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Doppelgänger – was steckt biologisch dahinter?
Bildquelle nicht angegeben
Gesundheit

Doppelgänger – was steckt biologisch dahinter?

Sie werden als Doubles, Doppelgänger oder „fremde Zwillinge“ bezeichnet: Es gibt Menschen, die einander ähnlich sehen wie eineiige Zwillinge, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind und oft nicht einmal im selbem Land leben. Schon früher waren solche Doppelgänger bekannt, doch im Zuge des Internetzeitalters ist…
Veröffentlicht
07. September 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit
Zwillinge, Doubles, Look-Alikes

35007, GettyImages

Sie werden als Doubles, Doppelgänger oder „fremde Zwillinge“ bezeichnet: Es gibt Menschen, die einander ähnlich sehen wie eineiige Zwillinge, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind und oft nicht einmal im selbem Land leben. Schon früher waren solche Doppelgänger bekannt, doch im Zuge des Internetzeitalters ist dieses Phänomen noch einmal sichtbarer geworden. Einige Doppelgänger von Prominenten nutzen diese Ähnlichkeit sogar, um als Doubles Karriere zu machen.

Fotoprojekt mit Doppelgängern machten den Anfang

„Das Aussehen von Menschen, die einander ähneln wie eine Photokopie, hat in der Kunst und Populärkultur viel Beachtung gefunden“, erklärt der Biologe Manel Esteller von der Universität Barcelona. Doch was solche Doppelgänger biologisch gemeinsam haben, war bislang kaum bekannt. Das haben Esteller und sein Team nun nachgeholt. Zu Hilfe kam ihnen dabei ein Projekt des kanadischen Fotografen François Brunelle, der seit 1999 überall auf der Welt nach nicht verwandten Doppelgänger-Paaren sucht und Fotos von ihnen macht.

Seine Porträts demonstrieren die teils verblüffenden Ähnlichkeiten, die es bei solchen Doubles geben kann: Obwohl die Menschen dieser Doppelgänger-Paare einander nicht kennen, aus verschiedenen Ländern kommen und teilweise tausende von Kilometern voneinander entfernt leben, gleichen sie einander wie Zwillinge.

Double-Fotorgrafien des kanadischen Fotografen François Brunelle

François Brunelle

Die Ähnlichkeit liegt in den Genen

Mithilfe von mehreren Programen zur Gesichtserkennung suchten die Wissenschaftler unter den Doppelgänger-Paaren des Fotoprojekts 16 einander besonders ähnliche Doubles aus – ihre Gesichtsmerkmale stimmten genauso stark überein wie die von eineiigen Zwillingen. Um herauszufinden, was dahintersteckt, analysierten und verglichen Esteller und sein Team das Erbgut aller Doubles und befragten alle eingehend zu ihren Lebensumständen, ihrer Gesundheit und ihren Gewohnheiten.

Es zeigte sich: Obwohl solche Doppelgänger nicht miteinander verwandt sind, zeigt ihr Erbgut ungewöhnlich viele Übereinstimmungen – Doubles sind sich auch genetisch sehr ähnlich. Dabei sind die Übereinstimmungen im Doppelgänger-Genom keineswegs zufällig verteilt: Besonders ähnlich sind sich die Doubles in den Erbgutbereichen, in denen Gene für das Aussehen des Gesichts und Körpers liegen – beispielsweise für die Lippenform, Nase, Wangen und Mund, aber auch Augenfarbe, Körpergröße, Hüftumfang oder aber der Neigung zur Kahlköpfigkeit. Mit anderen Worten: Nicht verwandte Doppelgänger können sich zumindest in einigen Genregionen so ähnlich sein wie Geschwister oder sogar Zwillinge.

Übereinstimmungen auch in Verhalten und Lebensweise

Doch das ist noch nicht alles: „Es war erstaunlich festzustellen, dass die Ähnlichkeiten solcher Doubles sich nicht nur auf reine Äußerlichkeiten beschränkten“, sagt Esteller. „Die genetische Übereinstimmung betrifft auch andere Merkmale wie Körpergröße und Gewicht und sogar bestimmte Neigungen.“ Wie das Team feststellte, ähnelten sich ihre Doppelgänger häufig auch in Bezug auf ihre Lebensweise und beispielsweise ihren Bildungsstand stärker als zufällig ausgewählte Vergleichspaare. Auch beim Rauchen und dem Körpergewicht gab es signifikante Übereinstimmungen.

„Menschen mit einem ähnlichen Gesicht teilen demnach auch viele andere genetisch beeinflusste körperliche und wahrscheinlich auch psychische Merkmale“, so das Forschungsteam. Obwohl diese Menschen einander nicht kennen und teils weit auseinander leben, gibt es zwischen ihnen demnach weitreichende Gemeinsamkeiten. Ähnliches ist auch von getrennt aufwachsenden Zwillingen bekannt: Auch sie entwickeln im Laufe ihres Lebens teilweise überraschende Parallelen in Verhalten, Vorlieben und sogar der Partnerwahl.

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