Berufswünsche: Was Kinder später werden wollen
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Berufswünsche: Was Kinder später werden wollen

Bild: Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Feuerwehrmann, Tierärztin oder doch lieber Popstar? Was wollen Grundschulkinder später einmal werden? Eine neue Studie enthüllt: Nach wie vor nennen Mädchen oft Berufe im medizinischen Bereich, Jungs wollen dagegen etwas mit viel Action oder Autos. Die Geschlechterrollen scheinen festzementiert wie eh und je. Aber warum? Und was können Eltern dagegen tun?

"Was willst Du später einmal werden?" - diese Frage hat Iris Baumgardt von der Universität Siegen im letzten Jahr mehr als 400 Dritt- und Viertklässlern gestellt. Die Kinder sollten dazu einen Aufsatz schreiben, zusätzlich führte die Erziehungswissenschaftlerin mit einigen von ihnen Interviews. Ihr Ziel: Sie wollte herausfinden, welche Berufswünsche Kinder heute haben – und wie sich diese von denen früherer Generationen unterscheiden.

Feuerwehrmann und Kinderkrankenschwester

"Das Ergebnis hat mich selbst überrascht", sagt Baumgardt. Denn unter den beliebtesten Berufen waren erstaunliche viele Klassiker: Bei den Jungs lagen Polizist, Pilot, Fußballer, Feuerwehrmann und Rennfahrer unter den ersten fünf, bei den Mädchen Tierärztin oder Ärztin, Kinderkrankenschwester, Lehrerin, Model und Tierpflegerin. Mehr als die Hälfte der Kinder konzentrierte sich bei ihren Wünschen auf nur zwölf Berufe. Deutlich seltener dagegen, aber immerhin auch genannt, wurden originelle Berufe wie Baumschulgärtnerin, UNICEF-Botschafterin oder Flughafenbesitzer.

Auffallend aber: Kein einziger Junge nannte einen Pflegeberuf, kein einziges Mädchen einen Beruf auf dem Bau als Wunschziel. "Die Berufs- und Arbeitswelt scheint bereits für Grundschulkinder eine ideale Bühne zu sein, um sich als Junge oder Mädchen zu beschreiben", sagt Baumgardt. Die Ergebnisse zeigen, dass meisten Berufe in den Augen der Kinder entweder männlich oder weiblich zugeordnet sind. Als Folge blenden Mädchen und Jungen ganze Berufsbereiche für sich schlicht aus.

Selbstbewusster, aber dennoch rollenkonform

Immerhin eine Veränderung gibt es gegenüber früher: Mädchen sind selbstbewusster geworden. "Mädchen wollen heute höher hinaus", sagt Baumgardt. "Heute träumen die Mädchen nicht mehr so oft wie früher von den schulischen Ausbildungsberufen, die in der Regel schlecht bezahlt, anstrengend und mit wenig Aufstiegsmöglichkeiten verbunden sind: Immer mehr Mädchen möchten Lehrerin statt Erzieherin, Ärztin statt Krankenschwester werden."

Prinzipiell ist es ja nicht unbedingt schlimm, wenn ein Mädchen unbedingt Tierärztin werden will. Schließlich muss nicht jeder Jungen ein Erzieher und jedes Mädchen eine KfZ-Mechatronikerin werden. Bedenklich aber sei es, wenn Kinder auf manche Berufe von vornherein gar nicht erst kommen – wie sie vermeintlich nicht für ihr Geschlecht geeignet sind. "Es geht darum, zu vermeiden, dass Mädchen und Jungen ganze Berufsgruppen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit ausblenden", betont Baumgardt.

Es fehlt an Vorbildern

Aber warum? Woher kommen diese Stereotype? "Kinder können sich vor allem das vorstellen, was sie aus ihrem Leben kennen", erklärt Baumgardt. Und die Realität ist eben keineswegs frei von Stereotypen und klassischer Rollenverteilung – trotz Gender-Mainstreaming und Gleichberechtigung. Schließlich gibt es noch immer weitaus mehr Krankenschwestern als Pfleger und mehr männliche Polizisten oder Feuerwehrmänner als weibliche.

In einem der Interviews, die Baumgardt mit den Grundschulkindern führte, berichtete ihr ein Mädchen, dass sie Kickboxerin werden möchte. "Sie kannte aber keine weibliche Kickboxerin", berichtet die Forscherin. "Deshalb sagte sie zu mir: ‚Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt Kickboxerin werden darf.‘"

Was können Eltern und Lehrkräfte tun?

Was aber kann man dagegen tun? Hier sind nach Meinung der Erziehungswissenschaftlerin sowohl Lehrkräfte als auch Eltern gefragt. Lehrerinnen und Lehrer könnten den Kindern beispielsweise Vorbilder vor Augen führen. Sie könnten eine weibliche KFZ-Mechatronikerin oder einen männlichen Erzieher in den Unterricht einladen, die den Kindern von ihrer Arbeit berichten. Das kann dabei helfen, die inneren Denkräume der Kinder auszuweiten.

Eltern können ebenfalls dazu beitragen. Sie können sich beispielsweise bei Tagen der offenen Tür oder in der Kinder-Uni mit ihren Kindern verschiedene Berufe und Arbeitsorte ansehen. Oder sie erzählen selbst von ihrer Arbeit und machen den Kindern die Berufe aus ihrem Alltag deutlich. Spätestens als Teenager könnten die beruflichen Vorstellungen dann durch Betriebspraktika angereichert und ausdifferenziert werden.

Kinder ruhig beim Träumen unterstützen

"Es geht aber nicht darum, Kinder möglichst früh fit für die Leistungsgesellschaft zu machen beziehungsweise sie zu desillusionieren", betont Baumgardt. Vielmehr sollten Eltern ihren Kindern ruhig Raum zum Träumen und Ausprobieren geben. Denn den eigenen Lebensentwurf phantasievoll auszugestalten, ist für Kinder ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung. Sowohl die Eltern als auch die Lehrer sollten sie behutsam dabei begleiten.

"Wenn Ihr Sohn zu Ihnen kommt und sagt ‚Mama, ich möchte Fußballstar werden‘ – dann sind Sie gut beraten, diesen Wunsch ernst zu nehmen" erklärt die Erziehungswissenschaftlerin. "Sie können sich mit Ihrem Sohn darüber unterhalten, wie er sich das Leben als Fußballstar ausmalt, was ihm daran gut gefällt und was nicht und wie er sich den Weg zu seinem Traumberuf vorstellt." Wird das Kind älter, ändern sich die Vorstellungen und Wünsche, aber auch dann ist es sinnvoll, wenn Eltern auf es eingehen und sich mit ihm austauschen.

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