Immer der Nase nach! So lautet derzeit die Devise beim Frühlingsspaziergang im Wald. Wer aufmerksam schnüffelt, dem wird vielerorts ein intensiver Knoblauchduft auffallen. Er ist ein eindeutiges Zeichen: Hier wächst Bärlauch. Der charakteristische Geruch ist das auffälligste Merkmal der Pflanze, die wie die Gartenzwiebel und der Knoblauch zu den Liliengewächsen gehört.
Optisch ist Bärlauch hingegen eher unauffällig. Ab März streckt er schmale, hellgrüne Blätter aus dem Boden – bevorzugt an schattigen Plätzen. Im Laufe des Mais beginnt das Frühlingskraut langsam zu blühen und bildet kleine, weiße Blüten aus. Seine Blätter riechen und schmecken dann nicht mehr ganz so aromatisch. Im Juni ist der duftende Zauber meist ganz vorbei. Der Bärlauch zieht sich zurück.
Achtung, Verwechslungsgefahr!
Jetzt ist also die letzte Gelegenheit, im Wald noch einmal auf die Suche nach dem Bruder des Knoblauchs zu gehen und die Küche mit dem kräftigen und zugleich frischen Geschmack seiner Blätter aufzupeppen. Um den Bestand zu schonen, sollten Bärlauchfans beim Pflücken in der Natur allerdings möglichst immer nur ein Blatt pro Pflanze ernten.
Zudem ist es wichtig, beim Sammeln genau hinzuschauen – sonst kann schnell die falsche Pflanze im Korb landen. Bärlauch hat nämlich zwei giftige Doppelgänger: Maiglöckchen und Herbstzeitlose. Beide lassen sich von dem leckeren Frühlingskraut nur durch Kleinigkeiten unterscheiden. Während beim Bärlauch jedes Blatt an einem eigenen, dünnen Stiel aus der Erde sprießt, wachsen die Blätter der Herbstzeitlose ohne Stiele direkt aus dem Boden. Maiglöckchen wachsen dagegen paarweise am Stängel. Außerdem glänzen ihre Blätter an der Unterseite – beim Bärlauch sind sie matt.
Anpflanzen statt Sammeln
Ein weiterer Anhaltspunkt ist natürlich der Duft der Blätter. Zerreibt man Bärlauch zwischen den Händen, entfaltet sich der charakteristische Knoblauchduft. Doch dieser Geruchstest hat auch seine Tücken: Haftet noch der Geruch von einem vorangegangenen Test an den Händen, verfälscht das die Probe leicht.
Grundsätzlich gilt: Wer sich nicht ganz sicher ist, um welche Pflanze es sich handelt, sollte lieber die Finger davonlassen. Denn auch ohne selbst zu sammeln können Gourmets zur Bärlauch-Saison auf ihre Kosten kommen – ganz ohne Risiko. Wochenmärkte und Gemüseläden bieten im Frühjahr das wilde Kraut zum Kauf an und auch Zuhause auf dem Balkon oder im Garten lässt sich Bärlauch problemlos anbauen. Dafür braucht es lediglich einen feuchten, lehmigen Boden sowie einen halbschattigen bis schattigen Platz. Vorgezogene Pflänzchen gibt es in der Gärtnerei.
Tausendsassa in der Küche
Die frischen Blätter aus dem Wald, dem Garten oder der Gemüsetheke eignen sich hervorragend zur Zubereitung von Suppen und Salaten oder als Zutat für Quiches, Soßen oder Kräuterbutter. Auch die Zwiebeln und Blüten des Bärlauchs sind essbar. Letztere machen sich zum Beispiel gut als hübscher Blickfang auf einem Salat.
Prinzipiell sind beim Kochen mit Bärlauch der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Vor dem Zubereiten sollte der Bärlauch jedoch stets gründlich gewaschen und die harten Stiele entfernt werden. Bei warmen Gerichten gilt: Der Bärlauch kommt zum Schluss und sollte nicht zu stark erhitzt werden. Nur so behält er sein Aroma. Wer nach dem Kochen noch Blätter übrig hat, kann diese noch etwa ein bis zwei Tage im Kühlschrank lagern oder sie portionsweise einfrieren. Auch in Form von Pesto oder eingelegt in Öl hält sich Bärlauch einige Zeit lang.
Gesunder Genuss
Übrigens ist Bärlauch nicht nur ein Tausendsassa in der Küche – auch als vielfältig einsetzbare Heilpflanze hat er eine lange Tradition. Schon die alten Germanen schätzten den Verwandten des Knoblauchs angeblich als Kraut, das nach dem Winter die Müdigkeit austreibt und neue Kräfte verleiht. Und seinen Namen hat der Bärlauch einer Legende nach daher, dass er das Erste war, was Bären nach dem Winterschlaf einst zur Stärkung fraßen.
Mediziner schreiben heute insbesondere den zahlreichen Schwefelverbindungen in den Blättern gesundheitsfördernde Wirkungen zu. Sie sollen unter anderem die Verdauung anregen, den Blutdruck senken, Arterienverkalkungen vorbeugen und entzündungshemmend wirken. Außerdem enthält das Frühlingskraut neben Eisen, Magnesium und Mangan reichlich Vitamin C.




