Als der Film "2001: A Space Odyssey" am 2. April 1968 seine Premiere feiert, hat die Ära der Raumfahrt gerade erst begonnen. Die erste Mondlandung liegt noch mehr als ein Jahr in der Zukunft und nur wenige Astronauten haben die Erde im Erdorbit umkreist. Auch das Computerzeitalter ist noch Zukunftsmusik. Zwar existieren bereits einige Großrechner, die ganze Räume füllen. Ihre Rechenkapazität aber würde von jedem heutigen Smartphone locker übertroffen.
Umso erstaunlicher und faszinierender ist die Zukunftsvision, die Stanley Kubrick zu dieser Zeit bereits in seinem Film entfaltet. Denn in der Welt von "2001: Odyssee im Weltraum" – so der deutsche Titel – existieren bereits Satelliten, Raumstationen und künstliche Intelligenzen. Der Mensch hat mehrere Mondbasen errichtet und es gibt Raumschiffe, die in wenigen Monaten bis zum Jupiter fliegen können.
"Ein visionäres Gedicht"
Wegen seiner visionären Ideen, des Designs, aber auch der filmischen Raffinesse gilt "2001: Odyssee im Weltraum" bis heute als der einflussreichste Science-Fiction-Film aller Zeiten. "Sich die Science-Fiction ohne 2001 vorzustellen, ist unmöglich", sagt der Regisseur Martin Scorsese. "Es war eine Megaproduktion, ein Experimentalfilm und ein visionäres Gedicht zugleich." Viele spätere Autoren und Regisseure ließen sich von Kubricks Visionen inspirieren – darunter auch George Lucas, der Schöpfer der ersten Star-Wars-Trilogie. "Es war das erste Mal, dass man Science-Fiction wirklich ernst nahm", sagte er zum Film.
Zu Ehren von 2001: A Space Odyssey" und seines 50-jährigen Jubiläums zeigt das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main zurzeit eine weltweit einmalige Ausstellung zum Film und seiner Entstehungsgeschichte. Noch bis zum 23. September 2018 kann man hier Kulissen aus dem Film, Designskizzen und viele nie zuvor gezeigte Exponate rund um Kubricks Werk sehen. "Ob Moonwatcher-Kostüm oder Starchild-Figur, ob Raumfahrerhelm oder die zahlreichen Entwürfe, Skizzen, Fotos, Originalunterlagen und Briefe", beschreiben die Kuratoren der Ausstellung Hans-Peter Reichmann und Tim Heptner die Exponate.
Die Handlung: Von der Vorgeschichte in die Zukunft
Die Handlung des Films ist allerdings ebenso innovativ wie rätselhaft. Es beginnt in Frühgeschichte der Menschheit: Ein rätselhafter schwarzer Monolith taucht in der afrikanischen Savanne auf und verändert durch seine bloße Anwesenheit die Menschheitsentwicklung. Die zuvor primitiven Vormenschen beginnen plötzlich, Werkzeuge zu nutzen – der Weg zum Menschen ist bereitet.
Die nächste Filmszene spielt im Jahr 1999. Die Menschheit besitzt Satelliten, Raumfähren und mehrere Mondstationen und Mondbasen. Der mysteriöse Monolith taucht erneut auf – er steht in einem Mondkrater und wird von den Wissenschaftlern als außerirdisch erkannt. Weil der Monolith ein elektromagnetisches Signal in Richtung Jupiter aussendet, wird eine Mission dorthin beschlossen.
Es beginnt der Hauptteil des Films, er spielt im Jahr 2001: An Bord des Raumschiffs Discovery sind die Astronauten Frank Poole und Dave Bowman zusammen mit drei im Dauerschlaf befindlichen Forschern und dem Bordcomputer "HAL 9000" zum Jupiter unterwegs. Nach einem Kampf ums Überleben und gegen den Bordcomputer kommt Bowman am Jupiter an und entdeckt dort einen weiteren Monolithen. Bei der Erkundung des Objekts wird der Astronaut – nach einer psychedelischen Filmsequenz – quasi in diesen hineingezogen.
Es folgt die rätselhafteste Sequenz des Films, in der Bowman in halbhistorisch ausgestatteten Räumen umherwandelt, mehreren Doppelgängern verschiedenen Alters begegnet und schließlich stirbt. Statt des Toten sieht man nun jedoch einen Fötus in einer Fruchtblase, der im Weltraum schwebt. Mit dieser Einstellung endet der Film.
Die Technik: visionär, aber fundiert
Der Clou dabei: So rätselhaft und visionär die Handlung daherkommt, so wissenschaftlich fundiert sind viele der gezeigten Technologien. Denn Kubrick lässt sich von Experten der US-Weltraumagentur NASA beraten, sichtet hunderte von Aufnahmen von Teleskopen und die ersten von Astronauten gemachten Fotos aus dem Erdorbit. Auch die im Film dargestellten Raumanzüge basieren auf realen Vorbildern. Zudem schreibt der Regisseur das Drehbuch zum Film gemeinsam mit Arthur C. Clarke, einem britischen Physiker und Science-Fiction-Autor.
Der Film ist dadurch mehr als nur ein reines Fantasieprodukt: Er nimmt einige damals noch in weiter Ferne liegende Entwicklungen der Raumfahrt quasi vorweg. So ähnelt die Raumfähre, die die Astronauten zum Mond bringt, dem Space-Shuttle der NASA, das ab den 1980er Jahren reale Astronauten in die Erdumlaufbahn brachte. Auch das radförmige Design der im Mondorbit kreisenden Raumstation findet sich in realen Entwürfen von Raumfahrtbehörden wieder – auch wenn solche Stationen bisher noch nicht umgesetzt wurden.
HAL – das rote Auge
Einer der bekanntesten Akteure des Films ist "HAL 9000", der intelligente Bordcomputer des Raumschiffs. Diese durch sein rotes Kameraauge allgegenwärtige künstliche Intelligenz steuert nicht nur das Schiff, sie sieht und hört auch alles, was die Astronauten sprechen. Verblüffend menschlich macht HAL dabei nicht nur seine warme, fast einschmeichelnde Stimme, er reagiert auch fast so neurotisch wie ein Mensch. Denn im Laufe des Fluges zum Jupiter entwickelt HAL immer mehr subtile Macken und Fehlfunktionen.
Schließlich kommen die Astronauten an einen Punkt, an dem sie erwägen, den Bordcomputer komplett abzuschalten. Was sie nicht ahnen: HAL bekommt ihren Plan über seine allgegenwärtigen Kameras und Mikrophone mit und reagiert: Weil sein Abschalten seiner Ansicht nach die Mission gefährdet, versucht er seinerseits, die Besatzung zu töten – teilweise mit Erfolg.
Doch schließlich gelingt es Astronaut Bowman, in das Herz des Computers einzudringen und seine Funktionsmodule nach und nach abzuschalten. Als Folge reduzieren sich die geistigen Fähigkeiten von HAL immer weiter – er wird quasi wieder zum Kind. In einer der berühmtesten Szenen des Films beginnt der Computer kurz vor seinem Ende ein Kinderlied zu singen – bis seine Stimme endgültig erstirbt.
Joggen in der Zentrifuge
Ebenfalls verblüffend realistisch ist auch das Raumschiff, das im Film die Astronauten zum Jupiter bringt. Auf einer so langen Reise zu einem anderen Planeten wären Astronauten lange Zeit der Schwerelosigkeit ausgesetzt – zu lange. Denn schon nach kurzer Zeit sorgt die fehlende Belastung dafür, dass Muskeln und Knochen abbauen. Auf der heute im Erdorbit kreisenden realen Raumstation ISS müssen die Astronauten deswegen täglich an speziellen Geräten ihre Muskeln trainieren. Dennoch verlieren sie im Verlauf ihres mehrmonatigen Aufenthalts rund ein Drittel an Muskelmasse.
Im Film "2001" löst die sogenannte Zentrifuge des Raumschiffs "Discovery" dieses Problem: Der zentrale Aufenthaltsraum der Astronauten besteht aus einer riesigen Zentrifuge, die sich ständig langsam dreht. Dadurch erzeugt sie eine Fliehkraft, die wie eine künstliche Schwerkraft wirkt. Statt schwerelos umher zu schweben, behalten die Astronauten so "Bodenhaftung" und können ihre Muskeln beispielsweise durch Joggen entlang der Außenwand dieser Zentrifuge fit halten. Die Idee, durch eine solche Drehung Schwerkraft auf langen Weltraummissionen zu erzeugen, ist bis heute aktuell – nur an der Umsetzung hapert es in der Wirklichkeit bisher.



