Blind durch den Tag
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Blind durch den Tag

Bild: Foto: Theodor Paul, Public domain, via Wikimedia Commons

Aber wie geht das alles? Job, von A nach B kommen und den Tücken des täglichen Lebens begegnen, ohne sehen zu können?

Aber wie geht das alles? Job, von A nach B kommen und den Tücken des täglichen Lebens begegnen, ohne sehen zu können?

Tasten, hören, riechen

Rabe ist gelernter Datenverarbeitungskaufmann und arbeitet als Telefonist bei einem großen Energieversorger. Der Umgang mit dem Telefon stellt inzwischen für kaum einen Blinden mehr ein Problem dar, die Position der Tasten ist weithin bekannt. Handys sind darüber hinaus mit einer Sprachfunktion für die Eingabe von SMS ausgestattet. Und auch das Lesen und Schreiben am PC ist mit der so genannten Braillezeile möglich geworden. Diese, benannt nach dem Erfinder der Blindenschrift, Louis Braille, stellt Inhalte in derselben dar. Manchmal muss Rabe auch etwas einscannen oder faxen. Hierbei hilft ihm ein Lichtdetektor, damit er die Seiten richtig herum einlegt. Eine Einweisung brauchte er natürlich auch, aber die braucht wohl jeder, wenn vielleicht auch nicht ganz so detailliert.

„Was die Navigation von einem Ort zum anderen betrifft, so ist heute im Zeitalter von Internet und elektronischer Kommunikation sicherlich vieles einfacher als vor fünfzehn, zwanzig Jahren“, sagt Rabe. „Wo ich damals noch auf fremde Hilfe angewiesen war, komme ich jetzt weitestgehend ohne aus. Um eine bestimmte Adresse zu finden, gibt es die Textbeschreibungen von Google Maps. Die kann man mittels eines Bildschirmausleseprogramms in Blindenschrift umwandeln und ausdrucken oder akustisch als MP3-Datei darstellen lassen. Eine weitere Möglichkeit sind Navigationsgeräte für Blinde. Unterwegs ist natürlich der Blindenstock mein ständiger Begleiter, mit ihm zähle ich Querstraßen aus und taste Eingänge ab. Große Geschäfte, Supermärkte oder Banken lassen sich auch heraushören, Bäcker oder Apotheken herausriechen. Zudem habe ich in einem Mobilitätstraining gelernt, mich im Verkehr zurechtzufinden.“

Dunkelrot? Richtig, wie verhält es sich eigentlich mit …

Farben und Mode

Anders als Menschen mit Amaurose, der vollständigen Blindheit ohne jegliche optische Reizverarbeitung, kann André Rabe hell und dunkel unterscheiden. Damit hat er zumindest eine Ahnung von Schwarz, Weiß und Gelb. Das sei ein bisschen wärmer als weiß. Blau, Grün und Braun verbindet er mit seinen Vorstellungen von Himmel, Blättern und Baumstämmen. Dass er Farbnuancen nicht auseinanderhalten kann, stört ihn wenig. „Schließlich gibt es auch Sehende, die sich darüber uneinig sind. Anthrazit ist so ein Fall. Sagt mir jemand, dass sei ein Graublauton, dann nehme ich das mal so hin und lächle darüber.“

Um Farben zu bestimmen, benutzt Rabe übrigens ein Farberkennungsgerät mit Sprachfunktion. „Das kann ganz nützlich beim Kauf von Kleidung sein. Weiß ich doch, welche Farben mir stehen, daran halte ich mich. Meistens aber begleitet mich meine Mutter. Ihrem Urteil, ob die Hose oder Jacke richtig sitzt, kann ich trauen. Bei Verkäufern bin ich mir da nicht so sicher. Generell finde ich übrigens, dass Mode völlig überbewertet wird.“

Mit Eindrücken arbeiten

Wie träumt eigentlich jemand, der noch nie mit den Augen gesehen hat? Fakt ist, alle Menschen träumen. Und jeder Traum bedient sich dessen, was die Sinne bieten. So schreibt der geburtsblinde Österreicher Egon Fast auf der Internetseite anderssehen.at: „Die Szenen spielen sich fast so wie in meinem wirklichen Leben ab. Ich kann Dinge und Menschen berühren, Stimmen hören, mich unterhalten und den Duft von Blumen riechen …“ Manchmal kann Fast auch mehr, zum Beispiel Motorradfahren. Dann fühlt er sich total frei, nur wundert er sich darüber, dass er nirgends anstößt.

Für André Rabe verhält es sich beim Träumen wie mit den Vorstellungen, sie sind abstrakt. Wenn er sich zum Beispiel durch einen Raum bewegt, erschließt sich ihm seine Größe durch die akustischen Eindrücke.

Akustische Eindrücke sind es auch, die in Filmen die Bilder ersetzen. Ein Hilfsmittel hierbei ist die so genannte Audiodeskription, gesprochener Text, der in Dialogpausen auf einer gesonderten Spur oder einem Extrakanal nicht zu ermittelnde Details beschreibt. „Leider ist das Angebot im Kino noch ziemlich dürftig“, klagt Rabe. „Aber was ein geübter Filmehörer ist, der kann zur Not auch ohne auskommen. Und, wie gesagt, ins Kino gehe ich sowieso selten allein.“

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