Geld regiert die Kinderwelt
Lernen & Familie

Geld regiert die Kinderwelt

Bild: Foto: User:Kolossos, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Zu Beginn eines neuen Schuljahrs erhöhen viele Eltern das Taschengeld ihrer Sprößlinge. Viele sind unsicher, wie viel Bares tatsächlich angemessen ist.

Das erste Taschengeld erhalten viele Kinder, sobald sie in die Schule kommen. Einige Pädagogen empfehlen sogar Taschengeld für Vier- bis Fünfjährige. Doch wieviel ist für welche Altersstufe angemessen? Offizielle Empfehlungen geben beispielsweise die Jugendämter. Demnach sind für Kinder unter 6 Jahren 50 Cent die Woche angemessen, am besten in 10-Cent-Münzen, damit die Kinder leichter rechnen und haushalten lernen. Für 6- bis 7-jährige Schulkinder werden 1,50 bis 2 Euro wöchentlich, für 8-9-jährige 2 bis 3 Euro wöchentlich empfohlen. Eine monatliche Auszahlung ist erst ab 10 Jahren sinnvoll. Das Taschengeld sollte pünktlich ausbezahlt werden, ohne Wenn und Aber. Taschengeldentzug als Erziehungsmittel hat ausgedient. Taschengeld sollte auch nicht als Belohnung eingesetzt werden und nicht für selbstverständliche Aufgaben im Haushalt gezahlt werden. Außerdem sollte es auf keinen Fall Ersatz für Zuwendung sein. Auch wenn beide Eltern berufstätig sind und die Kinder den Großteil ihrer Zeit in Kindergarten, Hort oder Schule verbringen.

Gelderziehung in Phasen

Einen Rechtsanspruch auf Taschengeld haben Kinder zwar nicht, doch wenn sie es bekommen, dürfen sie frei darüber verfügen. Allerdings gibt es Grenzen, die im so genannten Taschengeldparagraphen geregelt sind. So ist der Kauf von Kaugummis rechtskräftig, während der Kauf eines Smartphones von den Eltern rückgängig gemacht werden kann. Generell gelten Kinder unter 7 Jahren als geschäftsunfähig, 7- bis 18-Jährige als beschränkt geschäftsfähig. Damit Jugendliche nicht gleich beim ersten Dispokredit in die Schuldenfalle tappen, empfehlen Experten eine dreizügige Gelderziehung. Phase eins hat den verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Taschengeld zum Ziel, in Phase zwei lernt man durch kleine Jobs, dass Geld einen Gegenwert für Arbeit darstellt, in Phase drei geht es dann um erste Erfahrungen mit Kredit und Kapital, mit Handyverträgen, Konten und Depots.

Vom Schulkind zum Konsumenten

Dass die Mehrzahl der Kinder heute ein Taschengeld bekommt, ist nicht zuletzt eine Folge der Industrialisierung. Wirtschaftlich betrachtet war es sinnvoller, Kinder auszubilden als sie arbeiten zu lassen. So führte das Arbeitsverbot für Kinder einerseits und die Einführung der allgemeinen Schulpflicht andererseits dazu, dass Kinder in den Industrieländern in den Jahren zwischen 1870 und 1930 vom Arbeitsmarkt verdrängt wurden. In Deutschland war es durch die beiden Weltkriege zum Teil bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts üblich, dass bereits Kinder zum Familieneinkommen beitrugen. Erst in den 1960er/70er Jahren erhielt die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland regelmäßig Taschengeld. Aus dieser Zeit stammt nicht nur der erste Brockhaus-Eintrag, sondern auch der erste Rechtsstreit zum Thema, und die Werbung wandte sich nicht mehr an die Eltern, sondern direkt an den Nachwuchs. Ab Mitte der 1980er Jahre etablierte sich die Kindermarktforschung. Seit 1996 veröffentlicht der Comic- und Jugendmagazinverlag Egmont Ehapa Daten zur Kaufkraft von Kindern in Deutschland und trägt damit wesentlich zur Wahrnehmung von Kindern als Konsumenten bei. Kritiker sprechen von einer Kommerzialisierung der Kindheit, und tatsächlich gab es niemals zuvor ein so vielfältiges Angebot, das sich direkt an Kinder und Jugendliche wendet. Umso sinnvoller ist es, seine Kinder beizeiten an einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld und Konsumgütern zu gewöhnen.

So viel Taschengeld ist angemessen

AlterBetrag in Euro
6 Jahre50 Cent
6 bis 7 Jahre1,50 bis 2,- (wöchentlich)
8 bis 9 Jahre2,- bis 3,- (wöchentlich)
10 bis 11 Jahre13,- bis 16,- (monatlich)
12 bis 13 Jahre20,- bis 22,- (monatlich)
14 bis 15 Jahre25,- bis 30,- (monatlich)
16 bis 17 Jahre35,- bis 45,- (monatlich)
18 Jahre70,- (monatlich)

Mehr aus Lernen & Familie

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Lernen & Familie.

Alle Lernen & Familie-Artikel
Universität Regensburg: Eine Zusatzmessung halbiert Fehlerrate von Quantenbits
Lernen & Familie

Universität Regensburg: Eine Zusatzmessung halbiert Fehlerrate von Quantenbits

4. November 2026

Forscher aus Regensburg zeigen: Eine einzige zusätzliche Messung vor Rechenoperationen senkt die Fehlerrate von Quantenbits um mehr als die Hälfte – ein möglicher Baustein für künftige Quantencomputer.

Universität Hohenheim und Max-Rubner-Institut suchen Rezeptur mit weniger Nitrit in Wurst
Lernen & Familie

Universität Hohenheim und Max-Rubner-Institut suchen Rezeptur mit weniger Nitrit in Wurst

3. November 2026

Seit Oktober 2025 gelten in der EU strengere Grenzwerte für Nitrit und Nitrat in Wurst und Schinken. Ein deutsch-belgisches Forschungsteam sucht nun Rezepturen, die trotzdem sicher und schmackhaft bleiben.

Bessere Noten in Deutsch: Mit diesen Tipps klappt es Schritt für Schritt
Lernen & Familie

Bessere Noten in Deutsch: Mit diesen Tipps klappt es Schritt für Schritt

21. Oktober 2026

Bessere Noten in Deutsch gelingen, wenn man die eigenen Schwächen genau kennt, regelmäßig übt, Textanalysen strukturiert aufbaut und sich bei Bedarf gezielt Unterstützung holt. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten…

Medizinstudium in Deutschland: Wie die Studienplatzvergabe wirklich funktioniert
Lernen & Familie

Medizinstudium in Deutschland: Wie die Studienplatzvergabe wirklich funktioniert

14. Oktober 2026

Einen festen Numerus clausus, den man vor der Bewerbung nachschlagen könnte, gibt es für Humanmedizin in Deutschland nicht. Die Grenzwerte, die nach jeder Vergaberunde kursieren, sind das Ergebnis eines mehrstufigen…

← Zurück zu Lernen & FamilieZur Startseite