Gesunde Ernährung: Wie super ist Superfood?
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Gesunde Ernährung: Wie super ist Superfood?

Bild: Foto: Department of Labor. 1913, Public domain, via Wikimedia Commons

Ob Chiasamen, Acerolakirsche, Goji- oder Açaíbeeren – exotische Superfoods liegen im Trend. Sollen sie doch nicht nur gesünder, sondern sogar schlanker und schöner machen. Doch stimmt das auch? Wir klären, was in den angeblichen Wunderlebensmitteln steckt – und ob sie wirklich besser sind als Produkte aus unserer Heimat.

Die Liste der Lebensmittel, die als sogenannte Superfoods gehandelt werden, ist lang. Vor allem exotisch klingende Pflanzen aus fernen Ländern werden in Naturkostläden und Reformhäusern gerne als Produkte mit gesundheitlichem Zusatznutzen vermarktet – der laut Verpackung natürlich von indigen Urvölkern seit Jahrtausenden bestätigt ist.

Viele Verbraucher greifen da beherzt zu. Schließlich sollen Chiasamen, Açaíbeeren & Co besonders viele Nährstoffe enthalten und im Körper wahre Wunder vollbringen. Neben ihrem hohen Vitamin-, Mineral- oder Ballaststoffgehalt werden die Superfoods vor allem für ihre antioxidative Wirkung geschätzt. Sie soll die Körperzellen vor schädlichen freien Radikalen schützen, die mitunter aus Zigarettenrauch und Alkohol, aber auch beim natürlichen Stoffwechsel entstehen. Soweit die Theorie. Doch wie sinnvoll ist der Verzehr dieser Lebensmittel wirklich?

Beeren mit fraglichem Potenzial

Tatsächlich enthalten einige der Superfoods gesundheitlich interessante Inhaltstoffe. Die meist getrocknet erhältliche Goji- oder auch Bocksdornbeere aus China ist zum Beispiel prall gefüllt mit den Vitaminen A und C und enthält zudem größere Mengen der Mineralstoffe Eisen, Selen und Zink. Doch obwohl die Frucht in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrhunderten für die Vorbeugung und Therapie zahlreicher Beschwerden von Diabetes über Potenzstörungen bis hin zu vorzeitigem Altern zum Einsatz kommt, lässt sich ein medizinischer Nutzen der Beere bislang nicht belegen.

Einige Laborstudien sprechen bestimmten Extrakten der Frucht zwar antioxidative Eigenschaften zu. Jenseits des Reagenzglases ist ein gesundheitlicher Vorteil für den Menschen laut der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA jedoch nicht sicher zu belegen. So taugt die Gojibeere zwar als Vitamin- und Mineralstofflieferant – zu mehr aber wohl auch nicht.

Ähnlich wie die Gojibeere soll die Frucht der Kohlpalme Euterpe oleracea durch ihre antioxidative Wirkung unter anderem als Anti-Aging-Mittel nützen und darüber hinaus bei der Gewichtsabnahme helfen. Doch auch für die hierzulande als Açaíbeere bekannte Frucht lassen sich diese Effekte wissenschaftlich nicht belegen.

Vitamin C im Überfluss

Ein weiteres beliebtes Superfood ist die in Südamerika heimische Acerolakirsche – oft wird sie als Vitamin C-Wunder angepriesen. Und tatsächlich enthält sie so viel davon wie kaum eine andere Frucht: etwa 1.700 Milligramm pro hundert Gramm. Frisch bekommt man die Steinfrucht jedoch meist nur in den Erzeugerländern. Deshalb wird sie hierzulande hauptsächlich als Saft oder Nahrungsergänzungsmittel in Pulverform verkauft.

Um unseren täglichen Bedarf an Vitamin C zu decken, sind wir auf solche Vitaminpräparate jedoch eigentlich gar nicht angewiesen. Der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zufolge ist die empfohlene Zufuhr – 110 Milligramm für erwachsene Männer und 95 Milligramm für erwachsene Frauen – leicht über die normale Ernährung realisierbar. Schon eine Paprika beispielsweise enthält zwischen 100 und 300 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm.

Sattmacher aus Mexiko

Als Superfood in aller Munde sind derzeit auch die kleinen, unscheinbaren Samen der mexikanischen Chiapflanze. Sie sind vegan, glutenfrei und trotz ihres recht hohen Kaloriengehalts auch bei Abnehmwilligen beliebt. Die Samen quellen nämlich im Darm auf und sorgen auf diese Weise dafür, dass man länger satt bleibt.

Gesundheitlich relevant sind aber vor allem die vielen wertvollen ungesättigten Fettsäuren wie Omega 3- und Omega 6-Säuren. Diese sind essenziell, also für den Menschen lebensnotwendig. Erste Studien deuten zudem darauf hin, dass der regelmäßige Verzehr von Chiasamen den Blutdruck geringfügig senken kann – große und vor allem langfristig angelegte Untersuchungen gibt es dazu bisher jedoch nicht.

„Die vorhandenen Studienergebnisse reichen derzeit nicht aus, um gesicherte Aussagen zu langfristigen Gesundheitseffekten machen zu können“, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Weil bisher insgesamt noch recht wenig über Chiasamen bekannt sei, empfehle die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA außerdem, eine tägliche Verzehrs-Höchstmenge von 15 Gramm nicht zu überschreiten.

Heimische Alternativen – genauso gut

Die trendigen Superfoods können insgesamt also eine durchaus gesunde Abwechslung auf dem täglichen Speiseplan sein, doch medizinische Wunder vollbringen sie nicht. Damit sind die Lebensmittel nicht gesünder oder wirksamer als viele weniger exotische Produkte. Für nicht ganz so Trendbewusste lohnt sich deshalb auch ein Blick in die Heimat – das schont nicht zuletzt den Geldbeutel.

So stehen zum Beispiel Früchte wie Heidelbeeren, Sauerkirschen, Holunder und schwarze Johannisbeeren den Açaí- und Gojibeeren in Bezug auf Vitamine und Antioxidantien in nichts nach. Eine ähnliche Fettzusammensetzung wie in Chiasamen findet sich etwa in Rapsöl, Nüssen oder Leinsamen. Letztere haben zudem die gleichen Quelleigenschaften wie ihr Pendant aus Mexiko. Wer heimische Produkte wählt, tut zudem etwas für die Umwelt. Schließlich müssen die Superfood-Exoten erst importiert werden und hinterlassen dabei einen nicht unwesentlichen CO2-Fußabdruck. Johannisbeeren gedeihen dagegen auch im eigenen Garten.

Und egal ob gehyptes oder verkanntes Superfood aus der Region: Alleine bringt auch die gesündeste Beere oder Saat rein gar nichts. Schließlich enthält kein Lebensmittel allein alle lebensnotwendigen Nährstoffe, die wir brauchen. Wie schon der Ernährungswissenschaftler und Leiter des Institutes of Nutrition and Food Science der Universität Granada, Emilio Martínez de Victoria Muñoz, vor einiger Zeit in Bezug auf den rasant ansteigenden Gojibeeren-Konsum anmerkte: „Das eine Wunderfood gibt es nicht. Nur eine ausgewogene und vielseitige Ernährung hält gesund.“

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