Die Fähigkeit zur Regeneration von verloren gegangenen Zellen und Geweben ist eine Eigenschaft fast aller Lebewesen. Eindrucksvoll zeigt sich dies am Beispiel einer Eidechse, die, um ihrem Fressfeind zu entkommen, ihren Schwanz "abwirft", der bald darauf durch einen neuen ersetzt wird. Allerdings nimmt die Regenerationsfähigkeit mit steigender Organisationshöhe der Organismen ab. Beim Menschen ist sie von dem betroffenen Gewebe abhängig. Abschluss- und Bindegewebe sind außerordentlich regenerationsfähig, die Muskulatur des Herzens und bestimmte Nervenzellen dagegen überhaupt nicht. Allgemein grenzt man die physiologische Regeneration, den natürlichen Ersatz von abgestorbenen Zellen und Gewebe (z.B. von Blutzellen, Haaren, oberen Hautschichten), von der pathologischen oder reparativen Regeneration ab, die in enger Beziehung zur Wundheilung steht. Die primäre Wundheilung (z. B. nach einer Operation) erfolgt innerhalb von vier bis sechs Tagen unter Verklebung eng zusammenliegender Wundränder. Bei weit auseinanderklaffenden Wundrändern, nach Wundinfektion oder bei stark geschädigten Wundrändern dagegen setzt die sekundäre Wundheilung ein. Diese dauert länger, die Entzündungserscheinungensind stärker, und es kommt zur Bildung des Granulationsgewebes, das für die Auffüllung der Wundhöhle sorgt.
Phasen der Wundheilung
Die Wundheilung läuft in der Regel in drei aufeinander folgenden Phasen ab: Exsudations-, Proliferations- und Differenzierungsphase. Je nach Art der Wunde können diese Phasen unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Darüber hinaus beeinflussen auch Lebensalter, bestimmte Hormone und der allgemeine Gesundheitszustand den Heilungsprozess.
Exsudation
Die Wunde füllt sich durch die verletzten Gefäße mit Blut. Eine vorläufige Abdichtung wird durch die sofort einsetzende Blutgerinnung erreicht. Dabei verkleben die Wundränder durch die Fibrinfäden des Blutgerinnsels, und es entsteht Wundschorf, der die Austrocknung der Wunde und das Eindringen von Krankheitserregern verhindert. Bald setzt die Entzündungsreaktion ein. Über eine Erweiterung der Gefäße wird die Durchblutung verstärkt, was zur Rötung und Erwärmung des umliegenden Gewebes führt. Die Durchlässigkeit der Gefäßwände erhöht sich, so dass sich Blutserum in der Wunde ansammelt, was eine Schwellung zur Folge hat. Auch Leukocyten werden angelockt. Diese reinigen die Wunde, indem sie abgestorbene Zellen, Gewebetrümmer, eingedrungene Keime und Schmutzpartikel umschließen und verdauen.
Proliferation
In der anschließenden Proliferationsphase beginnt der Wiederaufbau der normalen Gewebsarchitektur. Hierbei wachsen Zellen aus der Innenwand der verletzten Blutgefäße in den Wundbereich und bilden so genannte Kapillarbäume. Die Zellen des angrenzenden Bindegewebes, die Fibroblasten, wandern ebenfalls aus der Umgebung ein, teilen sich rege und bilden mit den Blutkapillaren ein junges Bindegewebe, das wegen seiner körnigen Oberfläche als Granulationsgewebe bezeichnet wird.Aus diesem entsteht später das Narbengewebe. Die Fibroblasten sind aber auch für die Bildung der zahlreichen Kollagenfasern des Bindegewebes verantwortlich, die sich entsprechend der mechanischen Belastung ausrichten, die Reißfestigkeit des neuen Gewebes verstärken und die Wundränder wieder zusammenziehen.
Regeneration
In der Regenerationsphase schließlich ist das Wundbett mit Granulationsgewebe ausgefüllt. Nun beginnt die Bildung neuer Blutgefäße. Gleichzeitig schieben sich junge Epithelzellen langsam vom Rand her über die Wundfläche. Sie teilen sich so lange, bis die Wunde nach etwa einer Woche vollständig geschlossen ist und der Wundschorf sich ablöst.




