Machen Tablets Kinder unkreativ?
Lernen & Familie

Machen Tablets Kinder unkreativ?

Bild: Foto: Erwin Spindler, Public domain, via Wikimedia Commons

Einigen Eltern ist es lieber, wenn ihre Kinder ganz klassisch mit Puppen und Bauklötzchen spielen. Digitale Technik wie iPads sehen sie als Gefahr für Entwicklung und Gesundheit des Nachwuchses. Und auch die Wissenschaft empfiehlt Kindern maximal drei Stunden Bildschirmzeit pro Tag. Doch digitale Spielgeräte sind beliebt und auch in Vorschulen längst kein ungewohnter Anblick mehr.

Einigen Eltern ist es lieber, wenn ihre Kinder ganz klassisch mit Puppen und Bauklötzchen spielen. Digitale Technik wie iPads sehen sie als Gefahr für Entwicklung und Gesundheit des Nachwuchses. Und auch die Wissenschaft empfiehlt Kindern maximal drei Stunden Bildschirmzeit pro Tag. Doch digitale Spielgeräte sind beliebt und auch in Vorschulen längst kein ungewohnter Anblick mehr.

iPad versus Bauklötzchen

Unabhängig davon, ob Kinder in der digitalen oder in der echten Welt spielen, lassen sich bei ihnen grob gesprochen zwei Formen des Spiels beobachten: exploratives und imaginatives. Beim explorativen, erforschenden Spiel lernen Kinder etwas über ihre Umwelt, indem sie verschiedene Dinge ausprobieren. Beim imaginativen, fantasiegeleiteten Spiel setzen die Kinder ihre Vorstellungskraft ein, zum Beispiel für Rollenspiele wie „Vater-Mutter-Kind“.

Forschende um Robin Samuelsson von der schwedischen Universität Uppsala haben kürzlich untersucht, wie ausgeprägt diese beiden Spielformen beim Spielen mit iPads und beim Spielen mit klassischem Spielzeug wie Bauklötzchen, Verkleiden oder Puppen sind. Dafür beobachteten und filmten sie das Spielverhalten von insgesamt 30 Kindern aus zwei verschiedenen schwedischen Vorschulen.

An der ersten Schule waren die gefilmten Kinder vier bis fünf Jahre alt, an der zweiten Schule konzentrierten Samuelsson und seine Kollegen sich auf zweijährige Kinder. In beiden Einrichtungen ist das Spielen mit iPads Alltag. Die Forschenden werteten dann aus, wie oft sie jeweils exploratives und imaginatives Spielen beobachtet hatten.

Kreativitäts-Killer Tablet?

Das Ergebnis: Die Kinder spielten mit den iPads fast nur explorativ und mit klassischen Spielzeugen vorrangig imaginativ. Bei den Zweijährigen zeigte sich das explorative Spiel mit dem iPad etwa, indem sie verschiedene iPad-Funktionen, Menüpunkte und die Kamera ausprobierten. Die vier- bis fünf-jährigen Kinder probierten neue Apps aus. Auch außerhalb von der Beschäftigung mit iPads spielten die Kinder explorativ. Sie testeten zum Beispiel, wie gut verschiedene Gegenstände schwimmen können.

Doch fantasiegeleitetes, kreatives Spiel kam bei den Kindern deutlich häufiger vor, wenn sie auf klassische, analoge Weise spielten. Dazu gehörten vor allem verschiedene Arten des Rollenspiels. Die jüngeren Kinder führten zum Beispiel ihre Puppen mit dem Kinderwagen aus, während die älteren Kinder so taten, als wären sie Batman oder ein Polizist. Bei der Beschäftigung mit dem iPad beobachteten die Wissenschaftler dagegen so gut wie keine kreativen Spielformen. Lediglich bei den jüngeren Kindern, die mithilfe von Emojis Nachrichten formulierten.

Digitales Spielen muss nicht schlechter sein

„Eine Neigung zu explorativen Spielformen sollte jedoch nicht mit einer Minderwertigkeit gegenüber fantasievollen Spielformen gleichgesetzt werden“, betonen Samuelsson und seine Kollegen. Auch ohne iPads spielten die Kinder schließlich explorativ. Und sowohl in der digitalen als auch in der realen Welt konnten sie dabei Neues ausprobieren und daraus lernen.

Der Einsatz von Tablets bei Vorschulkindern ist also nicht generell zu verteufeln. Man müsse sich nur im Klaren darüber sein, dass er auf Kosten kreativerer Spielformen gehen könnte, so die Forschenden.

Mehr aus Lernen & Familie

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Lernen & Familie.

Alle Lernen & Familie-Artikel
Universität Regensburg: Eine Zusatzmessung halbiert Fehlerrate von Quantenbits
Lernen & Familie

Universität Regensburg: Eine Zusatzmessung halbiert Fehlerrate von Quantenbits

4. November 2026

Forscher aus Regensburg zeigen: Eine einzige zusätzliche Messung vor Rechenoperationen senkt die Fehlerrate von Quantenbits um mehr als die Hälfte – ein möglicher Baustein für künftige Quantencomputer.

Universität Hohenheim und Max-Rubner-Institut suchen Rezeptur mit weniger Nitrit in Wurst
Lernen & Familie

Universität Hohenheim und Max-Rubner-Institut suchen Rezeptur mit weniger Nitrit in Wurst

3. November 2026

Seit Oktober 2025 gelten in der EU strengere Grenzwerte für Nitrit und Nitrat in Wurst und Schinken. Ein deutsch-belgisches Forschungsteam sucht nun Rezepturen, die trotzdem sicher und schmackhaft bleiben.

Bessere Noten in Deutsch: Mit diesen Tipps klappt es Schritt für Schritt
Lernen & Familie

Bessere Noten in Deutsch: Mit diesen Tipps klappt es Schritt für Schritt

21. Oktober 2026

Bessere Noten in Deutsch gelingen, wenn man die eigenen Schwächen genau kennt, regelmäßig übt, Textanalysen strukturiert aufbaut und sich bei Bedarf gezielt Unterstützung holt. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten…

Medizinstudium in Deutschland: Wie die Studienplatzvergabe wirklich funktioniert
Lernen & Familie

Medizinstudium in Deutschland: Wie die Studienplatzvergabe wirklich funktioniert

14. Oktober 2026

Einen festen Numerus clausus, den man vor der Bewerbung nachschlagen könnte, gibt es für Humanmedizin in Deutschland nicht. Die Grenzwerte, die nach jeder Vergaberunde kursieren, sind das Ergebnis eines mehrstufigen…

← Zurück zu Lernen & FamilieZur Startseite