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Handydaumen: Wenn zu viel Tippen krank macht
Bildquelle nicht angegeben
Gesundheit

Handydaumen: Wenn zu viel Tippen krank macht

Das Smartphone ist für den Großteil der Menschen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Knapp vier Stunden beträgt die durchschnittliche tägliche Handyzeit eines Nutzers in Deutschland. Der Daumen fliegt dabei fast pausenlos auf dem Display hin und her – er wischt, tippt oder scrollt. Dass die Hand das mitmacht,…
Veröffentlicht
08. März 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit
Handynutzung

GettyImages, Tero Vesalainen

Das Smartphone ist für den Großteil der Menschen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Knapp vier Stunden beträgt die durchschnittliche tägliche Handyzeit eines Nutzers in Deutschland. Der Daumen fliegt dabei fast pausenlos auf dem Display hin und her – er wischt, tippt oder scrollt. Dass die Hand das mitmacht, erscheint uns selbstverständlich. Der Daumen ist jedoch von der Natur dafür gemacht, das Zugreifen der Hand zu unterstützen und das Umschließen zu ermöglichen.

Strecken und Spreizen: Tod für den Daumen

„Eine kräftige Beugung des Daumens ist dabei natürlich, eine Streck- oder Abspreizbewegung wie bei der Handy-Nutzung auf Dauer jedoch nicht“, sagt Andreas Halder, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Schon lange ist der Zusammenhang zwischen dem Vieltexten auf dem Smartphone und Entzündungen der Sehnenscheiden des langen Daumenstreckers und -spreizers bekannt. So ist das Entzündungsrisiko bei intensiver Nutzung fast siebenfach erhöht.

Dabei gilt: Je schneller wir tippen, desto eher überlasten wir die Gelenke und Sehnen. Benutzen wir nur eine Hand, muss sich der Daumen oft quer über das ganze Display strecken, um Buchstaben und Zahlen zu erreichen. "Immer wieder führt das viele Schreiben von Nachrichten zu schmerzhaften Entzündungen der Sehnen am Daumen", sagt Halder. Wird der Daumen dann nicht geschont, wird der Schmerz chronisch und dehnt sich auf Greifbewegungen mit der ganzen Hand aus. Selbst das Auf- und Zuknöpfen von Kleidung kann dann Probleme bereiten.

Texten

GettyImages, Nikada

Wen kann es treffen?

Während die einen vielleicht noch nie von der Gefahr der Handynutzung für den Daumen gehört haben, scheint es andere häufiger zu treffen. Sind manche Menschen demnach anfälliger für die Entwicklung eines Handydaumens? Zum einen steht fest: Je größer das Display, desto anstrengender wird es für den Daumen. Deshalb haben es Menschen mit kleinen Händen schwerer. Sie müssen das Handy häufiger kippen und zeigen beim Tippen mehr Muskelaktivität im Daumenstrecker.

Sind die Tasten auf dem Display zudem klein, muss der Daumen steiler gehalten werden. Das heißt, er muss mehr gebeugt werden, um genau zu treffen, was wiederum die Daumenbeuger stärker beansprucht. Interessanterweise ist das Tippen im Stehen für den Daumen weniger anstrengend als im Sitzen, wahrscheinlich weil das Handgelenk mehr Bewegungsfreiheit hat. Im Sitzen wird das Tippen für den Daumen erst leichter, wenn der Unterarm aufliegen kann.

Doch auch zwischen den Generationen lassen sich Unterschiede feststellen. Jugendliche halten das Handy meist lockerer in der Hand als Ältere. So haben die Daumengelenke mehr Bewegungsspielraum und werden weniger punktuell belastet.

Maßnahmen gegen den Handydaumen

Aber was tun, wenn es doch mal zu Schmerzen im Daumen kommt? „Die gute Nachricht ist, dass in den allermeisten Fällen keine Operation nötig ist. Der Arzt kann Physiotherapie verordnen, ein Schmerzmittel oder eine Kortison-Injektion geben“, sagt Handchirurg Thomas Brockamp. Oftmals reicht es aber schon aus, das eigene Verhalten am Handy zu ändern, was aber gerade für intensive Handynutzer nicht leicht ist.

Die wichtigste Maßnahme ist die Schonung des Daumens und der Hand, indem die Handynutzung reduziert wird. Pausen zwischendurch sind daher ebenso wichtig, wie bewusst die Tippgeschwindigkeit zu verringern. Bei Tippen sollten zudem besser beide Daumen als nur einer verwendet werden, um die Belastung des einzelnen zu mindern. Schließlich kann es helfen, den Daumen und das Handgelenk zwischendurch häufiger mal zu dehnen, um die Sehnen zu lockern.

Wer sich nicht sicher ist, wie es um den eigenen Daumen bestellt ist, kann den sogenannten Finkelstein-Test machen: Typisch für den Handydaumen ist eine Verstärkung des Schmerzes, wenn man den Daumen in die Handfläche legt und die Hand in Richtung Kleinfinger beugt.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

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