Ernährung: Was taugen spezielle Kinderlebensmittel?
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Ernährung: Was taugen spezielle Kinderlebensmittel?

Bild: Foto: LeFagnard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Gerade bei Kindern ist eine gesunde Ernährung wichtig – so viel ist klar. Und auch, dass gezuckerte Joghurts oder Schokoriegel nicht unbedingt zu den gesündesten Lebensmitteln zählen, wissen die meisten Eltern. Wie sieht es aber mit Lebensmitteln aus, die speziell für die Bedürfnisse der Kinder gemacht sein sollen? Egal ob fürs Baby oder schon ältere Kinder: Auswahl an solchen Kinderlebensmitteln gibt es inzwischen reichlich in Supermarkt und Drogerien.

Gerade bei Kindern ist eine gesunde Ernährung wichtig – so viel ist klar. Und auch, dass gezuckerte Joghurts oder Schokoriegel nicht unbedingt zu den gesündesten Lebensmitteln zählen, wissen die meisten Eltern. Wie sieht es aber mit Lebensmitteln aus, die speziell für die Bedürfnisse der Kinder gemacht sein sollen? Egal ob fürs Baby oder schon ältere Kinder: Auswahl an solchen Kinderlebensmitteln gibt es inzwischen reichlich in Supermarkt und Drogerien.

Aber wie gesund sind diese Produkte? Halten sie, was die vollmundige Werbung der Hersteller verspricht? Jessica Scheugenpflug, Ernährungsberaterin im Auftrag der Siemens-Betriebskrankenkasse, hat sich einige der speziell für Kinder vermarkteten Lebensmittel näher angeschaut. Auch einige der aktuellen Ernährungstrends nimmt sie genauer unter die Lupe.

Nach der Entwöhnung: Kindermilch?

Ein besonders heiß diskutiertes Thema ist die sogenannte Kindermilch. Unter dieser Bezeichnung vermarkten einige Konzerne Milch, die durch ihre spezielle Zusammensetzung besonders gut für kleine Kinder geeignet sein soll. "Kindermilch ist nicht nur unnötig, sie ist darüber hinaus ungesünder als herkömmliche Milch" hält die Ernährungsberaterin dagegen. Denn im Gegensatz zu Kuhmilch ist die sogenannte "Kindermilch" kein natürliches Produkt. Ihr werden häufig Zucker und künstliche Aromen hinzugefügt. Das Problem dabei: Kinder gewöhnen sich an den süßen Geschmack und trinken auch später lieber ungesunde, gezuckerte Getränke wie Cola oder gezuckerte Saftschorlen, gibt die Expertin zu denken.

Die Müslifalle

Egal ob für Kinder oder Erwachsene, auch beim Müsli gilt: Ungezuckert ist prinzipiell besser als mit Zuckerzusatz, das ist klar. Aber selbst bei anderen klassischen Müslizutaten wie Rosinen oder Trockenobst sollten die Eltern Acht geben: "Trockenfrüchte beispielsweise enthalten sehr viel Zucker, durch die Trocknung haben sie eine hohe Energiedichte", warnt Scheugenpflug vor versteckten Kalorienbomben.

Scheugenpflugs Tipp: "Besser ist es, eine reine Flockenmischung zu verwenden, die dann mit frischen Früchten und eventuell auch einem kleinen Anteil Schokomüsli oder ähnlichem gemischt werden kann, wenn das Kind darauf besteht." So bekommt das Kind wertvolle Vitamine, ohne dabei mehr Zucker als nötig aufzunehmen. Schließlich sind Weintrauben, Bananen und Äpfel auch frisch schon angenehm süß.

Pürierte Obstsnacks aus dem Quetschbeutel

Mit dem klassischen "Babybrei" glauben viele, ihren Kindern etwas Gutes zu tun. Doch verarbeitetes Obst, ob nun im Babybrei, in Früchteriegeln oder anderen Fertigprodukten, zeichnet sich durch weniger Vitamine und Mineralstoffe aus als frische Früchte. Aber nicht nur deshalb findet Scheugenpflug pürierte Obstsnacks aus dem Supermarkt "absolut gruselig".

Sie bemängelt vor allem den Brei, der in alubeschichteten Plastiktüten mit Saugöffnung abgefüllt ist: Die Kinder lutschten und nuckelten an der Packungsöffnung, um an den Fruchtbrei heranzukommen, erzählt die Fachfrau. Dadurch würde der Fruchtzucker lange im Mund verweilen und könne besonders leicht zu Karies führen. "Wenn Kinder pürierte Obstsnacks essen, sollte zumindest die Trinköffnung vorher gereinigt werden, um die Keimbelastung zu verringern", empfiehlt sie. Frisches Obst sollte aber immer die erste Wahl sein.

Wasser aus der Leitung oder Spezialprodukt?

Nicht nur Nahrungsmittel für Kleinkinder bietet die Lebensmittelindustrie an. Es gibt auch Wasser, das speziell für Babys vermarktet wird. Dieses zeichnet sich besonders durch seinen niedrigen Natriumgehalt aus. "Für Babynahrung oder als Getränk eignet sich aber auch jedes andere Mineralwasser, das für eine natriumarme Ernährung geeignet ist und den Zusatz 'für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet' enthält", erklärt Scheugenpflug. Dann liege sein Natriumgehalt unter dem geforderten Grenzwert von 20 Milligramm pro Liter, so die Expertin. Und im Gegensatz zum speziellen "Babywasser" ist es meist preiswerter und schont somit die Haushaltskasse.

Sogar das Leitungswasser hat in Deutschland eine so hohe Qualität, dass es laut Scheugenpflug auch für Kinder problemlos verwendet werden kann. Sie empfiehlt aber, den Wasserhahn trotzdem erst etwas laufen zu lassen und kaltes statt warmes Wasser zu verwenden, damit weniger Mineralstoffe enthalten sind. Bei kleinen Kindern sollte es zudem vor dem Trinken abgekocht werden.

Wer in einer Altbauwohnung lebt sollte allerdings sicherstellen, dass keine Bleirohre mehr verbaut sind. Diese werden zwar seit den 1970er Jahren nicht mehr verwendet, doch in manchen Häusern und Wohnungen sind sie noch immer enthalten. Hier kann ein Labortest einer Wasserprobe Aufschluss über den Gehalt von Blei und anderen schädlichen Schwermetallen im Leitungswasser bringen.

Wissen Babys intuitiv, was gut für sie ist?

Die Frage, welche Lebensmittel das eigene Kind am besten zu sich nehmen sollte, stellt sich Eltern bereits, lange bevor ihr Nachwuchs kauen kann: Sobald das Kind nicht mehr ausschließlich gestillt wird oder das Fläschchen bekommt, müssen Eltern überlegen, wie und welche Beikost sie einführen möchten.

Manche Eltern vertrauen darauf, dass ihr Sprössling die intuitive Entscheidungskraft hat, selbst das geeignete Essen auszuwählen. Sie versprechen sich davon unter anderem, dass die Kleinen auf lange Sicht weniger wählerisch beim Thema Essen sind. Bei dem Konzept des "Baby-led weaning", also der vom Baby geleiteten Beikosteinführung, wird dem Säugling die Nahrung nur angeboten: Statt das Kind zu füttern, lassen Eltern es selbst entscheiden, was es tatsächlich isst.

Doch ob Säuglinge wirklich intuitiv wissen, welche Nahrung sie zur Deckung ihres täglichen Nährstoffbedarfes brauchen, ist höchst umstritten. Nicht nur der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt aktuell vor dieser Beikostmethode. Auch Ernährungsexperten wie Scheugenpflug sind skeptisch. Sie sieht ein hohes Risiko für Nährstoffmangel durch unausgewogene Ernährung: "Eltern haben eine Fürsorgepflicht für ihre Kinder und tragen dafür Sorge, dass sie sich bedarfsgerecht ernähren. Die Intuition, sich in der richtigen Menge und nährstoffgerecht zu ernähren, fehlt Kindern in jungen Jahren einfach noch."

Eltern könnten beim "Baby-led weaning" zudem nur schwer kontrollieren, wie viel vom Essen tatsächlich im Bauch ihres Kindes gelandet ist - und wie viel auf dem Boden. Daher sollten die Eltern entscheiden, was auf den Tisch kommt und vor allem in Mund des Babys gelangt, rät Scheugenpflug. Nichtsdestotrotz können und sollten Kinder hierbei eingebunden werden um ihnen ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zu übertragen.

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