In den drei westlichen Besatzungszonen tritt das Gesetz über die Neuordnung des "deutschen Geldwesens" in Kraft. Mit Wirkung vom 21. Juni verliert die Reichsmark (RM) ihre Gültigkeit. Alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel ist nun die Deutsche Mark (DM).
Neben dem Währungsgesetz legen weitere Gesetzeswerke die Bestimmungen der Währungsreform fest:
- Das Emissionsgesetz, das am 20. Juni in Kraft tritt, regelt den Notenumlauf sowie die Rechte der Bank deutscher Länder in Frankfurt am Main; insgesamt stehen rund zehn Milliarden DM zur Ausgabe bereit
- Das Umstellungsgesetz vom 27. Juni legt die Bewertung von Reichsmarkkonten (Altgeldguthaben), Bausparverträgen, Spareinlagen und Renten fest
Mit der Währungsreform sind folgende Maßnahmen verbunden:
- Jeder Einwohner der Westzonen kann vom 20. Juni an 40 RM als sogenannte "Kopfquote" im Verhältnis von 1:1 in DM (auch D-Mark genannt) umtauschen; die Ausgabe weiterer 20 DM zu diesem Kurs ist für den August vorgesehen
- Das im Umlauf befindliche Bargeld wird im Verhältnis von 100:5; Bank- und Sparguthaben sowie Verbindlichkeiten werden im Verhältnis 10:1 abgewertet
- Löhne, Gehälter und Mieten müssen vom nächsten Fälligkeitstermin an in der neuen Währung im Verhältnis 1:1 bezahlt werden
- Juristische Personen erhalten zur Sicherstellung der Liquidität zunächst einen Kredit von 60 DM für jeden Beschäftigten
- Die Guthaben öffentlicher Einrichtungen werden gestrichen; um laufende Kosten bestreiten zu können, erhalten sie Betriebsmittel, die sich an den Betriebseinnahmen im vergangenen halben Jahr orientieren
Mit diesen Maßnahmen wird dem deutschen Geldmarkt ein Kaufkraftüberhang von 37 Milliarden Reichsmark entzogen.
Die Papiermühlen mahlen
Außerdem kündigt noch am Abend des 20. Juni, dem Tag der Ausgabe des neuen Geldes, der Direktor der Wirtschaftsverwaltung der deutschen Bizone, Ludwig Erhard, über den Rundfunk die Aufhebung der Rationierung für mehr als 400 Verbrauchsgüter an. Zwei Tage zuvor hatte der Wirtschaftsrat ein entsprechendes "Gesetz für Bewirtschaftung und Preispolitik nach der Geldreform" verabschiedet. Da jedoch eine Genehmigung durch die Besatzungsmächte noch aussteht, stößt Erhards Maßnahme bei den Westmächten auf scharfe Kritik; die Ankündigung wird jedoch von ihnen nicht rückgängig gemacht.
Am 20. Juni, einem regnerischen Sonntag, bilden sich überall in den drei Westzonen vor den Ausgabestellen der Lebensmittelkarten lange Schlangen von Wartenden, die gegen Vorlage ihrer Lebensmittelkarte oder ihres Personalausweises 40 Reichsmark zum Kurs von 1:1 in neue Deutsche Mark umtauschen wollen. Bündelweise wandern die alten Reichsbank- oder Rentenmarknoten in die Papiermühlen.
Die Regale füllen sich
Bereits einen Tag später machen sich die Auswirkungen des Währungsschnittes und der Aufhebung der Bewirtschaftung deutlich bemerkbar: Die Regale der Geschäfte sind plötzlich wieder gefüllt, Waren, an denen es zuvor mangelte, sind in ausreichenden Mengen vorhanden. Die Vorbereitungen für die Währungsreform waren unter Wahrung strengster Geheimhaltung von den drei westlichen Besatzungsmächten getroffen worden. Sie wurden in Anbetracht der sich verschärfenden politischen Gegensätze zwischen Ost und West seit der Jahreswende 1947/48 beschleunigt betrieben. Vorsorglich hatte man bereits seit Oktober 1947 neues Geld in den USA drucken und in die deutsche Bizone transportieren lassen.
Deutsche Stellen waren an den Vorbereitungen zur Währungsreform kaum beteiligt. Zwar richtete der bizonale Wirtschaftsrat im Juli 1947 eine "Sonderstelle Geld und Kredit" ein. Die dort tätigen Währungs- und Finanzexperten wurden jedoch erst am 20. April 1948 von den Alliierten herangezogen: Ein Bus der US-Streitkräfte brachte sie zu dem sogenannten Währungskonklave in einem Militärstützpunkt in Rothwesten, nordöstlich von Kassel. Dort arbeiteten sie, unter strenger Abschirmung von der Außenwelt, bis zum 8. Juni mit alliierten Vertretern technische Details aus.



