10.000 Kilokalorien in zwei Stunden
Der englische Ausdruck „binge“ bedeutet ursprünglich exzessives Trinken. Bei „binge eating“ werden in kürzester Zeit wahllos enorme Mengen von Nahrungsmitteln verschlungen. Bis zu 10.000 Kilokalorien kann ein BED-Kranker während einer solchen ein- bis zweistündigen Essattacke aufnehmen.
Menschen, die unter BED leiden, haben ähnliche psychische Probleme wie Alkoholiker: Sie essen heimlich, weil sie sich schämen. Nach einer Essattacke werden sie von starken Schuldgefühlen gequält. So entsteht ein Teufelskreis. Je schlechter sich die Betroffenen fühlen, umso schneller wird es sie wieder an den Vorratsschrank treiben.
Insgesamt leiden rund 2 Prozent der Bevölkerung an BED. Damit ist die Binge Eating Disorder die häufigste Essstörung in Deutschland. Nicht nur Frauen „bingen“: Zwei von fünf Patienten sind männlich.
Ca. 20 Prozent der Betroffenen sind übergewichtig. Anders als bei Bulimie kompensieren BED-Kranke zügelloses Essen nicht etwa durch Erbrechen oder den Gebrauch von Abführmitteln.
Zwei Essattacken pro Woche
Von BED sprechen die Ärzte erst dann, wenn Betroffene seit sechs Monaten mindestens zwei Essattacken pro Woche erleiden. Während eines Anfalls können Esssüchtige die Nahrungsaufnahme nicht willkürlich stoppen oder steuern.
Folgende Symptome kennzeichnen einen Essanfall:
- Hastiges Essen
- Essen, bis man sich unangenehm voll fühlt
- Man hat eigentlich keinen Hunger.
- Man isst heimlich, weil man sich schämt.
- Nach dem Essanfall treten Ekel- oder Schuldgefühle auf.
Gute Therapieaussichten
Die Esssucht wird meist mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen oder mit einer Kombination aus Verhaltens- und Psychotherapie behandelt. Die Behandlung hat zwei Ziele: Zum einen will man das Essverhalten normalisieren, zum anderen sollen die zugrunde liegenden seelischen Konflikte bearbeitet werden.
Die Erfolgsaussichten bei einer BED-Therapie sind gut. Das liegt unter anderem daran, dass den meisten Betroffenen der Unterschied zwischen „normalem“ Essen und Sucht bewusst ist. Infos über Therapien und Beratungsstellen gibt es unter anderem bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Buch-Tipps
Simone Munsch
Binge Eating. Kognitive Verhaltenstherapie bei Essanfällen.
BeltzPVU März 2003
250 Seiten
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Anita Johnston
Die Frau, die im Mondlicht aß
Scherz August 1997
224 Seiten
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