Kinesio-Tapes: Was können die bunten Klebestreifen?
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Kinesio-Tapes: Was können die bunten Klebestreifen?

Bild: Foto: Maeder, Herbert, 1930–2017, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Vor allem Hobbysportler und Athleten tragen sie immer öfter: Bunte Bänder, die auf diversen Körperteilen kleben. Die farbenfrohen Kinesio-Tapes sind allerdings kein Modetrend, sondern ein Medizinprodukt. Denn sie sollen dabei helfen, Verletzungen zu kurieren oder Körperteile zu stützen. Aber wie soll ein Klebeband dazu beitragen und was haben die bunten Farben eigentlich für eine Bedeutung?

Seit einigen Jahren tragen selbst Leistungssportler bei den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften kinesiologische Tapes. Dadurch sind diese Klebbänder inzwischen wohl weltweit bekannt, obwohl ihre Ursprünge eigentlich in Japan liegen. Denn dort entwickelte der Chiropraktiker Kenzo Kase die ersten Kinesio-Tapes zur Anwendung bei Sportverletzungen. Der Stütz- und Bewegungsapparat sollte durch das besondere Band bewusst mobilisiert statt stillgelegt werden, wie es bei vielen Tapeverbänden der Fall ist.

Was genau ist ein Kinesio-Tape?

Die klebenden Bänder bestehen meist aus einem Baumwollgewebe, das mit Elastanfasern durchzogen ist, und einem Acrylatkleber. Es gibt sie aber auch schon aus anderen Materialien, wie zum Beispiel Viskose. Dadurch sind die Bänder einerseits fest, andererseits aber auch sehr dehnbar und kleben sehr lange und fest auf der Haut.

Auch wenn man das meinen könnte: Die verschiedenen Farben der Bänder zeigen nicht verschiedene Dehnstufen oder Stärken an. Dennoch messen manche Menschen den Farben eine Bedeutung bei, denn in der klassischen Farbenlehre gilt Rot eher als aktivierend und Blau als beruhigend. Patienten mit einer Prellung können demnach zum eher kühlen Blauton greifen, während für eine Verspannung ein wärmendes rotes Band aufgeklebt wird – doch das ist eher Glaubenssache.

Alles in einem Band

Obwohl es kaum wissenschaftliche Nachweise über die Wirksamkeit der Tapes gibt, erfreuen sich die bunten Klebestreifen trotzdem immer größerer Beliebtheit. Das liegt nicht zuletzt an ihrem breiten Anwendungsspektrum. Denn das Klebeband soll unter anderem Schmerzen lindern, den Stoffwechsel anregen oder Gelenke stützen. Leistungssportler tragen es sogar vorbeugend, um die Funktion bestimmter Muskelbereiche anzuregen oder zu stabilisieren.

Aufgrund dieser Vielfältigkeit wird das Klebeband auch für die unterschiedlichsten Leiden eingesetzt. Dazu gehören vor allem jegliche Art von muskulären Beschwerden, wie zum Beispiel Muskelzerrungen und Verspannungen. Doch auch bei Verletzungen des Bewegungsapparates, bei Rückenproblemen und selbst bei Menstruationsbeschwerden oder Migräne empfehlen einige Physiotherapeuten das bunte Band.

Stimulierende Wirkung

Die Behandlung mit dem Tape folgt in der Regel dem Grundgedanken, dass eine moderate Bewegung bei vielen Heilungsprozessen hilfreich ist. Durch das Klebeband werden beispielsweise verletzte oder überanstrengte Muskeln zwar geschont, aber weiterhin leicht beansprucht. Das verhindert, dass sie sich zurückbilden. Gleichzeitig soll das Band eine leichte Massage des Gewebes bewirken und die Durchblutung anregen. Diese Wirkung wird vor allem darauf zurückgeführt, dass die aufgeklebten Bänder die Haut leicht anheben und gegen das darunterliegende Gewebe verschieben. Dadurch werden der Stoffaustausch und die Durchblutung der kleinsten Blutgefäße verbessert.

Gekreuzt, in mehreren Streifen oder beides kombiniert: Wie genau das Band auf den Körper geklebt wird, hängt von der Art der Beschwerden und von der Philosophie ab. Kases ursprüngliche Methode baute unter anderem auf der Theorie der Kinesiologie auf. Bei dieser Heilmethode wird vorab ein Muskeltest durchgeführt und danach entschieden, wie therapiert wird. Heute haben sich mehrere verschiedene Techniken etabliert, die Mediziner, Sporttherapeuten und Physiotherapeuten erlernen können.

Allen Ansätzen gemeinsam ist, dass die Art und Weise, wie das Band aufgeklebt wird, die Wirkung beeinflusst. Entscheidend ist beispielsweise, mit welcher Dehnung das Tape aufgeklebt wird und in welche Richtung das Band verläuft. Meist folgen die Klebebänder dem Verlauf von Muskeln, Sehnen oder Nervensträngen. Es kann aber auch sternförmig geklebt werden, wie beispielsweise bei einem Hexenschuss, oder netzartig, wie bei geschwollenen Gelenken.

Selbst bekleben oder zum Spezialisten?

Die meisten Experten empfehlen, die Kinesio-Tapes von Experten aufkleben zu lassen. Diese können die Beschwerden besser einordnen und wissen, wie das Tape am besten wirkt. Viele Patienten bekleben sich aber trotzdem in Eigenregie. Gefahren bei dieser Anwendung sind zwar bisher nicht bekannt. Damit das Tape aber tatsächlich wirkt, sollten mindestens gute anatomische Kenntnisse und Grundlagenwissen der Taping-Methoden bekannt sein.

Damit das Klebeband gut auf dem Körper haftet, müssen die betroffenen Hautstellen trocken, sauber und fettfrei sein und auch starke Körperbehaarung sollte gegebenenfalls entfernt werden. Soll das Band vorbeugend beispielsweise gegen Krämpfe und Zerrrungen wirken, beispielsweise beim Sport, dann sollte es mindestens 30 Minuten vorher aufgeklebt werden.

Die Wirkung der bunten Bänder ist bis heute überwiegend aus der Praxis bekannt. Denn wissenschaftliche Studien über Kinesio-Tapes sind bisher noch wenig aussagekräftig, was die heilende Wirkung betrifft. Deswegen wird das Band auch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt. Trotzdem werden die Bänder von vielen Physiotherapeuten und Ärzten empfohlen. Unter anderem, weil die Wirkung der Bänder nicht auf die Zeit in der Praxis beschränkt ist, denn die Kinesio-Tapes können rund sieben Tage lang durchgehend getragen werden.

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