Reges Frage- und Antwortspiel
Das Prinzip war und ist so einfach wie genial: “Nur durch Sprechen lernt man sprechen.” Wie viele neue Erfindungen verdankt sich die neuartige Lernmethode einem Zufall: Eines Tages musste der unpässliche Maximilian Berlitz von einem jungen Franzosen namens Joly vertreten werden. Da dieser kein Englisch verstand, wies Berlitz ihn an, die Schüler durch das Verknüpfen von Begriffen und anschaulichen Gegenständen ins Französische einzuführen. Der Ersatz-Lehrer zeigte also auf verschiedene Objekte, benannte sie auf Französisch und ließ die Schüler nachsprechen. Verben wurden, so gut es ging, spielerisch dargestellt, neue Wörter in Kontexte eingebunden, neue Begriffe mit schon Bekanntem verbunden. Daraus entwickelte sich ein reges Frage- und Antwortspiel. Die Schüler waren begeistert.
Eine Anekdote, die beeindruckt. Schließlich wurde mit dieser Notlösung eine komplett neue Unterrichtsmethode gefunden. Berlitz machte Schluss mit den traditionellen Lernmethoden wie Vokabeln pauken, Grammatik auswendig lernen und Texte übersetzen. Das Berlitz’sche Sprachtraining wurde von ihm und seinen Nachfolgern erweitert, verfeinert, modernisiert und aktuellen pädagogischen und psychologischen Erkenntnissen geöffnet. Heute haben auch die neuen Medien Einzug in den Unterricht gehalten: Videosequenzen, Computerprogramme, Online-Kurse im Internet und Unterricht über Bildtelefon dürfen mittlerweile in keiner Schule mehr fehlen.
Unterricht nur in der Zielsprache
Die Prinzipien sind bis heute dieselben geblieben: Der Unterricht erfolgt ausschließlich in der Zielsprache, der Schwerpunkt liegt auf dem gesprochenen Wort. Die Schüler lesen und schreiben nur das, was sie bereits gesagt und verstanden haben. Auch die Grammatik wird auf natürliche Weise durch deren Gebrauch gelernt. Die Kursteilnehmer sollen die Fähigkeit entwickeln, in der neuen Sprache zu denken und sie nicht zu übersetzen. Sie sollen neue fremdsprachliche Begriffe mit Objekten und Ideen assoziieren, nicht mit Wörtern aus ihrer Muttersprache. Die Lehrer ermutigen ihre Schüler, auf Fragen nur in der Zielsprache zu antworten, um auf diese Weise ein umfangreiches Vokabular aufzubauen.
Konversation und Imitation sind also die Grundpfeiler der Berlitz-Methode. Die Fremdsprache soll wie einst die Muttersprache erlernt werden. Das ist die Idee. Und bis heute gilt: Berlitz-Lehrer sind ausschließlich Muttersprachler. So hat auch der Schriftsteller James Joyce seine Aufenthalte in Paris und Zürich als Englisch-Lehrer bei Berlitz finanziert. Und der junge Politiker Lew D. Trotzki soll im Ausland Russisch gelehrt haben.
Intensivprogramm: Völliges Eintauchen
Berlitz passte seine Lernmethode ständig den gewandelten Kundenbedürfnissen an. Ausgerichtet war der Unterricht zunächst auf die Bedürfnisse von Reisenden und Privatpersonen, später von Firmenmitarbeitern, die auf Auslandsaufenthalte vorbereitet wurden. Dafür wurden dann auch Methoden für Privat- und Kleingruppen entwickelt sowie das Intensivtraining “Total Immersion” (“Völliges Eintauchen”). Bei dem zwischen zwei und sechs Wochen dauernden Programm beschäftigt sich der Schüler, der etwa unmittelbar vor einem Auslandseinsatz steht, bis zu zwölf Stunden täglich mit der neuen Sprache.
Heute gibt es weltweit über 450 Berlitz-Sprachcenter, davon 126 in Europa, 70 in Nordamerika und 50 in Asien. Gelehrt wird dort auch weiterhin nach dem Latein-Motto des Firmengründers: Loqui loquendo discitur – nur durch Sprechen lernt man sprechen!



