Arbeitssuche in Krisenzeiten: Welche Soft Skills jetzt gefragt sind
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Arbeitssuche in Krisenzeiten: Welche Soft Skills jetzt gefragt sind

Bild: Foto: Doc Feelgood, Public domain, via Wikimedia Commons

Bei der Jobsuche ist schon lange mehr gefragt als das bloße Fachwissen: Liest man die Stellenanzeigen, begegnen einem oft Anforderungen wie Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit oder gute soziale Kompetenzen. Diese über angelernte Fertigkeiten und den einzelnen Beruf hinausgehenden Fähigkeiten werden auch als Soft Skills oder transversale Kompetenzen bezeichnet. Wer hier nicht punkten kann, hat es bei der Jobsuche schwer.

Bei der Jobsuche ist schon lange mehr gefragt als das bloße Fachwissen: Liest man die Stellenanzeigen, begegnen einem oft Anforderungen wie Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit oder gute soziale Kompetenzen. Diese über angelernte Fertigkeiten und den einzelnen Beruf hinausgehenden Fähigkeiten werden auch als Soft Skills oder transversale Kompetenzen bezeichnet. Wer hier nicht punkten kann, hat es bei der Jobsuche schwer.

Krisen verändern auch die Arbeitswelt

Doch welche Soft Skills sind zurzeit gefragt? Und wie haben die Krisen der letzten Jahre die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland verändert? Denn die Klimakrise, der Ukrainekrieg oder die Inflation beeinflussen auch die Wirtschaft und erfordern immer häufiger flexibles Handeln und Anpassungen der Strategien. Die Corona-Pandemie und die Lockdowns im Jahr 2020 haben wiederum das Arbeiten selbst grundlegend verändert und das Homeoffice und die Digitalisierung vorangetrieben.

Und das wirkt sich auch auf die Soft Skills aus: "Wer in Zeiten von Klimawandel, Umweltzerstörung, Pandemie und Kriegen seelisch gesund bleiben will, braucht persönliche Resilienz. Wer im Homeoffice statt im Firmenbüro arbeitet, muss vertrauenswürdig und digital kompetent sein", erklären Wissenschaftler der Bertelsmann Stiftung. "Entsprechend ändern sich die Stellenanforderungen der Unternehmen. Sie suchen nach Soft Skills für eine Arbeitswelt, die durch globale Krisen und gesellschaftliche wie auch wirtschaftliche Transformation stark unter Druck steht." Was das konkret bedeutet, haben die Forschenden anhand von mehr als 48 Millionen Stellenanzeigen untersucht.

Klassische Kerntugenden noch immer weit vorne

Die Studie zeit: Unter den Top 3 von den Arbeitgebern gewünschten Soft Skills stehen noch immer die Klassiker: Im August 2022 war in knapp der Hälfte der untersuchten Online-Stellenanzeigen "Einsatzbereitschaft“ als wichtigste Eigenschaft gefordert. In knapp einem Drittel der Job-Angebote war "Teamfähigkeit“ gefragt. In einem Viertel der Anzeigen wünschen sich die Arbeitgeber "Selbstständigkeit“. An fünfter Stelle steht die Verlässlichkeit. Damit sind die klassischen Kerntugenden unter den Soft Skills noch immer besonders gefragt.

Aber es gibt auch deutliche Veränderungen in den letzten Jahren. Seit 2018 sind einige Kompetenzen in der Arbeitswelt wichtiger geworden und werden daher stärker eingefordert, andere hingegen haben an Bedeutung verloren. Zu Letzteren gehören unter anderem Fähigkeiten, die mit direktem Kundenkontakt und Präsentationen vor Ort zu tun haben: In Zeiten von Video-Konferenzen und Homeoffice messen Arbeitgeber Fähigkeiten wie dem Verhandlungsgeschick und der Präsentationsfähigkeit offenbar weniger Bedeutung bei, wie die Analysen ergaben.

Frust-Toleranz und Datensicherheit werden immer wichtiger

Zu den Top 3 der heute mehr gefragten Soft Skills gehören dagegen die Frustrationstoleranz, die Datensicherheit und das Einfühlungsvermögen. Angesichts von immer mehr digitalen Arbeitsweisen und vermehrtem Homeoffice ist der zweite Punkt naheliegend: Wer unter solchen Bedingungen effizient arbeiten will, muss auch mit Daten umgehen können. Frustrationstoleranz ist in Krisenzeiten ebenfalls wichtig, um flexibel mit Rückschlägen umgehen zu können. Unter anderem deshalb sind auch Besonnenheit und eine positive Grundeinstellung unter den Anforderungen heute häufiger vertreten als früher.

Beim Wunsch nach Einfühlungsvermögen spiegelt sich ebenfalls der Einfluss der aktuellen Krisen wider: "Dies ist ein Hinweis darauf, dass neben der eigenen Resilienz ein einfühlsamer Umgang mit krisengestressten Mitarbeitenden, Kunden, Kollegen oder Führungskräften immer wichtiger wird", sagt Martin Noack, Bildungs- und Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.

Und noch ein Trend ist an den aktuellen Stellenanzeigen ablesbar: Gegenseitiges Vertrauen spielt eine zunehmend wichtige Rolle für die Arbeitsproduktivität. "So stieg die Nachfrage nach Vertrauenswürdigkeit zwischen 2018 und 2021 um 32 Prozent, nach Verantwortungsbewusstsein um 20 Prozent", berichten die Bertelsmann-Wissenschaftler. "Auch die Fähigkeit eigene Mitarbeiter zu motivieren (Motivationsfähigkeit) war 2021 um 38 Prozent stärker nachgefragt."

Auswirkungen des Fachkräftemangels sichtbar

Die Auswertung der Stellenanzeigen zeigten auch, dass der in Deutschland herrschende Fachkräftemangel die Job-Anforderungen ebenfalls verändert hat. So werden Deutschkenntnisse mittlerweile für jede vierte Stelle explizit eingefordert. Darin spiegelt sich wider, dass es inzwischen in einigen Branchen kaum noch deutsche Fachkräfte gibt und Unternehmen daher immer häufiger auch nach Mitarbeitenden aus dem Ausland oder mit Migrationshintergrund suchen.

"In Zeiten des Fachkräftemangels ist das gleichzeitig eine große Chance für Zugewanderte. Besitzen sie die benötigten Fachkompetenzen und sprechen zusätzlich die deutsche Sprache, steht ihnen ein Drittel mehr Arbeitsplätze offen“, sagt Noack. Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass sich der Anteil von Beschäftigten mit ausländischem Pass von 2009 bis heute fast verdoppelt hat – auf rund 13,4 Prozent.

Jobmonitor zeigt, was wo gefragt ist

Wer mehr darüber erfahren möchte, welche Fähigkeiten und Soft Skills bei der Jobsuche gefragt sind, der kann den interaktiven Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung nutzen. In ihm lässt sich mit wenigen Klicks nachlesen, wo welche Berufe gefragt sind, wo die Nachfrage steigt oder sinkt und welche Soft Skills gefordert werden. Damit bietet er eine hervorragende Orientierung für Jobsuchende, aber auch für alle anderen Akteure des Arbeits- und Weiterbildungsmarktes.

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