberformeln gehören Schutz- und Bannzauber.
Magie und Wissenschaft
Auch die Wissenschaft beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Beschwörungsformeln. Einige der ältesten bekannten Zaubersprüche stammen aus der Zeit ägyptischer Alchimisten, sind also mehrere tausend Jahre alt. Die alten Germanen ritzten ihre Zaubersprüche in Runen. Das Wort Zauber, von zoubar, bezeichnet den roten Farbstoff, den sie verwendeten, um die Runen einzufärben. Auch spell, das englische Wort für Zauberspruch, bezeichnet die kleinen Runentäfelchen. Die Macht der Zaubersprüche beruht auf der Macht, die dem gesprochenen Wort zugeschrieben wird. Es sind die Worte selbst, in welchen besondere, manchmal göttliche Kräfte wirken. Daher rührt auch der Glaube, man könne alles und jeden beherrschen, wenn man nur seinen wahren Namen kennt. Aus diesem Grund wird in manchen Kulturen der wahre Name eines Menschen geheim gehalten - man denke nur an das Märchen 'Rumpelstilzchen‘. Um sich vor dem Zauber anderer zu schützen, legten sich viele Hexen und Magiere deshalb Decknamen zu.
Das magische Quadrat
| S | A | T | O | R |
| A | R | E | P | O |
| T | E | N | E | T |
| O | P | E | R | A |
| R | O | T | A | S |
Seit dem Mittelalter rätselt man über die Bedeutung eines magischen Buchstabenquadrates, das an heiligen Stätten und Kirchen gefunden wurde: egal ob von oben oder unten, rechts oder links gelesen, ergeben sich die selben Wörter. ’Tenet‘ bildet dabei ein vierpoliges Kreuz mit einem N in der Mitte. Dies wird als Symbol für Anfang und Ende gesehen. Da die Worte ober- und unterhalb von ’Tenet‘ jeweils Spiegelungen sind, besteht die Zauberformel eigentlich nur aus drei Wörtern: 'Sator Opera Tenet‘. Übersetzt heißt das soviel wie ’der Sämann hält die Werke in der Hand’. Man nimmt an, dass damit die göttliche Macht bezeichnet wird, die ihre Schöpfung in Händen hält. Demnach könnte es sich bei dem magischen Quadrat um eine Schutzsäule handeln, die vielleicht den höchsten Schutz überhaupt bedeutet. Die frühesten Hinweise auf dieses Quadrat finden sich 2000 v. Chr. Darüber hinaus gibt es unzählige andere Schutzformeln: Abraxas, Jod-He-Vau-He und Tetragammatron sind nur einige wenige Beispiele.
Die Merseburger Zaubersprüche
1841 machte ein Historiker namens Weitz in der Bibliothek des Merseburger Domkapitels einen sagenhaften Fund. Er entdeckte zwei uralte germanische Zauberformeln, die im 9. oder 10. Jahrhundert niedergeschrieben wurden. Es ist das weltweit einzige Dokument heidnischen Inhalts in althochdeutscher Sprache. In den so genannten Merseburger Zaubersprüchen geht es um die Befreiung von Gefangenen und die Heilung eines Pferdes. In der Regel sind Zaubersprüche Teil einer magischen Handlung und sollen das eigentliche Ritual unterstützen. Dies trifft vor allem für die Umweltbefehle zu. Angeblich benötigen begnadete Zauberer keine Zauberworte mehr, vielmehr erzielen sie allein durch eine Bewegung und Konzentration die entsprechende Wirkung. Übung macht eben auch hier den Meister.



