Latino sine Flexione
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Latino sine Flexione

Bild: Foto: Rauno Kalda, CC BY-SA 3.0 ee, via Wikimedia Commons

1903 veröffentlichte der Italiener Giuseppe Peano einen Artikel mit dem Titel “De Latino sine Flexione, Lingua Auxiliare Internationale.” Der Kerngedanke war: Warum sich über eine gemeinsame Plansprache den Kopf zerbrechen, wenn die Welt schon eine hatte? – Latein!

Traum aller Lateinschüler

1903 veröffentlichte der Italiener Giuseppe Peano einen Artikel mit dem Titel “De Latino sine Flexione, Lingua Auxiliare Internationale.” Der Kerngedanke war: Warum sich über eine gemeinsame Plansprache den Kopf zerbrechen, wenn die Welt schon eine hatte? – Latein! Aber nicht das klassische Latein, das zusammen mit dem Römischen Reich untergegangen war, sondern ein modernes, vereinfachtes Anglo-Latein ohne die so typischen Flexionen, Konjugationen und weitere komplizierte Regelungen – getreu dem Motto “Weniger ist mehr”.

Um zu beweisen, dass das gut gehen kann, begann er seinen Artikel in klassischem Latein und stutzte Schritt für Schritt die Flexionen, ohne dabei an Bedeutung oder Verständlichkeit zu verlieren. Das Ergebnis nannte er “Latino sine Flexione”, kurzfristig auch “Interlingua”. Nachdem die “International Auxiliary Language Association (IALA)” aber später im Jahr 1951 ein eigenes Sprachprojekt mit der Bezeichnung “Interlingua” veröffentlichte, besann man sich aber wieder auf den alten Namen.

Grammatik-Abriss mit Beispielen

Grundlage für sämtliche Latino(-sine flexione) -Endungen der Nomen – die auch die Funktion von Verben übernehmen können – sind die Genitiv-Endungen “-æ”, “-i”, “-us”, “ei” und “-is” des klassischen Latein. Aus ihnen erhält man die “neuen” Endungen “-a”, “-o”, “-u”, “-e” und “-e”. Beispiele: aus “rosæ” wird “rosa” (Rose), aus “lauri” “lauro” (Lorbeer) und aus “pacis” “pace” (Frieden). Für die Mehrzahl wird ein “-s” angehängt. Das Geschlecht lässt sich anhand der Nomen nicht erkennen (“Cane” für Hund/Hündin), für eine derartige Spezifikation werden die Substantive mit “mas” (männlich) und “femina” (weiblich) ergänzt. Adjektive (verwendbar auch als Adverbien) enden auf “-o”, sofern die Nominativ-Endungen des Alt-Latein “-is” und “um” lauten – andernfalls beziehen sie ihre Endungen (wie die erwähnten Nomen) die Genitiv-Form. Beispiele: “celebris” → “celebro” (berühmt), “novum” → “novo” (neu), “audacis” → “audace” (kühn). Bei den Verben sieht es ein bisschen unkomplizierter aus: Die meisten sind identisch mit den Infinitiv-Formen des klassischen Latein – nur ohne die Endung “-re”. Beispiele: “aspicere” → “aspice” (gucken, schauen), “perire” → “peri” (sterben) und “volare” → “vola” (fliegen). Artikel – sowohl bestimmt als auch unbestimmt – gibt es nicht. An ihre Stelle treten Pronomen wie “illo” oder “uno”, wie z.B. in “Da ad me illo cervisia” (Gib mir das Bier) oder “Da ad me uno cervisia” (Gib mir ein Bier).

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