Endlich ist es soweit: Der Ramadan, der lange Fastenmonat ist vorbei. Ab dem 2. Mai 2022 dürfen auch gläubige Muslime wieder essen und trinken, wann sie wollen. Gefeiert wird das Ende des Ramadan traditionell mit einem mehrtägigen Fest, dem "Fest des Fastenbrechens", im Türkischen auch "Zuckerfest" genannt, das in diesem Jahr in Deutschland vom 2. bis 4. Mai stattfindet. Geprägt sind diese Festtage durch gegenseitige Besuche, das Festgebet zum Ende des Ramadan und ausgiebiges Schmausen im Kreis von Familie und Freunden.
Das Fest des Fastenbrechens ist nach dem Opferfest, das zum Gedenken an Abraham gefeiert wird, das zweitwichtigste Fest des Islam. Muslime danken mit diesem Fest Gott dafür, dass sie die Kraft und die Ausdauer gefunden haben, die religiöse Pflicht des Fastens zu erfüllen. Für mögliche Verstöße gegen das Fastengebot bitten sie um Vergebung. Eigentlich ist dieses Fest daher ein Anlass zur Freude und zum Feiern. Für Muslime in Syrien, dem Irak und in anderen umkämpften Gebieten ist das Fest jedoch seit einigen Jahren überschattet von Krieg und religiösen und territorialen Konflikten. Auch im Gazastreifen feiern viele Muslime das Fest unter wenig glücklichen Bedingungen.
Parallelen zu christlichen Festen
In vielen seiner Bräuche aber ist das Ramadanfest dem christlichen Weihnachtsfest erstaunlich ähnlich - auch wenn die religiöse Bedeutung natürlich eine ganz andere ist. Auch das Fest des Fastenbrechens folgt einer Zeit der Einkehr und der Besinnung und wie an Weihnachten spielen auch bei ihm das Feiern in der Familie, das Beschenken der Kinder und natürlich typische Süßigkeiten und festliches Tafeln eine wichtige Rolle.
In islamischen Ländern ist während des Fests des Fastenbrechens offiziell schulfrei und arbeitsfrei. In Deutschland gibt es ja nach Bundesland und Unternehmen verschiedenen Regelungen. In Hamburg und Rheinland-Pfalz beispielsweise können muslimische Kinder am ersten Tag des Zuckerfests auf Wunsch von der Schule beurlaubt werden. In einigen Unternehmen gibt es ähnliche Regelungen.
Planen, putzen und präparieren
Schon vor dem Ende des Ramadan laufen die Vorbereitungen für die Festtage: Besuche werden geplant, Festkleider werden zurechtgelegt und besondere Speisen und Süßigkeiten werden eingekauft oder selbst zubereitet. In Südostasien reisen viele Muslime für diese Festtage zudem nach Hause zu ihren Familien, es kommt dort dann regelmäßig zu Staus und Verkehrschaos. Ähnlich wie bei christlichen Feiertagen auch, sorgt zudem ein Großputz dafür, dass Wohnung und Haus für Besuch und Festlichkeiten sauber und ordentlich sind.
Festgebet und Spenden
Der erste Feiertag beginnt mit einem morgendlichen Festgebet in der Moschee. Dafür ist es Brauch, seine schönsten Kleider anzuziehen, die Männer erscheinen in festlichen Anzügen, feinen Hemden und guten Schuhen. Vor dem eigentlichen Beginn des Gebiets werden spezielle Rufe rezitiert, die "Takbīr-Rufe des Festes". Nach der eigentlichen Gebetsphase gibt es dann eine Predigt – beim normalen Freitagsgebet ist es anders herum.
Ähnlich wie auch beim christlichen Weihnachten ist es üblich, an diesem Fest auch an die Armen und Bedürftigen zu denken. Wie schon während des Ramadan wird in dieser Zeit daher besonders viel gespendet, aber es werden auch Hilfsaktionen initiiert. Auf dem Nachhauseweg begrüßen sich die Feiernden und beglückwünschen sich gegenseitig zum Fest. In manchen Ländern ist es Sitte, nach dem Festgebet zum Friedhof zu gehen und der Verstorbenen zu gedenken.
Gemeinsames Schmausen und Besuche
Danach beginnen die Familienfeierlichkeiten. Ein Höhepunkt ist das gemeinsame Festmahl, meist nach der Rückkehr vom Festgebet. Je nach Herkunft gibt es regionale Spezialitäten und vor allem viele Süßigkeiten. Denn sie stehen – ähnlich wie in der abendländischen Tradition auch – für Überfluss und Feiern. Typisch sind dabei neben Baklava auch Datteln, Nüsse und kleine süße Kuchen.
Eine wichtige Rolle spielen auch Besuche während des Fests: Meist bewegt man sich dabei von "nah nach fern": Am ersten Tag ist der engere Familienkreis unter sich, an den beiden folgenden Tagen stattet man den übrigen Verwandten Besuche ab. Meist besuchen die Jüngeren die älteren, die Kinder werden von den Verwandten oft mit Geld und Süßigkeiten beschenkt.



