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Immuntherapie: Mit Antikörpern gegen Krebs
Bildquelle nicht angegeben
Gesundheit

Immuntherapie: Mit Antikörpern gegen Krebs

Krebszellen sind wahre Meister darin, unser Immunsystem auszutricksen und die normalen Kontrollmechanismen gegen kranke oder entartete Zellen zu unterlaufen. Ein Grund dafür: Weil Krebs durch die Entartung normaler Körperzellen entsteht, teilen Tumorzellen viele Merkmale mit gesunden Zellen. Das macht es…
Veröffentlicht
02. Dezember 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit
Krebszelle im Visier

peterschreiber.media, GettyImages

Krebszellen sind wahre Meister darin, unser Immunsystem auszutricksen und die normalen Kontrollmechanismen gegen kranke oder entartete Zellen zu unterlaufen. Ein Grund dafür: Weil Krebs durch die Entartung normaler Körperzellen entsteht, teilen Tumorzellen viele Merkmale mit gesunden Zellen. Das macht es Killerzellen, Antikörpern und anderen Abwehr-Patrouillen des Körpers schwer, Krebszellen zu erkennen.

Manche Krebszellen entwickeln sogar spezielle Tarnkappen, um nicht erkannt zu werden. Einige  bilden dafür an ihrer Oberfläche bestimmte Zuckermoleküle, Proteine und andere molekulare Marker aus, andere setzen Botenstoffe frei, die die Abwehrzellen "blind" machen. Einige Tumore sind sogar noch raffinierter: Ihre Krebszellen blockieren nicht nur die Angriffe der Immunabwehr, sie programmieren auch deren Killerzellen für ihre eigenen Zwecke um. Dadurch fördern diese Abwehrzellen dann das Streuen von Krebszellen und die daraus folgende Metastasenbildung.

Symbolbild Antikörper

wildpixel, GettyImages

Monoklonale Antikörper: Krebszellen im Visier

Doch wie lässt sich diese Immunblockade der Krebstumore durchbrechen? Genau an diesem Punkt setzen Immuntherapien gegen Krebs an: Sie versuchen, die Tarnung und Abwehrmechanismen der Krebszellen aufzuheben und so die Immunabwehr gegen die Tumore zu mobilisieren. Ein Ansatz ist dabei die Herstellung und Anwendung maßgeschneiderter Antikörper. Diese kleinen Proteinmoleküle sind schnell in Massen herstellbar und wirken hochspezifisch: Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip docken sie gezielt an bestimmten Oberflächenmolekülen der Krebszellen an und töten sie ab.

Um die für den jeweiligen Tumor passenden Antikörper herzustellen, entnehmen Wissenschaftler Proben des Tumors und ermitteln, welche krebsspezifischen Erkennungsmoleküle – fachsprachlich Antigene – er auf seiner Oberfläche trägt. Im Labor werden dann große Mengen passende Antikörper gegen diese Krebs-Antigene erzeugt. Krebspatienten mit dem passenden Tumortyp können dann diese Antikörper als Infusion erhalten.

Einer der ersten in Deutschland zugelassenen Antikörper gegen Krebs ist Trastuzumab (Herceptin). Er wird gegen metastasierten Brustkrebs eingesetzt, wenn die Krebszellen das Antigen HER2/neu auf ihrer Oberfläche tragen - was bei etwa jeder vierten Brustkrebspatientin der Fall ist. Meist erfolgt die Antikörpertherapie dabei in Kombination mit einer klassischen Chemotherapie. Auch bei Lymphomen und Leukämie sind schon monoklonale Antikörper im Einsatz.

Solche Antiköper-Präparate können eine Krebszelle auf unterschiedliche Weise außer Gefecht setzen. Einige lösen durch ihr Andocken den Zelltod aus - die Tumorzellen sterben durch das zelleigene Selbstmordprogramm. Andere Antikörper holen sich Hilfe: Ihre freien Enden werden von den Killer- und Fresszellen des Immunsystems erkannt, die daraufhin die so markierte Tumorzelle abtöten.

T-Zellen in Aktion

Checkpoint-Therapie: Enthemmte Abwehrzellen

Es gibt aber noch eine weitere Einsatzmöglichkeit von Antikörpern bei der Krebstherapie. Bei der Immuntherapie mittels Checkpoint-Inhibitoren dienen die Antikörper nicht als Waffe gegen den Krebs selbst, sondern als "Fitmacher" für die T-Zellen des Immunsystems. Diese Abwehrzellen tragen auf ihrer Oberfläche Andockstellen, die ihre Aktivität dämpfen. Normalerweise sollen diese sogenannten Checkpoint-Moleküle verhindern, dass das Immunsystem überaktiv wird und unseren Körper schädigt. Die Krebstumore nutzen diese Immunbremsen aber aus, um die für sie gefährlichen T-Zellen außer Gefecht zu setzen.

An diesem Punkt setzt die Immuntherapie mittels Checkpoint-Inhibitoren an: Die Krebspatienten erhalten Antikörper, die die Checkpoint-Andockstellen der T-Zellen blockieren – und damit quasi die Bremse dieser Abwehrzellen lösen. Erste Immuntherapien nach diesem Prinzip sind bereits zur Bekämpfung von Schwarzem Hautkrebs im fortgeschrittenen Studium und einigen Formen des Lungenkrebses zugelassen. Weitere Antikörper für die Checkpoint-Immuntherapie sind im Test.

Allerdings kann auch eine solche Immuntherapie erhebliche Nebenwirkungen verursachen. Weil die T-Zellen durch die Antikörper quasi enthemmt werden, greifen sie oft auch körpereigene, gesunde Zellen und Gewebe an und setzen dort entzündungsfördernde und zellschädliche Botenstoffe frei. Viele leiden dadurch an Erschöpfung, Durchfällen, Schleimhaut-Schäden und Organentzündungen bis hin zu schweren Autoimmunreaktionen. Meist lassen sich diese Nebenwirkungen aber mit Glucocorticoiden und anderen immundämpfen Wirkstoffen abmildern.

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