Doping und Olympia - Der Verdacht fährt mit
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Doping und Olympia - Der Verdacht fährt mit

Bild: Foto: Carl Otto, Public domain, via Wikimedia Commons

Bei den Olympischen Spielen in Südkorea steht leider nicht nur der Sport im Fokus – sondern auch die Frage nach möglichem Dopingbetrug. Nach der russischen Staatsdopingaffäre soll dieses Mal besonders scharf kontrolliert werden. Doch der Skandal um manipulierbare Probenfläschchen stellt das System erneut in Frage. Warum gelingt es Athleten immer wieder erfolgreich zu tricksen?

Keine halbe Woche hat es gedauert, da hatten die Olympischen Spiele von Pyeongchang ihren ersten offiziellen Dopingfall: den Japaner Ken Saito, seines Zeichens Shorttracker und in Südkorea als Ersatzmann für die 5.000-Meter-Staffel vorgesehen. Der Sportler war positiv auf Acetazolamid getestet worden. Das Mittel verbessert unter anderem die Lungenfunktion, kann aber auch zur Maskierung anderer verbotener Substanzen dienen.

Dieser Befund bestätigt, was schon im Vorfeld der Spiele klar schien. Auch nach dem Ausschluss der des Staatsdopings überführten Russen treten in Pyeongchang keineswegs nur saubere Athleten an. Schon jetzt ist abzusehen, dass die Zahl der unentdeckten Trickser hoch sein könnte. Doping bleibt ein Phänomen, dem nur schwer beizukommen ist.

Schwer nachweisbar

Zum einen liegt das an einem generellen Problem: Viele Mittel wie der Klassiker des Blutdopings, Epo, kursieren in Dutzenden Variationen und werden zudem in solchen geringen Dosierungen eingenommen, dass schon nach kurzer Zeit nichts mehr davon nachzuweisen ist. Zudem scheint es, als ob die Athleten den Kontrolleuren immer einen Schritt voraus sind. Haben diese endlich die technischen Möglichkeiten, eine bestimmte Dopingsubstanz im Blut oder im Urin aufzuspüren, sind die Sportler oft längst auf einen neuen, noch nicht nachweisbaren Wirkstoff umgestiegen.

Besonders schwer bis gar nicht können Fälle von Gendoping identifiziert werden – also eine Manipulation des Erbguts, um die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern. Niemand weiß, ob diese Methode überhaupt schon angewendet wird. Doch der Verdacht liegt nahe: Bereits im Jahr 2006 waren bei dem deutschen Leichtathletiktrainer Thomas Springstein E-Mails gefunden worden, in denen er sich nach Repoxygen erkundigte. Diese bisher noch nicht im größerem Umfang am Menschen getestete Gentherapie führt zu einer höheren Aktivität des Epo-Gens und erhöht so die Zahl der roten Blutkörperchen.

Betrogen wird vorher

Hinzu kommt, dass auch der Betrug mit herkömmlichen Dopingmethoden meist nicht unmittelbar beim Wettkampf stattfindet, sondern in der Vorbereitungsphase. Aus diesem Grund waren schon während der vergangenen Winterspiele in Sotschi nur überschaubare Verstöße zu Tage getreten. Dieses Problem ist den Entscheidungsträgern durchaus bewusst. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die für die Kontrollen zuständigen Institutionen testen die Athleten daher bereits im Vorfeld der Spiele.

Laut IOC fanden dieses Mal mehr als 16.000 solcher vorolympischen Tests statt. Doch Experten sind skeptisch, wie gut diese Kontrollen koordiniert werden – und wie aussagekräftig sie sind. So kam erst im Januar dieses Jahres heraus, dass ein im September 2017 neu eingeführtes Flaschenmodell für die Aufbewahrung von Dopingproben offenbar manipulierbar ist. Es lässt sich öffnen und wieder schließen, ohne Spuren zu hinterlassen. Circa fünfzehn bis 20 Prozent aller Behälter sollen laut Recherchen der ARD solche Mängel aufweisen.

Anreiz zum Betrügen

In Pyeongchang greifen die Kontrolleure daher auf Behälter eines älteren Modells zurück. 2.500 Tests werden sie insgesamt während der Spiele durchführen – vor und nach einzelnen Wettbewerben, aber auch außerhalb der Wettkämpfe. Selbst, wenn sie dabei zunächst nicht fündig werden, könnten diese Proben in Zukunft doch noch die Wahrheit ans Licht bringen. So konnten kurz vor den Sommerspielen in Rio massenhaft Dopingsünder der Olympischen Spiele in Peking 2008 und London 2012 überführt werden – dank neuer Analysemethoden. Inzwischen dürfen Proben bis zu zehn Jahre lang nachgetestet werden.

Doch was bringt das Aberkennen von Medaillen oder gar der Ausschluss ganzer Teams, wenn solche Vergehen zu Tage treten? Nicht viel, glauben einige Experten. Denn solche Maßnahmen sind zwar ein richtiges Signal. Den einzelnen Sportler werden sie jedoch wahrscheinlich nicht davon abhalten, sich auch beim nächsten Wettbewerb einen Vorteil verschaffen zu wollen. Denn Medaillen sind im System des Leistungssports noch immer die entscheidende Währung – und ein Garant für finanzielle Unterstützung.

Erst, wenn sich das ändert, wird Doping womöglich eines Tages kein so großes Problem mehr sein. Bis dahin fährt der Verdacht mit – auf Brettern wie auf Kufen. Auch bei den Zuschauern: Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag der "Welt" gehen nur sieben Prozent der Befragten davon aus, dass die Olympischen Spiele diesmal dopingfrei stattfinden. Der Fall Ken Saito gibt ihnen Recht.

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