Wann und warum wurde das THW gegründet?
Die Geschichte des THW reicht bis in das Jahr 1919 zurück. Damals gründete der Pionieroffizier Otto Lummitzsch die "Technische Nothilfe", eine regierungsnahe Freiwilligenorganisation, die bis 1945 existierte. Am 22. August 1950 wurde Lummitzsch von Innenminister Gustav Heinemann bei einem persönlichen Gespräch gebeten, eine vergleichbare Organisation aufzubauen; der schriftliche Auftrag erging am 12. September.
Im Mittelpunkt stand zunächst die Frage nach dem Zivilschutz im Fall einer militärischen Auseinandersetzung, doch die Aufgabengebiete erweiterten sich rasch. Entsprechend wuchs das THW – schon bis 1955 stieg die Zahl der verpflichteten Helfer von 6.000 auf 40.000.
Wie ist das THW organisiert?
Das THW ist – und dies mag auf den ersten Blick erstaunen – eine Behörde, die dem Bundesministerium des Inneren untersteht. Ihr Hauptsitz liegt in Bonn-Lengdorf. Sie unterhält acht Landesverbände, 66 Geschäftsstellen sowie 668 Ortsverbände und bildet dank 860 hauptamtlicher Mitarbeiter eine flächendeckende Struktur, die im Bedarfsfall die vorhandenen Einsatzkräfte bündeln kann. Mehr als 80.000 ehrenamtliche Helfer – davon 15.000 Junghelfer – lassen sich hierzu mobilisieren. Ihnen stehen nicht weniger als 727 "Technische Züge" zur Verfügung, die Basiseinheiten des THW. Präsident ist seit 2006 der Diplomingenieur und ehemalige Feuerwehrmann Albrecht Broemme, der bereits im Alter von 17 Jahren dem THW beitrat.
Seit wann ist das THW international im Einsatz?
Obwohl ursprünglich für innere Belange gegründet, wurde bereits im Frühjahr 1953 anlässlich einer Sturmflutkatastrophe in den Niederlanden ein Auslandseinsatz durchgeführt. Diesem sollten viele weitere folgen – die Bundesrepublik bietet im Katastrophenfall entsprechende Hilfsleistungen an oder reagiert auf das Hilfeersuchen betroffener Staaten. Vermittelnde Instanz ist hierbei das Auswärtige Amt. Das THW hat Schnelleinsatzeinheiten zur Verfügung, die innerhalb von sechs Stunden abflugbereit sind und Bergungshilfe oder Wasseraufbereitung leisten. Im benachbarten Ausland waren bereits bis zu 1.500 Kräfte auf einmal im Einsatz, so im Jahr 2000 in Frankreich bei der Beseitigung von Schäden durch Winterstürme. Außerdem werden langfristige Entwicklungs- oder Wiederaufbauprojekte wie zum Beispiel Brunnenbau übernommen. Bei all diesen Aktivitäten fungiert das THW nicht zuletzt auch als humanitärer Botschafter.
Was hat sich beim THW seit 1990 verändert?
Mit der Wiedervereinigung sank die Kriegsgefahr für Deutschland rapide, was beim THW zu einer Umstrukturierung führte. Zunächst wurde sein Einsatzgebiet auf die neuen Bundesländer ausgedehnt, dann wurden ab 1994 die großen Bergungszüge durch kleinere, dafür aber flexiblere Einheiten ersetzt, zu denen auch Fachgruppen (wie etwa zur Infrastruktur oder zum Beleuchtungswesen) gehören. 2010 wurde mit der Standing Engineering Capacity (SEC) eine spezielle Einheit für internationale Friedensmissionen aufgebaut, die bei Bedarf technische wie humanitäre Hilfe sowie Katastrophenschutz leisten kann. Die Einsatzgebiete des THW bleiben also international.
Das THW heute
Das THW hat seine eigene Ausbildung, seine eigene Bundesschule mit mehreren Standorten und ein eigenes Extranet für interne Informationsübertragung. Unterstützung erfährt das THW nicht nur von verschiedenen unabhängigen Helfervereinigungen, sondern auch von einer ebenfalls separaten Jugendorganisation, die Mädchen und Jungen ab zehn Jahren spielerisch an die Ziele des THW heranführt. Apropos: Technik ist schon lange keine Männersache mehr. Der Frauenanteil beträgt knapp neun Prozent, dürfte aber in Zukunft weiter steigen. Die größte Herausforderung für die Organisation war bislang das Elbehochwasser 2002, bei dem nicht weniger als 24.000 Helfer zum Einsatz kamen. Doch auch beim Erdbeben in Haiti hat das THW im Frühjahr 2010 mit Trinkwasseraufbereitung geholfen. Kurzum – das THW ist da, wenn man es braucht.




