Seit sie vor knapp zehn Jahren auf den Markt gekommen sind, werden elektronische Zigaretten immer beliebter. In diesen Geräten verbrennt kein Tabak, stattdessen verdampft ein kleines Heizelement ein sogenanntes Liquid. Die Benutzer und Befürworter von E-Zigaretten bezeichnen sich darum auch nicht als Raucher, sondern als Dampfer oder Vaper. Letzteres ist abgeleitet vom englischen "vapour" für "Dampf".
Die in den E-Zigaretten verdampfte Mischung enthält in der Regel Nikotin, verschiedene Aromastoffe und eine Trägerflüssigkeit, meist Propylenglykol. Es existieren auch Liquids, die kein Nikotin enthalten. Daneben sind auch Nikotinlösungen und Aromen einzeln erhältlich. Die Vielfalt der Aromen ist dabei nahezu unbegrenzt: Neben verschiedenen klassischen Tabaksorten stehen Geschmacksrichtungen wie Apfel, Kirsche, Vanille oder Schokolade zur Auswahl. Dampfer können sich so ihr Liquid nach Wunsch selbst mischen.
Ohne Rauch geht's auch
Für das Dampfen anstatt des Rauchens sprechen vor allem gesundheitliche Gründe: Der Rauch herkömmlicher Zigaretten enthält zahlreiche verschiedene Schadstoffe, von Teer über Blausäure und Formaldehyd bis zu schädlichen Staubpartikeln, die sich in die Lunge setzen und Krebs verursachen können. Da in E-Zigaretten kein Tabak verbrennt, entfallen auch die meisten dieser Gifte. Auch für Passivraucher ist der Dampf der elektrischen Zigaretten weniger gefährlich.
Da die Temperatur der Verdampfer mit 80 bis 120 Grad Celsius viel niedriger liegt als in einer brennenden Zigarette, entstehen auch kaum schädliche Verbrennungsprodukte. Bei einigen Verdampfern mit ungewöhnlich hohen Temperaturen kann jedoch auch Formaldehyd in vergleichbarer Menge wie bei Tabakzigaretten entstehen.
Selbst wenn sie rauchfrei sind enthält der Dampf der E-Zigaretten in den meisten Fällen aber noch Nikotin. Der stimulierende Tabakwirkstoff ist eines der stärksten pflanzlichen Gifte und hochgradig suchterzeugend. Um davon loszukommen steigen viele Raucher als ersten Schritt zum Aufhören auf das Dampfen um. So wird die Nikotinsucht vorerst noch befriedigt, aber der schädliche Rauch entfällt sofort. Schwerwiegende Entzugserscheinungen treten so nicht auf. Studien zeigen, dass E-Zigaretten als Alternative zum Tabak tatsächlich beim Aufhören helfen können.
Hilfreich beim Ausstieg, gefährlich beim Einstieg?
Zwar gibt es zu ähnlichem Zweck bereits seit Jahrzehnten Nikotinkaugummis und -pflaster. Diese sind jedoch bei weitem nicht so beliebt, wie es die E-Zigaretten in nur wenigen Jahren geworden sind. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass das Dampfen dem Rauchen recht ähnlich ist: Viele E-Zigaretten sehen Tabakzigaretten ähnlich, das soziale Erlebnis mit rauchenden oder dampfenden Freunden ist weiterhin möglich und die eigenen Gewohnheiten müssen sich kaum ändern.
Doch wenn es um die Risiken der E-Zigaretten geht, sind die Reaktionen sehr gemischt. Für die einen sind sie völlig harmlos, da sie keinen krebserregenden Rauch und nur wenig oder gar kein suchterzeugendes Nikotin mit sich bringen.
Andere sehen eine Gefahr besonders für Jugendliche: Die süßen oder fruchtigen Aromen mancher Liquids machen das Dampfen wesentlich attraktiver als das Rauchen. Junge Menschen könnten sich so frühzeitig an das Dampfen gewöhnen und dann schneller zum Nikotin übergehen. E-Zigaretten werden darum teilweise kritisch als potentielle Einstiegsdroge beäugt.
Nicht genug Zeit für Langzeitstudien
E-Zigaretten wegen der niedrigeren Schadstoffmenge als "gesunde Alternative" zum Tabak anzupreisen ist jedoch verfrüht. Die Verdampfer sind noch nicht lange genug auf dem Markt, um verlässliche Langzeitstudien zu ermöglichen. Über langfristige Folgen des Dampfens lässt sich deshalb noch nichts sagen.
Die winzigen Tröpfchen im Dampf sollen sich mit der Zeit auflösen und folglich die Lunge nicht so strapazieren wie Rauchpartikel oder Teer. Doch ob sie kurzfristig ähnlich wie feste Partikel in der Lunge wirken, ist unklar. Es gibt jedoch bereits Hinweise darauf, dass der Dampf des Trägermittels Propylenglykol die Schleimhäute reizt und anfälliger für Infektionen durch Bakterien macht.
Außerdem existieren Bedenken, dass die Verdampfer nicht nur für Nikotin auch als Inhalatoren für andere, illegale Drogen zweckentfremdet werden könnten. Dies könnte sich jedoch auch als Vorteil für medizinische Anwendungen erweisen: In den USA existieren beispielsweise bereits E-Zigaretten für Cannabis-basierte Produkte. Wer Cannabis aus medizinischen Gründen verschrieben bekommt, könnte es so konsumieren, ohne rauchen zu müssen.
Auch rechtlich unklar
Auch die rechtliche Position der E-Zigaretten ist bislang unklar. Verschiedene Staaten gehen unterschiedlich damit um: Rauchverbote gelten mancherorts auch für Dampfer. In Deutschland ist das nicht zwangsläufig so. In den Zügen der Deutschen Bahn etwa ist Dampfen nicht erlaubt, auf den Bahnsteigen dagegen schon.
Der Verkauf von nikotinhaltigen Liquids soll ab 2016 innerhalb der EU einheitlich geregelt sein. Die entsprechenden Richtlinien sehen vor, dass die Fläschchen nur eine festgelegte Menge Nikotin enthalten dürfen. Außerdem müssen sie ausreichend gekennzeichnet sein und für Kinder unzugänglich bleiben.
Was soll man also nun von E-Zigaretten im Vergleich zum Tabak halten? Armando Peruga von der Weltgesundheitsorganisation WHO vergleicht das Tabakrauchen mit einem Sprung aus dem 100. Stockwerk eines Hochhauses. E-Zigaretten dampfen sei verglichen damit ein Sprung aus einem niedrigeren Stockwerk – nur die genaue Höhe sei noch nicht bekannt. Demnach ist Dampfen besser für die Gesundheit als Rauchen, aber Nichtrauchen und Nichtdampfen sind immer noch am besten.




