Ein junger Erfinder aus Berlin
Geboren wurde Konrad Zuse am 22. Juni 1910 in Berlin und wuchs im ostpreußischen Braunsberg und Hoyerswerda auf. Sein Vater war Postbeamter. Als Kind soll er eine ausgeprägte Doppelbegabung gezeigt haben: sowohl für Kunst als auch für Technik. Nach dem Abitur entschied er sich dann für seine technische Seite: Er studierte zunächst Maschinenbau, wechselte dann aber zur Architektur und machte am Ende sein Diplom als Bauingenieur. Danach arbeitete er als Statiker bei den Henschel-Flugzeug-Werken in Berlin. Und zu Hause begann er, Rechenmaschinen zu entwickeln. Über seinen Erfinderdrang hat er einmal gesagt: „Ich bin zu faul zum Rechnen!“ Die monotonen Berechnungen für Flugstatik müssen ihn unendlich gelangweilt haben. Denn bereits während seines Studiums hatte er an ersten Rechenmaschinen gearbeitet. 1937 stellte er mit der „Z1“ einen mechanischen Rechner fertig, der Befehle von Lochstreifen ablesen konnte und mit binären Zahlen arbeitete. Die mechanischen Schaltglieder verhakten sich allerdings noch oft. Und so machte sich Zuse bald an eine Weiterentwicklung.
Der erste Computer der Welt
Für den Nachfolger seiner ersten Rechenmaschine, die „Z2“, in die er zweihundert Telefonrelais integrierte. Doch Zuses Geniestreich sollte Anfang der 1940er Jahre folgen: die „Z3“. Diese Maschine, die Zuse in seiner Berliner Privatwohnung aufgebaut hatte, gilt als erster programmierbarer Computer. Allerdings hat sie wenig Ähnlichkeiten mit heutigen Modellen. Sie war fünf Meter lang, zwei Meter hoch und 80 Zentimeter breit. Der Rechner wog 1000 kg. Allerdings existiert von der originalen Z3 aus dem Jahr 1941 nur noch eine Zeichnung. Denn die Maschine selbst und auch Fotos wurden bei einem Bombenangriff Ende 1943 zerstört. Aber ein Nachbau dieses ersten Computers steht im Deutschen Museum in München.
Geschwindigkeit: 5 Hertz
Zuses Z3 hatte im Kleinen vieles von den Bestandteilen heutiger Computer: Sie war vollautomatisch, wurde durch ein Programm gesteuert, war frei programmierbar und arbeitete mit binären Zahlen. Es gab ein Rechenwerk mit 600 elektrischen Relais im Rechenwerk und 1600 im Speicher. Dessen Kapazität: 64 Worte zu je 22 Bit. Außerdem besaß die Z3 eine Ein- und Ausgabeeinheit: einen Lochkartenleser der mit handgestanztem, etwa 35 mm breiten Film gefüttert wurde.
Der Taktgeber war 5.44 Hertz schnell. Zum Vergleich: Ein Kilohertz sind tausend Schwingungen bzw. Vorgänge pro Sekunde und ein Gigahertz eine Milliarde Schwingungen bzw. Vorgänge pro Sekunde. Heutige Rechner mit Prozessoren von 2 oder 2,5 Gigahertz sind also mehrere Millionen Mal schneller.
Die erste Programmiersprache
Nachdem Zuse in den letzten Kriegsjahren am Nachfolgemodell „Z4“ gearbeitet hatte, entwickelte er nach dem Zweiten Weltkrieg die erste höhere algorithmische Programmiersprache der Welt. Ihr Name: Plankalkül. 1949 gründete er im hessischen Neukirchen die Konrad Zuse KG. 1950 konnte Zuse die „Z4“, die Nachfolgerin der Z3, nach Zürich vermieten und 1955 an ein Rüstungsunternehmen verkaufen. Wenig später entstand die Z22 . Sie war der erste Röhrencomputer Deutschlands mit Magnetspeicher. Bis 1967 sollte die Zuse KG noch 251 Computer bauen. Doch ein kommerzieller Erfolg blieb ihm verwehrt.. Das lag auch daran, dass er 26 Jahre um die Urheberrechte stritt. 1967 entschied ein Gericht: Eine "patentwürdige Erfindung liegt nicht vor". Bereits drei Jahre zuvor war er als aktiver Teilhaber bei der Zuse KG ausgeschieden.
Der wiederentdeckte Pionier
Obwohl Zuse Großartiges geleistet hatte, war sein Name jahrzehntelang so gut wie vergessen. Nicht unter Fachleuten allerdings, von denen viele noch mit einer seiner Maschinen gearbeitet hatten. Heute ist Zuses Rang unbestritten, und seine Geräte werden nach und nach für Sammlungen und Museen zusammengetragen. Manche funktionieren immer noch. Zuse – der 1945 geheiratet hatte und fünffacher Vater wurde – erhielt nicht weniger als acht Ehrendoktortitel und zwei Ehrenprofessuren; noch vor seinem Tod im Jahr 1995 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband zuerkannt. Im Alter erinnerte sich Zuse wieder zunehmend seiner künstlerischen Neigungen; er malte viel und stellte Linolschnitte her. Noch mit über achtzig Jahren rekonstruierte er seine Z1 aus dem Gedächtnis heraus. Letztlich hat ihn der Computer nie losgelassen.



