Berufsakademien (BA) – Entwicklung und Ziele
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Berufsakademien (BA) – Entwicklung und Ziele

Bild: Foto: Theodor Paul, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Stuttgarter Wiege der Berufsakademie

Die Stuttgarter Wiege der Berufsakademie

Die Idee, akademische Bildung und eine praxisnahe Ausbildung in einem verkürzten Studium zusammenzufassen, wurde 1972 mit dem "Stuttgarter Modell" geboren. Die Unternehmen Bosch, DaimlerChrysler und SEL entwickelten damals in enger Zusammenarbeit mit der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie (VWA) und der IHK Stuttgart eine Hochschulalternative für Abiturienten. Im Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft und sozialen Einrichtungen sollten praxisnahe, dreijährige Studiengänge in den Fachrichtungen Wirtschaft, Technik und Sozialwesen entstehen.

Hintergrund dieser Entwicklung war der Bedarf der Wirtschaft an wissenschaftlich geschulten und gleichzeitig praxisorientierten Nachwuchskräften für Führungspositionen. Viele Abiturienten tendierten auch dazu, vor Studienbeginn eine Berufsausbildung zu absolvieren oder wollten zumindest Ausbildung und Studium intensiv miteinander verbinden. Zwei weitere Umstände förderten die Entwicklung von Berufsakademien:

  • Über viele Jahre arbeiteten Firmen und Staat bei der traditionellen dualen Ausbildung zusammen. Die Ergebnisse waren positiv: Die Auszubildenden erreichten ein höheres Wissensniveau - eine Voraussetzung für sichere Jobs. Hier gibt es im Vergleich zu anderen Industriestaaten einen niedrigeren Stand der Arbeitslosigkeit.
  • Die Fachhochschulen versuchten bereits, die Defizite einer rein theoretischen Wissensvermittlung durch Praktika auszugleichen.

Das Modell Baden-Württemberg und seine Nachahmer

Das Stuttgarter Modellprojekt verlief so erfolgreich, dass das Land Baden-Württemberg 1974 seine erste Staatliche Berufsakademie gründete. Zunächst starteten160 Studenten und 60 Firmen. Die Gründung der Berufsakademien stieß anfangs auf heftigen Widerstand. "Als 'Schmalspurstudium' oder 'Kaderschmiede der Wirtschaft' bügelten die Gegner das Modell ab," erinnert sich Hans-Joachim Wenner vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium. Dennoch konnte sich das baden-württembergische Modell durchsetzen. Seit 1982 ist die Berufsakademie im deutschen Bildungswesen gesetzlich verankert. Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz fallen die BA-Abschlüsse unter die Hochschuldiplomrichtlinien vom 21.12.1988 und sind damit europaweit anerkannt. Nach der Wende folgten die Länder Berlin (1993), Sachsen (1991) und Thüringen (1998) dem Vorbild Baden-Württembergs und richteten eigene Staatliche Akademien ein. Bis heute hat sich das Stuttgarter Modell zu einem System von 17 Staatlichen Berufsakademien mit rund 25.000 Studierenden und 8.000 Ausbildungspartnern in der Wirtschaft entwickelt. Ende der neunziger Jahre stellte das Land Baden-Württemberg seine Berufsakademie-Abschlüsse den Diplom-Abschlüssen von Fachhochschulstudiengängen gleich.

Andere Bundesländer ziehen mit eigenen Modellen nach

Einige der übrigen Bundesländer zogen nach und richteten ähnliche Ausbildungsstätten ein. Sie übernahmen allerdings nicht das Modell des Ursprungs-"Ländles". So sind die Berufsakademien in Niedersachsen und im Saarland zwar staatlich anerkannt, haben jedoch einen privaten Träger. Die Studierenden bekommen kein Diplom verliehen, sondern den Titel Betriebswirt (BA), Wirtschaftsinformatiker (BA) oder Ingenieur (BA). Dieser ist dem FH-Abschluss nicht gleichgestellt. In den Städten Bremen und Hamburg sowie in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gibt es die so genannten Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien. Hier können Studierende eine kaufmännische Ausbildung mit dem Titel Betriebswirt an der Wirtschaftsakademie kombinieren. Einen anerkannten Abschluss mit FH-Rang bietet diese private Einrichtung jedoch nicht. Ebenfalls privat organisiert ist die Wirtschaftsakademie Schleswig-Holsteins. Hier können Studierende nach drei Jahren Studium ein Diplom erwerben, das dem Fachhochschul-Abschluss gleichgestellt ist. Die übrigen Bundesländer haben derzeit noch keine Berufsakademien.

Studium im Wechsel von Theorie und Praxis

Für alle Berufsakademien gilt: Zwei Partner übernehmen die Aufgabe, die Studierenden für den Beruf zu qualifizieren - ein Ausbildungsunternehmen als "Lernort für die Praxis" und die staatliche Studienakademie des jeweiligen Landes als "Lernort der Theorie". Damit haben Wirtschaft und Bildungswesen einen zusätzlichen Weg der Zusammenarbeit gefunden: Firmen teilen sich mit Hochschullehrern die Verantwortung für Planung, Verwaltung und Kontrolle einer praxisbezogenen Studieneinrichtung. In den Fachausschüssen der Berufsakademien sind Wissenschaftler und Praktiker gleichermaßen vertreten. In Baden-Württemberg werden ca. 40 Prozent der Studieninhalte von hauptamtlichem Personal gelehrt. Etwa 60 Prozent der Dozenten sind Praktiker aus den Ausbildungsbetrieben oder Nebenberufler von Hochschulen. Das Studium an den Berufsakademien ist eine förderfähige Ausbildung im Sinne des BAföG. Auch der Bachelor-Abschluss kann inzwischen von den Berufsakademien verliehen werden.

Viele Vorteile für die Studierenden

Neben dem hohen Praxisbezug bietet das duale Studium an der Berufsakademie auch noch weitere Vorteile:

Finanzielle Sicherheit durch Ausbildungsvergütung

Die Studierenden erhalten von den Unternehmen während der gesamten drei Jahre eine Ausbildungsvergütung. Diese entspricht den Tarifregelungen der jeweiligen Branche und ist sozialversicherungspflichtig. Die Studierenden erhalten die Ausbildungsvergütung auch während der Studienphasen und bestreiten damit ihre persönlichen Studienkosten.

Vielfältige Ausbildungsstätten

Je nach Studienrichtung eignen sich all diejenigen Unternehmen als Ausbildungspartner, die die bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Betriebsgröße, Fachabteilungen und Qualifikation der Betreuer. Fachleiter der Akademien informieren die Ausbildungsstätte über die personellen und sachlichen Voraussetzungen sowie über die inhaltlichen Anforderungen und die organisatorischen Abläufe der Ausbildung. Sie stellen auch die Eignung der Ausbildungsstätte fest, die abschließend nach § 5 BAG vom Koordinierungsausschuss der BA bestätigt wird.

Lernen in Kleingruppen

Das Studium an den Berufsakademien vollzieht sich in effektiven und überschaubaren Gruppen. Massenbetrieb und Anonymität sind dort unbekannt. Die straffe Lehrorganisation und der direkte Kontakt zu den Dozenten sorgen für einen hohen Lernerfolg.

Praxis- und Studienaufenthalt im Ausland möglich

Angesichts der Internationalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und der Globalisierung der Märkte erhalten Qualifikationen wie Auslandserfahrung, Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenz einen immer größeren Stellenwert. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, pflegen die Berufsakademien Kontakte zu zahlreichen Hochschulen im Ausland. Dieses Netzwerk internationaler Beziehungen bietet Studierenden die Möglichkeit, einen Teil ihres Studiums bzw. ihrer Praxisphasen im Ausland zu verbringen. Umgekehrt kommen Studierende und Professoren der Partnerhochschulen auch nach Deutschland und bereichern das Studien- und Arbeitsklima durch internationale Impulse.

Sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Die Verzahnung von Theorie und Praxis ermöglicht den Absolventen einen übergangslosen Einstieg in den Beruf. Die meisten Absolventen werden vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Tarifrechtlich werden BA-Absolventen wie Fachhochschulabsolventen behandelt. Eine entsprechende Empfehlung gibt ein Rundschreiben des Bundesinnenministeriums im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Finanzen. Mit dem Angebot werden motivierte Abiturienten erreicht, die sich ansonsten für ein Studium an einer Hochschule entschieden hätten.

Vorteile für Unternehmen

Unternehmen, die sich als Partner der Berufsakademien zur Verfügung stellen, sind eng in die berufliche Ausbildung der Studierenden eingebunden. Daraus ergeben sich auch für sie eine Reihe von Vorteilen:

Bedarfsgerechte Qualifizierung des Nachwuchses

So praxisorientiert wie möglich, so theoretisch wie nötig - diese Devise der Berufsakademien sichert eine hohe Integration von Praxisinhalten aus den jeweiligen Betrieben in die Ausbildung selbst. Die Studienpläne sind auf die betrieblichen Anforderungen abgestimmt und bleiben durch den Einsatz nebenberuflicher Dozenten aus der betrieblichen Praxis gewahrt.

Langfristige Personalplanung

Damit einher geht die Möglichkeit einer langfristigen Personalplanung der Unternehmen - oft über Monate und Jahre hinweg. Gerade für mittelständische Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, hochqualifizierte Fachkräfte zu bekommen, ist diese Planungssicherheit von Vorteil. Die Absolventen stehen dem Betrieb in der Regel auch nach der Ausbildung zur Verfügung, da eine enge Bindung an das Unternehmen besteht.

Einarbeitungszeit entfällt

Da die Studierenden das Unternehmen während der Ausbildung schon kennengelernt haben, ist eine rasche problemlose Integration in das Tagesgeschäft nach Abschluss des Studiums möglich. Die Abläufe sind aus den betrieblichen Praxisphasen bekannt, der vielzitierte Praxisschock entfällt. Eine lange Einarbeitungszeit ist ein Fremdwort.

Wirtschaftlichkeit

Betriebe, die Personalsuche und Einarbeitungsaufwand versus Ausbildungskosten, Leistung während der Ausbildung und Einarbeitungsaufwand bilanziert haben, konnten die Wirtschaftlichkeit der BA-Ausbildung für sich nachweisen.

Training in Soft Skills

Während der Praxissemester sind die Studierenden schon mit den Anforderungen an Sozialkompletenz, Teamfähigkeit und Kommunikationskompetenz vertraut. In der theoretischen Ausbildung wird zudem eine Reihe von Soft-Skills wie Rhetorik, Arbeitstechniken, Kommunikation, Präsentation, Wirtschaftsenglisch usw. vermittelt.

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