Es ist skurril, aber in den Vereinigten Staaten ganz normal: Jedes Jahr am 14. März steigt irgendeine Pi-Party, bei der Mathematiker, Nerds und Normalos im Kreis laufen und Zahlenkuchen essen. Das englische Wort Pie für den kreisrunden Kuchen unterstreicht dabei die Komik dieses Tages: Manche begehen den 14. März oft auch runden Kuchen schlemmend. Pi-Fans ehren so die Zahl Pi, die bislang noch niemand vollständig ergründen konnte.
Die mathematische Konstante beschreibt das Verhältnis des Kreisumfangs zum Durchmesser des Kreises. Die Zahl Pi ist irrational, kann also nicht als Bruch dargestellt werden. Und sie hat unendlich viele Nachkommastellen. Archimedes hat sie mit 3,14 angegeben. Exakt berechnet hat sie erst der französische Mathematiker Francois Viète im 16. Jahrhundert. Dass Pi irrational und transzendent ist, haben 1766 Johann Heinrich Lambert und 1882 Ferdinand von Lindemann nachgewiesen. Heute fragen sich Mathematiker, ob Pi überhaupt konstant und normal ist. Normal meint, dass die Zahlen von Pi gleichförmig und zufällig zwischen 0 und 1 liegen müssten. Manche Pi-Freunde gehen sogar einen Schritt weiter und fragen, ob Pi ästhethisch sei.
Pi ist unendlich: 3,1415926535897932383...
Der 14. März als Ehrentag für die Zahl Pi ist übrigens mit Bedacht gewählt. Der amerikanische Kongress erklärte ihn im März 2009 mit 391 zu zehn Stimmen zum offiziellen Pi-Tag: Nach der amerikanischen Schreibweise wird im Datum zuerst der Monat genannt, dann der Tag: 3/14. Das sind die ersten drei Zahlen der Zahl Pi: 3,14. Die drei darauffolgenden Zahlen bestimmen die Uhrzeit für die Zeremonie; einen Kniefall, eine Verbeugung oder eine Prozession zum Beispiel. In San Francisco huldigen Pi-Verehrer der Kreiszahl, indem sie 3,14 Mal um einen Pi-Schrein laufen und dabei Zahlenkuchen essen, der rund sein muss und meist mit Dezimalstellen der Zahl Pi dekoriert ist. Ein gewisse Laryy Shaw gilt als Begründer der Tradition. Auf seine Initiative hin fand 1988 der erste Pi-Day am Exploratorium in San Francisco statt.
Der Pie-Day
Wenn man schon kein Mathe-Freak ist: Das mit dem Kuchen gefällt den meisten Amerikanern. Weil das englische Wort für Kuchen "pie" heißt, also dem "Pi" ähnelt, machen sie aus dem Pi-Tag gern auch mal einen Pie-Day. An Schulen, (Elite-)Unis, dem Massachussetts Institute of Technology oder privat geben sich die Bürger gern einem Wettschmaus hin. Gemampft wird Brombeer-, Erdbeer-, Apfel- oder sonstiger Pie, Hauptsache rund und süß. Wenn's intellektuell anspruchsvoller sein soll, sagen sie aus dem Kopf Dezimalstellen von Pi auf. Das kann schonmal Stunden dauern - Pi-zza-Pause inklusive.
Der Pi-Kult
Die Pi-Verehrung nimmt teilweise religiöse Ausmaße an. Es gibt beispielsweise eine Pibel, die Heilige Schrift, mit der Pi-Gläubige die "schönste Zahl auf Erden" feiern. Was man auf der entsprechenden Internetseite sieht, sind Zahlen, Zahlen, Zahlen - die Nachkommastellen von Pi eben. Daneben gibt es eine weltweite Vereinigung "Freunde der Zahl Pi", die den Geist der Zahl Pi und deren Verehrung fördern.
Den deutschen Verein gründete Bilian Proffen 2009. Er kommt aus Nörten-Hardenberg bei Göttingen. Dort sind die Pi-Zahlen in einen Bürgersteig gemeißelt. Wer dort die Zahl Pi am 14. März grüßt, Verzeihung: pi-grüßt, pi-lgert auf dem Pi-in-Stein Weg. Es gibt eine Pi-zza in einem Im-Pi-ß und andere Scherze ähnlicher Natur. 2011 werden 11 Platten mit den Kuckuckszahlen der Zahl Pi vorgestellt, die in der Zahlenreihe vorkommen und die der Berliner Volkmar Schmidt "so pi-nannt hat", wie Proffen es formuliert.
Unter Pi-Fans wird die Zahl Pi in der Sprache überall gesucht oder in sie hineingelegt. Es gibt sie in Pi-stazien, Pi-nienkerne, Pi-anist, Pi-etismus und Pi-zza und wo auch immer sie sonst noch hineinpasst. Wobei man sagen muss, dass die Verehrung der Zahl Pi in Deutschland im Vergleich zu den USA noch verhältnismäßig wenig verbreitet ist. Proffen will deswegen mit seinen Aktionen zum 14. März das "Bewusstsein auf die schöne Zahl focussieren". Ohne Pi komme die Menschheit ja nicht aus. Ob Tassen, Reifen oder andere runde Gegenstände, "man braucht Pi", ist der Raumaustatter und Pi-Verehrer überzeugt.
Neben Nörten-Hardenberg wird die Zahl Pi auch in wenigen anderen Orten Deutschlands angehimmelt. In Köln wird zum Beis-Pi-el ein Schaufenster pi-dekoriert. Und an der FU Berlin hält ein Professor regelmäßig Vorträge über die Zahl Pi. Aber das war's dann auch schon. Zumindest noch. Vielleicht liegt die Pi-Resistenz daran, dass eine Verehrung der Kreiszahl für (zu steife) Deutsche genauso irrational ist wie die Kreiskonstante auch.



