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Essen wir bald Schlange statt Hühnchen?
Bildquelle nicht angegeben
Gesundheit

Essen wir bald Schlange statt Hühnchen?

Die traditionelle Massentierhaltung von Schweinen, Hühnern und Rindern schadet nicht nur dem Tierwohl, sondern auch der Umwelt. Denn aus den XXL-Ställen gelangen große Mengen schädlicher Klimagase wie CO2, Lachgas und Methan in die Atmosphäre. Die großen Güllemengen sorgen außerdem für eine Überdüngung und…
Veröffentlicht
17. Juni 2024
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Gesundheit
Schlangenfarm in Pattaya, Thailand

© Diy13, iStock

Die traditionelle Massentierhaltung von Schweinen, Hühnern und Rindern schadet nicht nur dem Tierwohl, sondern auch der Umwelt. Denn aus den XXL-Ställen gelangen große Mengen schädlicher Klimagase wie CO2, Lachgas und Methan in die Atmosphäre. Die großen Güllemengen sorgen außerdem für eine Überdüngung und Versauerung der Böden und Gewässer. Doch all diese Probleme könnten sich womöglich lösen lassen, wenn man statt herkömmlicher Nutztiere auf einen anderen, exotischeren Fleischlieferanten setzt: Schlangen.

Streetfoodstand mit gebratenen Insekten und Schlangen im Angebot, Kambodscha

© malo85, iStock

Schlangen als Fleisch der Zukunft?

In Südostasien und China gelten Schlangen schon lange als Delikatesse. Ihr Fleisch ist hell und soll ähnlich wie Hähnchen schmecken. Gleichzeitig überzeugen auch die Nährwerte, denn Python und Co. sind sehr proteinreich und kalorien- sowie fettarm – das ideale gesunde Fleisch sozusagen. Doch nicht nur das „Endprodukt“ der Schlangenfarmen kann sich sehen lassen, sondern auch ihre nachhaltige Betreibbarkeit, wie Wissenschaftler von der australischen Macquarie University berichten.

Das betrifft zum einen den geringen Ressourceneinsatz, der für eine Schlangenfarm nötig ist. Im Vergleich zu Rindern oder Schweinen brauchen die Reptilien zum Beispiel nur wenig Platz, weil sie sich als Lauerjäger ohnehin nicht viel bewegen. Sie gemeinsam auf engstem Raum zu halten, löst bei den Pythons außerdem keinen Stress aus, weil sie kein Territorialverhalten besitzen, wie die Biologen erklären.

Wasser- und Nahrungsbedarf sind gering

Auch bei der Versorgung der Tiere können Schlangenfarmen viele Kosten sparen. „Schlangen brauchen nur wenig Wasser und können sogar vom Tau leben, der sich morgens auf ihren Schuppen absetzt“, erklärt Studienleiter Daniel Natusch. Auch ihr Nahrungsbedarf ist verhältnismäßig gering. Im Notfall können sie sogar monatelang ohne einen einzigen Bissen auskommen, ohne dabei erheblich an Gewicht zu verlieren. Besonders clever lassen sich Pythons füttern, indem man ihnen Nagetiere vorsetzt, die zuvor als Pflanzenschädlinge auf den Feldern gefangen wurden.

Und auch sonst sind die Schlangen nicht sonderlich wählerisch, wie die Forschenden in Experimenten herausgefunden haben. So begnügen sich die Pythons auch mit Fleisch- und Fischresten und sogar mit pflanzlichen Proteinen, ohne dass dies ihr Wohlergehen erheblich beeinträchtigt. Damit könnten Schlangenfarmen jede Menge landwirtschaftlicher Abfälle in „frisches“ Eiweiß umwandeln, ohne dass sie dabei selbst große Abfallmengen produzieren. Denn dank ihres robusten Verdauungssystems, mit dem Pythons sogar Knochen klein kriegen, produzieren die Reptilien nur wenige Ausscheidungen, die Böden und Gewässer verunreinigen könnten. Und auch ihre Treibhausgasemissionen sind deutlich geringer als bei Säugetieren wie Rindern und Schweinen.

Dunklen Tigerpython (Python bivittatus)

© LiCheng Shih via flickr / CC BY 2.0

Schlangen setzen schneller an als Schweine

Ebenfalls praktisch: Schlangen wandeln die Nahrung, die sie aufnehmen, erheblich effizienter in Fleisch und Körpergewebe um als warmblütige Tiere, wie die Forschenden herausgefunden haben. Demnach entstehen aus vier Gramm Nahrung ein Gramm Schlangenfleisch. Die Pythons in den Schlangenfarmen nehmen so im Mittel 46 Gramm pro Tag an Gewicht zu, womit die Tiere rund ein Jahr nach dem Schlüpfen ihr Schlachtgewicht erreicht haben.

Auch die Verwertung der geschlachteten Pythons ist äußerst effizient. 82 Prozent ihres Körpers lassen sich nutzen und weiterverarbeiten. Einen Großteil davon macht zwar das Fleisch aus, aber für die Lederindustrie ist außerdem die Haut sehr interessant und für die Medizin das Fett und die Gallenblase der Schlangen.

Illegaler Wildtiermarkt in Möng La, Shan, Myanmar

© Dan Bennett via flickr / CC BY 2.0

Es gibt auch Kritik

Doch trotz all dieser Vorteile von Schlangenfleisch bleiben auch einige Einwände. Wie bei Rindern und Hühnern stellt sich natürlich die Frage, wie ethisch vertretbar es überhaupt ist, Tiere ihr Leben lang einzusperren und sie dann für den eigenen Bedarf zu schlachten. Gleichzeitig kann gerade bei den asiatischen Farmen nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass es sich bei allen Schlangen um eigene Züchtungen handelt. Tierschützer gehen davon aus, dass auch Wildfänge in den Farmen landen. Das ist besonders im Falle ohnehin bedrohter Arten wie dem Dunklen Tigerpython problematisch.

Auch die Bestände anderer Tierarten können durch die Schlangenfarmen einbrechen, wie Stefan Ziegler von der Umweltstiftung WWF im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärt: „Aus der Praxis wissen wir auch, dass die Kleinsäuger- und Amphibienfauna in der Umgebung von Schlangenfarmen häufig vollkommen verarmt ist, da jene Arten in den Farmen als Nahrung landen.“ In der Realität sind es also wahrscheinlich doch nicht unbedingt die nachhaltigen Abfälle und Schädlinge, die den Schlangen vorgesetzt werden.

Würden auch außerhalb Asiens erste Schlangenfarmen eröffnen, bestünde außerdem das Problem, dass einzelne Tiere entkommen könnten und das heimische Ökosystem als invasive Art schädigen. So ähnlich ist es bereits in den Everglades in Florida geschehen, wo sich freigesetzte Tiere aus Privathaltungen bereits zu Hunderttauenden vermehrt haben und nun die einzigartige heimische Fauna dieses Sumpfgebiets bedrohen. Dass die Pythonzucht aber überhaupt von Asien aus nach Europa und auf weitere Kontinente überschwappt, ist derzeit noch Zukunftsmusik. „Ich denke, es wird noch lange dauern, bis man hierzulande Python-Burger in seinem Lieblingsrestaurant serviert bekommt“, sagt Rick Shine von der Macquarie University.

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