Wer kennt es nicht? Den Stress in der Prüfungsphase. Er macht es einem schwer nach längeren Lernetappen vernünftig zu entspannen. Die Tage in der Bibliothek werden immer länger und die Nächte kürzer. Gegen diesen Stress gibt es scheinbar ein Hilfsmittel: binaurale Beats. Und auch beim Lernen und Konzentrieren sollen diese Sounds helfen. Aber wie funktioniert das - und was bringt es?
Kopfhörer auf und los geht's
Damit die gewünschte Wirkung eintreten kann, muss ich zu allererst Stereo-Kopfhörer nutzen. Über Boxen passiert leider nichts. Das liegt daran, dass die binauralen Beats aus zwei unterschiedlichen Frequenzen bestehen, welche man jeweils nur über das rechte oder linke Ohr wahrnehmen soll. Läuft die Musik über Boxen, bekomme ich von diesen Unterschieden nichts mehr mit.
Weiterhin ist es wichtig, dass der Sound möglichst wenig komprimiert ist. Meist werden diese speziellen Tracks daher im Audioformat WAV angeboten oder in MP3-Dateien, die mit einem speziellen Verfahren komprimiert wurden. Denn sonst kann das dazu führen, dass wichtige Teile der Beats entfernt werden.
Was sind binaurale Beats?
Die binauralen Beats sind Töne, die im Gehirn des Menschen entstehen, wenn zwei leicht unterschiedliche Frequenzen gleichzeitig abgespielt werden. Vergleichbar ist dies mit den "Schwebungen" oder dem "Reiben", das man hört, wenn zwei nicht einheitlich gestimmte Instrumente versuchen, den gleichen Ton zu spielen. Der Ton klingt dann nicht sauber, sondern rau und leicht pulsierend.
Dieser Effekt tritt allerdings nur auf, wenn der Frequenzunterschied unter 30 Hertz liegt. Weichen die Frequenzen stärker ab, klingt das für den Hörer einfach nur „schief“. Die Musik für die binauralen Beats klingt allerdings ohnehin eher dürftig. Schließlich bestehen sie lediglich aus Sinustönen, welche eher einem durchgängigen Piepen ähneln. Um die Beats für die Hörer angenehmer zu machen, unterlegen die Produzenten ihre Stücke mit Naturgeräuschen oder harmonischen Kompositionen.
Was passiert dabei im Gehirn?
Sobald die unterschiedlichen Tonfrequenzen das Gehirn erreichen, werden sie vom Hörzentrum im Stammhirn verarbeitet. Erst hier entsteht der Höreindruck des "schwebenden Tons". Das Entscheidende für die gewünschte Wirkung der binauralen Beats passiert jetzt: Man nimmt an, dass dieser im Gehirn produzierte Ton unsere Hirnströme beeinflussen kann.
Je nach Frequenzbereich der Beats wirken sie sich dabei unterschiedlich aus. Die niedrigen Frequenzen zwischen 0,1 und 13 Hertz regen Zustände an, die denen in der Schlafphase ähneln und für Entspannung sorgen. Sie manifestieren sich im Gehirn in Form von Delta-, Theta- und Alpha-Wellen. Man geht davon aus, dass binaurale Beats, die den Frequenzen dieser Hirnströme ähnlich sind, die Aktivität unseres Gehirns in Richtung dieser Zustände bringen.
Haben die binauralen Beats eine Frequenz oberhalb von 13 Hertz, sollen sie die Entstehung von Betawellen im Gehirn fördern. Diese kennzeichnen einen Zustand der erhöhten Aufmerksamkeit und Problemlösungsfähigkeit. Sobald die 30 Hertz erreicht werden, spricht man von Gamma-Wellen. Diese zeigen sich in unserm Gehirn, wenn wir uns stark konzentrieren, intensiv lernen oder aber bei bestimmten Meditationsformen.
Placebo oder nicht?
Soweit zur Theorie. Seit ihrer Entdeckung durch den Physiker Heinrich Wilhelm Dove 1839 ist die Wirkung der binauralen Beats unter Wissenschaftlern umstritten. Während die Erfahrungsberichte überwiegend vielversprechend klingen, sind die Studienergebnisse dagegen etwas ernüchternder. Bisher hat noch keine Untersuchung bewiesen, dass die binauralen Beats einen Effekt auslösen, der stark genug ist, um zu einer der gewünschten Reaktionen zu führen.
Dass die Erfahrungsberichte im Gegensatz zu den Studien überwiegend positiv ausfallen, liegt wohl daran, dass Musik im Allgemeinen eine gewisse Wirkung auf uns hat. Der richtige Song kann uns dabei helfen, beim Sport motivierter zu sein oder auch auf der Heimreise zu entspannen.
Wer sollte es besser nicht ausprobieren?
Doch bevor man jetzt zum Kopfhörer greift, um die Beats auszutesten, sollte man noch ein paar Dinge im Auge behalten: Bei Hirnerkrankungen wie Epilepsie sollte man auf die binauralen Beats verzichten. Dasselbe gilt für Schlaganfall-Patienten, da die Beats die Hirnströme beeinflussen und dementsprechend Auswirkungen auf Vorerkrankte haben können.
Ein Hörbeispiel von MyAstralDream's channel auf youtube.




