Allergien einfach wegimpfen
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Allergien einfach wegimpfen

Bild: Foto: unbekannt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der achtjährige Marian Jäger (Name von der Red. geändert) weiß bis heute nicht, wie Kuchen schmeckt: Sogar bei Kindergeburtstagen muss er Torten oder Plätzchen stehen lassen und stattdessen einen grauen Brei löffeln. Denn der blonde Junge leidet von Geburt an unter mehreren Nahrungsmittelallergien: Er verträgt weder Hühnereiweiß noch Kuhmilch noch Weizenmehl. Gibt der Knirps der Versuchung nach und knuspert Schoko-Snacks, bezahlt er mit wochenlangem Leid – einem heftig juckenden Ausschlag auf dem gesamten Körper, den er sich dann blutig kratzt. Möglicherweise könnte ihm eine Neuentwicklung, die so genannte Anti-IgE-Impfung, helfen.

Zahl der Allergiker wächst

Der achtjährige Marian Jäger (Name von der Red. geändert) weiß bis heute nicht, wie Kuchen schmeckt: Sogar bei Kindergeburtstagen muss er Torten oder Plätzchen stehen lassen und stattdessen einen grauen Brei löffeln. Denn der blonde Junge leidet von Geburt an unter mehreren Nahrungsmittelallergien: Er verträgt weder Hühnereiweiß noch Kuhmilch noch Weizenmehl. Gibt der Knirps der Versuchung nach und knuspert Schoko-Snacks, bezahlt er mit wochenlangem Leid – einem heftig juckenden Ausschlag auf dem gesamten Körper, den er sich dann blutig kratzt. Möglicherweise könnte ihm eine Neuentwicklung, die so genannte Anti-IgE-Impfung, helfen.

Immer mehr Menschen in Deutschland entwickeln Allergien. Zur Zeit, so schätzen Experten, leiden etwa 20 Prozent aller Menschen in den Industrienationen unter einer allergischen Erkrankung, sei es Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis, einer Überempfindlichkeit auf Nahrungsmittel oder auf Metalle.
Der Grund für die zunehmende Häufikgeit von Allergien ist noch unbekannt. Möglicherweise spielt die hygienische Sauberkeit in den Industrienationen eine Rolle: Denn je antiseptischer die häusliche Umwelt, desto eher lassen sich Allergiker finden.

Was passiert bei einer Allergie?

Das Immunsystem von Allergikern verwechselt harmlose Stoffe wie Birkenpollen oder Tierhaare mit gefährlichen Mikroben und Parasiten: So kann der Fremdkörper - das Allergen - über einige Zwischenschritte bestimmte Zellen im Blut reizen. Diese so genannten B-Zellen produzieren daraufhin eine große Menge an Antikörpern, das Immunglobulin E (IgE).

Die IgE-Antikörper strömen dann an die Mastzellen, die an den Blutgefäßen und unter der Haut sitzen. Solche Mastzellen produzieren viele Zellgifte, unter anderem Histamin und Leukotriene. Nachdem der IgE-Antikörper an die Mastzelle andockt hat, explodiert die zelluläre Giftfabrik - das umliegende Gewebe wird von den tödlichen Substanzen überschwemmt. Die Folge: Quaddeln auf der Haut, tränende Augen, geschwollene Schleimhäute, Entzündungen, verengte Bronchien. Im Extremfall kann ein allergischer Schock sogar zum Kreislaufversagen oder zum Tod durch Ersticken führen.

Behandelt werden Allergiker bislang mit entzündungshemmenden, Cortison-haltigen Medikamenten ("Corticosteroiden"), mit Anti-Histaminika, Bronchien-erweiternden Substanzen ("Broncho-Dilatatoren") und Leukotrien-Gegenspielern. Solche Mittel bekämpfen jeweils nur die Symptome – und dies meist nur unzulänglich. Auch "von der spezifischen Hyposensibilisierungs-Therapie", weiß Brunello Wüthrich, Leiter der Allergie-Station am Zürcher Universitätsspital, "profitieren immer weniger Allergiker".

Neue Therapie: Die Anti-Allergie-Impfung

Besserung verspricht die Anti-Allergie-Impfung. "Das ist ein neues Therapie-Prinzip", sagt Thomas Werfel, Immun-Dermatologe an der Medizinischen Hochschule Hannover. Denn die Vakzine, die alle zwei Wochen gespritzt werden muss, soll wie ein Langzeit-Schutz alle Allergie-Ausbrüche dauerhaft unterdrücken können, weil sie die Abwehr-Kaskade des Immunsystems von vornherein unterbricht.

Hergestellt wird das Medikament von dem Basler Pharma-Unternehmen Novartis. Frank Riedinger, Fachreferent des Chemie-Giganten, erklärt, wie das neue Mittel mit dem Handelsnamen Xolair wirkt: "Das IgE wird im Blut einfach abgefangen". Und wo keine IgE-Antikörper mehr existieren, da können auch keine Gift-gefüllten Mastzellen mehr explodieren.

Die Ergebnisse mit diesem Medikament seien "so gut, dass man es erst mal gar nicht glauben mag", meint Hautarzt Werfel. Studien der Firma Novartis haben herausgefunden, dass viele Kinder, die unter allergischem Asthma litten, ihre Cortison-Sprays zum großen Teil beiseite legen konnten. Auch Erwachsene benötigten ihren Anti-Asthma-Inhalator weniger oft als sonst. Bei Heuschnupfen, so stellte der Dermatologe Ulrich Wahn vom Berliner Charité-Virchow-Klinikum im Auftrag von Novartis fest, konnte die übliche Medikation sogar um 81 Prozent gesenkt werden.

Langzeitstudien fehlen

Können Allergiker nun aufatmen? Keineswegs. Denn obwohl das neue Novartis-Medikament angeblich keine Nebenwirkungen haben soll, fehlen "genügende Langzeitresultate", kritisiert Allergologe Wüthrich. Zudem "wird Asthma kompliziert durch nicht-allergische Faktoren": Da hilft auch der Anti-IgE-Schirm nicht mehr. Doch bei Insektengift-, Nahrungsmittel- und Berufs-Allergien könnte Xolair hilfreich sein, mutmaßt Wüthrich. Denn diese Erkrankungen werden allein durch den Antikörper IgE ausgelöst. Allerdings fehlen für diese Krankheitsbilder derzeit noch Studien.

Skeptisch war auch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA, die Xolair doch nicht wie ursprünglich geplant im Herbst 2001 zuließ. Sie forderte weitere Tests an. Der Novartis-Experte Riedinger rechnet daher damit, dass sich die Markteinführung – auch die in Europa – verzögert.

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